Kreishaus wurde evakuiert
Endlich war der Ankerplatz in Stade mal voll – dank Feueralarm
- Der Stader Ankerplatz während der Evakuierungsübung des Landkreises
- Foto: Daniel Beneke/Landkreis Stade
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Der Stader Ankerplatz war an einem ganz normalen Wochentag endlich einmal so belebt, wie es sich seine Erfinder vermutlich seit Jahren wünschen. Hunderte Menschen standen am heutigen Montagvormittag (29. Juni) auf dem Platz, unterhielten sich, schauten sich um, manche lächelten sogar. Für einen kurzen Moment hatte man das Gefühl: So könnte das also aussehen, wenn das Projekt funktioniert.
Der einzige kleine Haken: Der Ansturm hatte mit dem Ankerplatz- Projekt so wenig zu tun wie ein Kreuzfahrtschiff mit dem Stader Burggraben. Der Grund für das plötzliche Menschenmeer war nämlich eine Alarmübung im direkt angrenzenden Kreishaus. Der Landkreis Stade beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter. Und wenn dort Evakuierungsalarm ausgelöst wird, füllt sich der Platz Am Sande schlagartig ganz von allein.
Evakuierung als routinemäßige Übung
„Es handelt sich um eine routinemäßige Evakuierungsübung, die wir mehrmals im Jahr durchführen“, erklärt Landkreis-Pressesprecher Daniel Beneke auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Diesmal sei ein klassischer Feueralarm ausgelöst worden. Die Räumung habe problemlos funktioniert. Als Sammelpunkt diene der Platz Am Sande.
Auffällig dabei: Beneke spricht vom „Platz Am Sande“. Den Begriff „Ankerplatz“ vermeidet er. Ob das Zufall ist? Man darf zumindest vermuten, dass die Begeisterung für das Containerdorf bei den meisten Menschen im benachbarten Kreishaus eher überschaubar ausfällt.
- Der Vize-Chef im Stader Kreishaus, der Erste Kreisrat Thorsten Heinze, übernimmt während der Übung das Kommando
- Foto: Daniel Beneke/Landkreis Stade
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Unfreiwillige Nachbarschaft
Die Nachbarschaft war schließlich in der Vergangenheit nicht frei von Reibungen. So berichtete das WOCHENBLATT bereits über die Überwachungskamera auf dem Platz, deren extrem helle Strahler zeitweise direkt in die Büros der Kreisverwaltung leuchteten. Außerdem stand die Sorge im Raum, Beschäftigte könnten beim Betreten des Kreishauses mit erfasst werden. Die Stadt wies diese Befürchtung damals als unbegründet zurück.
Einst eine ambitionierte Idee
Dabei war die Idee des Ankerplatzes einst durchaus ambitioniert: Ein kreativer Treffpunkt, ein urbanes Dorf, ein Ort der Begegnung. Nur leider findet diese Begegnung im Alltag häufig eher theoretisch statt. Wer einen Blick in den Veranstaltungskalender wirft, stößt zwar auf Angebote wie „Coworking“, Workshops oder andere Formate. Die richten sich allerdings eher an jene Zielgruppe, die man im Vereinsjargon vermutlich liebevoll als „Stadtgesellschaft“ bezeichnet – und weniger an den durchschnittlichen Stader, der vielleicht einfach nur auf einen Kaffee oder eine nette Veranstaltung vorbeischauen möchte.
- So wie hier im Mai sieht es üblicherweise an einem Werktag auf dem Stader Ankerplatz aus
- Foto: jd
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Dass auf dem Platz tatsächlich einmal richtig Betrieb herrschte, lag zuletzt ohnehin nicht am Verein selbst. Die große Stadtfest-Disco zog zahlreiche Besucher an, ebenso der Christopher Street Day am vergangenen Wochenende. Beides Veranstaltungen anderer Organisatoren.
Vielleicht hat der Montagvormittag dem Ankerplatz dennoch etwas gezeigt: Das Potenzial für viele Menschen ist durchaus vorhanden. Man braucht offenbar nur einen schrillen Alarmton, der laut Kreis-Sprecher Beneke so unangenehm ist, dass alle freiwillig das Gebäude verlassen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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