Wohin mit den stark radioaktiven Abfällen?
Atommüll-Endlager: Viele Flächen in den Kreisen Stade und Harburg sind weiter im Verfahren
- Die Karte zeigt die Bereiche in den Landkreisen Stade und Harburg, die noch hinsichtlich der Eignung für ein Endlager untersucht werden müssen (in grauer Farbe). Die weißen Flächen wurden bereits 2020 ausgeschlossen. 2024 kamen die Flächen in Orange hinzu
- Foto: BGE/OpenTopoMap/jd
- hochgeladen von Jörg Dammann
Ein sicherer Ort für eine Million Jahre – das ist das Ziel der bundesweiten Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle aus den inzwischen stillgelegten Atomkraftwerken. Die für die Suche zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am heutigen Montag (3. November) einen neuen Zwischenstand veröffentlicht: Während im Süden Deutschlands bereits zahlreiche Regionen geprüft und in weiten Teilen als ungeeignet ausgeschlossen wurden, befinden sich viele Gebiete im Norden – darunter auch weite Teile der Landkreise Stade und Harburg – weiterhin im Prüfverfahren.
53 Prozent nicht oder gering geeignet
Zum jetzigen Zeitpunkt liegen Einschätzungen für weitere 29 der 90 Teilgebiete vor, die für eine Atommüll-Endlagerung ins Visier genommen wurden. 13 dieser Teilgebiete wurden bereits im Vorjahr als ungeeignet oder gering geeignet eingestuft. Somit haben die BGE-Experten bereits 53 Prozent der infrage kommenden Flächen so gut wie ausgeschlossen. Derzeit muss noch ein Viertel des Bundesgebietes einer Prüfung unterzogen werden. Ende 2027 will die BGE dann einige wenige Standortregionen für die übertägige Erkundung vorschlagen. Diese Standorte sollen durch Anwendung geowissenschaftlicher Messmethoden untersucht werden. Dafür werden u.a. Schallwellen in den Untergrund (3D-Seismik) geschickt und Bohrungen vorgenommen.
Grau bedeutet noch nicht bewertet
"Der aktuelle Arbeitsstand zeigt Flächen in Teilgebieten, die bereits einen oder zwei der vier Prüfschritte zur Bewertung der Sicherheit durchlaufen haben", erläutert die Bereichsleiterin Standortauswahl bei der BGE, Lisa Seidel. Die auf der BGE-Karte in Orange oder Gelb gefärbten Flächen haben die ersten beiden Prüfschritte der vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen nicht bestanden. Sie sind damit als Endlagerstandort ungeeignet (orange) oder gering geeignet (gelb). Mit grauer Farbe sind jene Regionen gekennzeichnet, die sich noch am Anfang des Bewertungsprozesses befinden. Dazu zählt auch ein Großteil der Flächen in den Landkreisen Stade und Harburg. Bis Mitte 2026 sollen laut Seidel auch diese Gebiete die ersten beiden Prüfschritte durchlaufen haben.
Salzstöcke Stade und Harsefeld ungeeignet
Für den Landkreis Stade liegen bereits Entscheidungen zu einigen Gebieten vor: Zuletzt wurden im Jahr 2024 zwei Salzlagerstätten im Stader Kreisgebiet aus dem Verfahren genommen. Die eine Lagerstätte erstreckt sich in fast nord-südlicher Richtung quer durch Nordkehdingen, die andere in einem Bogen südlich des Stader Stadtgebietes von Hagen über Riensförde bis Agathenburg. Auch der Stader Salzstock wurde ausgeklammert. Der Harsefelder Salzstock stand von Anfang an nicht zur Debatte. Grund ist die anderweitige Nutzung: Die dortigen Kavernen werden für die Solegewinnung durch das Unternehmen Dow sowie als Gasspeicher verwendet.
Geeignete Salz- und Tonformationen
Ein Großteil des Stader Kreisgebietes dürfte aber weiterhin im Verfahren bleiben. Hintergrund ist die geologische Beschaffenheit: Norddeutschland gilt wegen seiner tief liegenden Tonformationen grundsätzlich als geeignet für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle. Diese Formationen erstrecken sich unter anderem auch über das Gebiet des Landkreises Stade. Das Gleiche gilt für den Stader Nachbarkreis: Der Landkreis Harburg gehört weiterhin zu den Regionen, die im Rahmen der Endlagersuche nicht ausgeschlossen wurden - bis auf ein paar Teilflächen. Der Landkreis Harburg weist auch einige Salzstrukturen auf, die bislang als geeignet gelten – eine endgültige Bewertung steht aber noch aus.
Weitere detaillierte Infos bietet der BEG-Navigator:
www.bge.de/de/endlagersuche/standortregionen/endlagersuche-navigator/
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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