Hamburgs Bahn-Nadelöhre werden Dauerbaustellen
Für Hamburg-Pendler kommt es noch dicker: Jahrelange Bauarbeiten an den Elbbrücken
- Ein Metronom-Zug fährt über eines der Nadelöhre für den Hamburger Bahnverkehr: Die Bahnbrücken über die Norderelbe sind marode und müssen in den kommenden Jahren erneuert werden
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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Die vierwöchige Sperrung der Bahnstrecke zwischen Harburg und Hamburg-Hauptbahnhof für sämtliche Regionalzüge ist womöglich nur ein Vorgeschmack darauf, was Pendlern und Bahnreisenden in den kommenden Jahren bevorsteht. Wer jetzt Mitte 50 ist und täglich mit dem Zug zur Arbeit nach Hamburg fährt, muss bis zu seiner Rente mit Streckensperrungen, Zugausfällen und erheblichen Verzögerungen bei der Fahrt in die City rechnen. Der rund elf Kilometer lange Schienenstrang vom Harburger Bahnhof bis zum Hauptbahnhof wird in den kommenden zehn bis 15 Jahren zur Groß- und Dauerbaustelle. Vor allem die maroden Elbbrücken, die ein Nadelöhr für den gesamten Zugverkehr sind, müssen erneuert und erweitert werden.
Eisenbahnbrücken bei Harburg: Zehn Jahre Großbaustelle an der Süderelbe
Besonders aufwendig wird der Ersatz der vier Eisenbahnbrücken über die Süderelbe zwischen Harburg und Wilhelmsburg. Zwei werden vom Personenverkehr genutzt, eine von Güterzügen und eine von der S-Bahn. Rund 1.000 Züge passieren täglich diese wichtige Verbindung. Wegen des schlechten Zustands der bestehenden Bauwerke dürfen die Züge derzeit nur mit Tempo 60 fahren. Nach dem Neubau sollen wieder bis zu 160 Stundenkilometer möglich sein.
- Die Eisenbahnbrücke über die Süderelbe bei Harburg (im Vordergrund) muss im kommenden Jahrzehnt durch einen Neubau ersetzt werden
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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Die vorbereitenden Arbeiten sollen 2028 beginnen. Anschließend wird die Elbquerung für voraussichtlich zehn Jahre zur Großbaustelle. Die Dimensionen sind gewaltig: Rund 27.000 Tonnen Stahl, 50.000 Kubikmeter Beton und 20 Kilometer neue Gleise werden benötigt.
- Die Visualisierung zeigt die Pläne der Deutschen Bahn für den Neubau der Süderelbbrücken
- Foto: DB InfraGo/ARGE Vössing Grassl
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Um den Zugverkehr während der Bauzeit weitgehend aufrechtzuerhalten, entstehen die neuen Brücken zunächst neben den vorhandenen Bauwerken. Drei werden westlich der bisherigen Trasse errichtet, die S-Bahn-Brücke östlich davon. Später werden die Neubauten an ihre endgültigen Standorte verschoben. Ganz ohne Unterbrechungen wird das nicht funktionieren. Die Bahn rechnet mit zwei jeweils vierwöchigen Sperrungen, um die neuen Brücken an das Schienennetz anzuschließen. Für ausfallende S-Bahnen sollen Ersatzbusse eingesetzt werden.
Norderelbbrücken: Zwei zusätzliche Gleise sollen Engpass beseitigen
Auch die Norderelbbrücken haben das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht. Die rund 100 Jahre alten Eisenbahnüberführungen können nach Angaben der Bahn weder wirtschaftlich noch technisch sinnvoll saniert werden. Täglich passieren rund 660 Züge die vier vorhandenen Gleise. Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) beziffert die Auslastung auf 140 Prozent. Deshalb sollen die beiden bisherigen Eisenbahnbrücken ersetzt und eine zusätzliche dritte Brücke gebaut werden. Sie bringt zwei weitere Gleise, sodass künftig sechs statt vier Gleise über die Norderelbe führen.
- Die Norderelbbrücken sollen erneuert und um zwei Gleise erweitert werden (Visualisierung)
- Foto: Deutsche Bahn AG
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Baubeginn ist frühestens im Jahr 2031. Die Arbeiten sollen mindestens sieben Jahre dauern und mehr als eine Milliarde Euro kosten. Während der Bauzeit sollen provisorische Brücken den Zugverkehr ermöglichen. Dennoch werden voraussichtlich zwei jeweils dreiwöchige Streckensperrungen notwendig sein.
- Die Visualisierung zeigt, wie die neuen Norderelbbrücken nach ihrer Fertigstellung Ende der 30er Jahre aussehen sollen
- Foto: Deutsche Bahn AG
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Mit Verzögerungen ist zu rechnen
Schon jetzt kann man davon ausgehen, dass es bei diesen Sperrungen nicht bleiben wird. Bislang mussten bei fast allen Baumaßnahmen der Bahn Fristen verlängert und Zeitangaben zur Wiederfreigabe von Streckenabschnitten nach hinten korrigiert werden. Jüngstes Beispiel sind die Arbeiten an der RE5‑Bahnsstrecke zwischen Stade und Cuxhaven. Dort sollte die noch immer laufende Baumaßnahme in dieser Woche längst beendet sein.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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