Es geht um die Mobilität der Zukunft
Auto, Bus, Rad: Neues Verkehrskonzept soll den Landkreis Stade voranbringen
- Eine wichtige Verbindung der Region – hoffentlich bald mit Anschluss nach Hamburg: die Autobahn 26 - hier bei ihrem Beginn in Stade
- Foto: Landkreis Stade / Christian Schmidt
- hochgeladen von Jörg Dammann
Wer morgens zur Arbeit fährt, die Kinder zur Schule bringt oder am Wochenende mit dem Rad unterwegs ist, kennt die kleinen und großen Tücken, wenn es darum geht, von A nach B zu kommen: Hier fehlt eine sichere Radverbindung, dort fährt der Bus nicht oft genug – und andernorts kostet der Stau regelmäßig Zeit und Nerven. Wie sich solche Probleme langfristig lösen lassen, damit beschäftigt sich der Landkreis Stade in seinem neuen Gesamtverkehrskonzept.
Der Stader Kreistag hat das Konzept bereits verabschiedet. Es soll für die kommenden 15 bis 20 Jahre die Richtung vorgeben und dabei weit mehr sein als ein Plan, in dem es nur um Straßen und Autos geht. Gemeinsam mit dem Büro Planersocietät hat der Landkreis deshalb ganz unterschiedliche Formen der Fortbewegung unter die Lupe genommen.
Nicht nur das Auto im Blick
Die Aufgaben sind vielfältig. Schließlich geht es nicht nur darum, möglichst schnell anzukommen. Kinder sollen sicher zur Schule gelangen, Senioren und Menschen mit Behinderung sollen ohne großen Aufwand Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten erreichen können und Pendler benötigen verlässliche Verbindungen. Gleichzeitig müssen Waren transportiert und die Interessen der Menschen berücksichtigt werden, die an stark befahrenen Straßen wohnen.
Entsprechend breit ist das Gesamtverkehrskonzept aufgestellt. Neben dem Autoverkehr spielen Fuß- und Radverkehr, Fähren und der öffentliche Nahverkehr eine Rolle. Hinzu kommen Themen wie Wirtschaftsverkehr, Verkehrssicherheit, Sharingangebote und Mobilitätsmanagement. Dabei wurde das Konzept nicht allein am Schreibtisch entwickelt. Bürger konnten sich bei verschiedenen Online- und Präsenzformaten beteiligen. Außerdem brachte eine erweiterte Runde im Arbeitskreis Verkehr, bestehend aus Fachleuten, Politikern, Verwaltungskräften sowie Vertretern von Institutionen und Interessengruppen, ihre Erfahrungen ein.
Eine Strategie fürs Fahrrad
Für verschiedene Bereiche hat der Landkreis sogenannte Schlüsselmaßnahmen festgelegt. Beim Thema Nahmobilität steht eine landkreisweite Radverkehrsstrategie weit oben auf der Liste. Gemeinsam mit Städten und Gemeinden sollen einheitliche Standards und eine systematische Radverkehrsführung entwickelt werden. Das dürfte besonders dort interessant werden, wo Radfahrer bislang mit Lücken im Wegenetz oder wenig komfortablen Verbindungen zurechtkommen müssen.
Bus bestellen statt lange zu warten
Auch beim öffentlichen Nahverkehr sollen neue Wege ausprobiert werden. Sogenannte On-Demand-Angebote sollen den klassischen Linienverkehr ergänzen. Anders als ein Bus mit festem Fahrplan und vorgegebener Route können solche Angebote stärker auf den tatsächlichen Bedarf der Fahrgäste reagieren.
In den Samtgemeinden Harsefeld und Horneburg ist dazu ein Pilotprojekt vorgesehen. Damit soll erprobt werden, wie sich das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen lässt.
Mehr Lebensqualität entlang der Kreisstraßen
Ein weiterer Baustein betrifft die Kreisstraßen. Viele Straßen seien bislang vor allem auf Kraftfahrzeuge ausgerichtet, während die Bedürfnisse von Radfahrern und Fußgängern nicht ausreichend berücksichtigt würden, heißt es in der Pressemitteilung des Landkreises.
Das soll sich ändern. Eine verträglichere Gestaltung der Kreisstraßen soll sowohl dem motorisierten Individualverkehr als auch dem Wirtschaftsverkehr zugutekommen. Innerhalb der Ortschaften sind zudem Verkehrsberuhigungen vorgesehen. Sie sollen für mehr Sicherheit sorgen und gleichzeitig die Lebensqualität erhöhen.
Schulwege besonders im Fokus
Einen besonderen Stellenwert bekommen Kinder und Jugendliche. Der Landkreis möchte das Mobilitätsmanagement an Schulen stärken. Als Schulträger kann der Kreis dabei selbst aktiv werden. Das Ziel: Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sich vielseitig, nachhaltig und vor allem sicher fortzubewegen. Gleichzeitig sollen ihre Bedürfnisse stärker in die Verkehrsplanung einfließen und Kinder und Jugendliche möglichst eigenständig mobil sein können. Damit knüpft der Landkreis auch an seinen Anspruch als „Kinderfreundlicher Landkreis“ an.
Plan für die kommenden Jahrzehnte
Von der Radverkehrsstrategie über flexible Busangebote bis zur Gestaltung der Kreisstraßen: Das Gesamtverkehrskonzept ist bewusst langfristig angelegt. In den kommenden 15 bis 20 Jahren soll es als Orientierung dafür dienen, wie sich Verkehr und Mobilität im Landkreis Stade weiterentwickeln.
Wie schnell die einzelnen Ideen im Alltag sichtbar werden, hängt nun von ihrer konkreten Umsetzung ab. Die Richtung ist jedenfalls vorgegeben: Unterschiedliche Verkehrsmittel und die Bedürfnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen sollen künftig stärker gemeinsam gedacht werden.
Das vollständige Gesamtverkehrskonzept sowie die Dokumentationen der Beteiligungsformate stellt der Landkreis Stade auf seiner Internetseite zur Verfügung.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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