Vom Einbruchsversuch zum Familienglück
Kimi findet sein Zuhause bei Familie Flottmann
- Vor der Ankunft in Deutschland: Liebesbekundungen ans Team von Stays of Streets
- Foto: Strays of Streets
- hochgeladen von Sven Rathert
Es gibt viele gute Gründe, sich einen Hund ins Haus zu holen. Die Geschichte von Strays of Streets (SoS), Kimi, dem Mischling, und Familie Flottmann zeigt, wie schön es mit einem geretteten, neuen Familienmitglied sein kann.
Wenn die Entscheidung nach gründlicher Überlegung gefallen ist, stellt sich unweigerlich die Frage: Züchter, privater Vermehrer oder soll es ein Hund aus dem Tierschutz sein? Leider hat die immens gestiegene Nachfrage an Hunden dafür gesorgt, dass immer skrupellosere Gruppen Profit mit den schutzlosen Tieren machen wollen. Das hat nicht nur dubiose Gruppen, die als Tierschützer auftreten, auf den Plan gerufen, sondern auch dem Ruf seriöser Tierschutzvereine und -vermittler geschadet. Einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren, ist sicherlich eine sehr gute und unterstützenswerte Sache. Es sollte sich jedoch im Vorfeld gründlich über die jeweilige Organisation informiert werden. Nur ein paar Fragen, die dringend geklärt werden sollten: Wie kommen die Tiere nach Deutschland? Wie genau werden sie transportiert? Wie lange sind die Hunde ununterbrochen in den Transportboxen? Werden auch ansteckende Tiere transportiert?
Die Anschaffungskosten für Hunde aus dem Auslands-Tierschutz sollten 500 Euro nicht überschreiten. Die sogenannte Schutzgebühr dient, wie der Name schon sagt, dem Schutz der Tiere. Seriöse Vereine haben Kosten, um entsprechende Hunde zu retten und auch weiterhin retten zu können. Grundsätzlich gilt: Ein Hund ist ein Lebewesen und darf nicht unter menschlicher Profitgier leiden, das heißt Züchter (oder Vermehrer) aufzusuchen, die horrende Summen für "Modehunde" verlangen, sollten nicht unterstützt werden. Der Preis für einen Hund ist je nach Rasse unterschiedlich - für gewöhnlich liegt der Preis bei seriösen Züchtern zwischen 400 und 1.300 Euro - ist dieser überschritten, sollte der Züchter einige gute Argumente dafür haben (sehr hochwertiges Futter, Umweltgewöhnung der Hunde unter menschlicher Führung etc.). Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle ebenfalls sein, dass es auch in hiesigen Tierheimen eine große Menge an tollen Hunden gibt - es muss kein Hund aus dem Ausland sein.
Manchmal braucht es nur einen Anstoß, um einen lang gehegten Traum in die Tat umzusetzen. Bei Melanie Flottmann und ihrer Familie war es ein Einbruchsversuch, der den endgültigen Ausschlag gab: „Wir hatten schon länger überlegt, einen Hund aufzunehmen“, erzählt sie. „Nach dem Vorfall wollten wir einfach ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit - und ein Familienhund sollte es sowieso irgendwann werden.“ In einer WhatsApp-Nachbarschaftsgruppe im Raum Rosengarten fragte sie schließlich gezielt nach einem familienfreundlichen, katzenverträglichen Hund, der optimalerweise auch ein bisschen auf Haus und Garten aufpassen kann - zumindest mit seiner Stimme.
Kimi - ein kleiner Mischling mit großem Herz
Die Tierschutzorganisation Strays of Streets vermittelte schließlich die glücklichen Parteien. Gründerin Alicia Arafa sah die Nachricht und hatte sofort einen möglicherweise passenden Hund im Blick, der schon für einem Transport aus der Slowakei eingeplant war: Kimi - ein etwa zweijähriger Mischlingsrüde, vermutlich mit Labrador- oder Beagle-Anteilen. Auch wenn die Flottmanns nach Austausch von Informationen und Bildern ihr Interesse bekundeten, kam Kimi erstmal nach Ostfriesland zu einer Pflegestelle. Bei Streets of Strays kommen alle Hunde zunächst auf eine private Pflegestelle - auch, um das Verhalten in einem häuslichen Umfeld zu testen. "Das ist unser Konzept. Nur so können wir sichergehen, dass für Hunde sowie Menschen alles passt", sagt Arafa.
- Kimi hat sein neues Zuhause in Alvesen gefunden
- Foto: Strays of Streets
- hochgeladen von Sven Rathert
Melanie Flottmann erinnert sich und sagt: „Als Alicia fragte, ob wir bereit wären, ihn dort zu besuchen, haben wir sofort zugesagt.“ Ein vorheriger Hausbesuch durch die Tierschützerin war da längst erfolgt - eine wichtige Voraussetzung, bevor ein Hund vermittelt wird.
Am 15. Dezember letzten Jahres kam Kimi nach Deutschland, und bereits Anfang Januar zog er offiziell bei Familie Flottmann ein. Melanie, ihr Mann Kris, ihre sechsjährige Tochter Emily und der zweijährige Paul hatten ihn bereits sehnsüchtig erwartet. „Wir haben ihn erst einmal ankommen lassen, ihm Zeit gegeben, unser Zuhause zu erkunden, und auch den Kindern erklärt, dass er in Ruhe alles kennenlernen muss und darf.“
Ein Herz und eine Seele
Die Verbindung zwischen den Kindern und Kimi war schnell spürbar. „Er war von Anfang an unglaublich vorsichtig mit ihnen“, erzählt Melanie. „Jetzt 'streiten' sich die Kinder, wer ihn füttern oder mit ihm spielen darf.“ Für Melanie ist klar: „Ein Hund gehört einfach zur Familie dazu - besonders auf dem Land.“ Seit 2023 lebt die Familie im Elternhaus von Melanie in Rosengarten, nachdem sie zuvor in Hamburg gewohnt hatte.
Kimi hat sich schnell eingelebt. Ob im Garten beim Spielen, auf dem Sofa oder im Bett beim Kuscheln - der sanfte Rüde ist mittendrin im Familienleben. „Er ist genauso dickköpfig wie meine Kinder, das passt einfach“, sagt Melanie lachend. Auch mit den Nachbarn kommt der Hund gut klar, und ganz alleine ist er eigentlich nie – die Großeltern wohnen gleich nebenan.
- "Der perfekte Freund fürs Leben"
- Foto: Flottmann
- hochgeladen von Sven Rathert
Tierschutz zum Anfassen
Für Alicia Arafa ist die Geschichte von Kimi ein Paradebeispiel für den Lohn ihrer Arbeit: „Wir möchten nahbaren Tierschutz bieten, Vertrauen schaffen und vermitteln, dass jeder Fragen stellen darf. Das unterscheidet uns von vielen anderen Organisationen.“ „Wäre Kimi zum Beispiel nicht mit Kindern in der Pflegestelle zurechtgekommen, hätten wir Melanie und Kris wieder absagen müssen.“
Regelmäßige Nachkontrollen und persönliche Kontakte gehören für Alicia ebenso dazu wie gemeinsame Spaziergänge, sogenannte Social Walks. „Wir laden Interessierte ein, mit uns und unseren vermittelten und vermittelbaren Hunden unterwegs zu sein, auch wenn sie selbst noch keinen Hund haben.“
Melanie fühlt sich gut betreut: „Wir konnten uns jederzeit melden, wenn wir Fragen hatten - sogar eine Transportbox wurde uns für die Abholung geliehen. Das war einfach ein richtig guter Austausch.“ Für sie stand von Anfang an fest, dass ein Hund aus dem Tierschutz kommen soll: „Ich möchte nicht, dass für mich ein Hund gezüchtet wird, wenn es so viele wunderbare Tiere gibt, die ein Zuhause suchen.“
Und dieses Zuhause hat Kimi gefunden - mittendrin in einer jungen Familie, mit viel Liebe, Platz zum Toben und zwei kleinen besten Freunden fürs Leben.
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Redakteur:Sven Rathert aus Seevetal |
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