Steigender Bedarf an Plätzen
Ganztagsbetreuung im Landkreis Stade: Um wie viele Schüler geht es eigentlich?
- Hanna Münster-Bortig (li.) und Dr. Anja Burchert vom Bildungsbüro des Landkreises Stade haben die Ganztagsbetreuung im Landkreis Stade begutachtet und einen umfassenden Bericht dazu erstellt
- Foto: Nina Dede/LK Stade
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Mit dem nahenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder rückt ein Thema verstärkt in den Fokus, das viele Familien im Alltag unmittelbar betrifft: Wer betreut die Kinder nach Schulschluss – und wie verlässlich ist dieses Angebot? Ein aktueller Bericht des Bildungsbüros des Landkreises Stade liefert nun erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme – und zeigt deutlich, dass der Ausbau bereits in vollem Gange ist, aber auch noch Herausforderungen mit sich bringt. In dem 81-seitigen Bericht wird zudem auf verschiedene Aspekt eingegangen, wie etwa der zeitliche Umfang der Betreuung, außerschulische Ergänungsangebote sowie die Organisation des Mittagessens und der Ferienbetreuung. Das WOCHENBLATT befasst sich an dieser Stelle nur mit den reinen Zahlen.
Zahl der betreuungsberechtigten Schüler steigt Jahr für Jahr
Im aktuellen Schuljahr 2025/26 besuchen mehr als 9.300 Schülerinnen und Schüler die 46 Grundschulen im Landkreis Stade. In den vergangenen beiden Jahren sind die Schülerzahlen an den Grundschulen nur noch leicht angestiegen, in einigen (Samt-)Gemeinden wie Fredenbeck oder Jork waren sie sogar rückläufig. Lediglich Stade verzeichnete ein deutliches Plus von zehn Prozent. Mit der Einführung der Ganztagsgrundschule, beginnend im kommenden Schuljahr mit der Jahrgangsstufe 1, wird in den Folgejahren die Zahl der anspruchsberechtigten Kinder schrittweise stark ansteigen, wie die folgende Tabelle mit den prognostizierten Schülerzahlen deutlich macht (inklusive Buxtehude):
- Schuljahr 2026/27: 2.248 Kinder (nur 1. Klasse)
- Schuljahr 2027/28: 4.427 Kinder (Klassen 1 und 2)
- Schuljahr 2028/29: 6.561 Kinder (Klassen 1 bis 3)
- Schuljahr 2029/30: 8.450 Kinder (alle vier Grundschulklassen)
Trendwende ab 2030: rückläufige Schülerzahlen
Erst danach ist wieder ein Rückgang zu erwarten. Für das Schuljahr 2030/31 werden rund 8.050 Grundschüler prognostiziert, im Schuljahr 2031/32 sind es dann nur noch 7.500 Grundschüler. Der Rückgang wird seitens des Bildungsbüros damit begründet, dass die Zahl der jüngeren Kinder langfristig sinkt. Kreisweit ist bei der relevanten Altersstufe der Sechsjährigen von einem Rückgang von 27 Prozent bis zum Jahr 2031 auszugehen, in einigen ländlichen Kommunen wie Fredenbeck oder Nordkehdingen sind es sogar mehr als 40 Prozent. Zunächst überlagert jedoch die Ausweitung des Rechtsanspruchs diesen rückläufigen Effekt.
Bedarfsquote von 57 Prozent als Planungsgrundlage
Bei den Planungen für den Bedarf an Betreuungsplätzen im Rahmens des Ganztagsangebots orientiert sich der Landkreis an der derzeitigen Bedarfsquote der schon bestehenden Ganztagsgrundschulen in Niedersachsen. Im landesweiten Durchschnitt liegt diese Quote bei 57 Prozent. Das bedeutet, dass längst nicht alle Eltern den Rechtsanspruch für eine Ganztagsbetreuung ihres Kinder wahrnehmen. Aber auch diese Zahl ist keine feste Größe. Sie kann nach oben schnellen, sobald der Rechtsanspruch wirksam wird. Das Bildungsbüro hat sich daher zum Ziel gesetzt, für die künftigen Planungen "eine landkreiseigene Bedarfsquotentwicklung vorzuhalten". Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass einige Schulen für bestimmte Wochentage ein verpflichtendes Nachmittagsangebot vorhalten werden.
Ausgehend von einer Bedarfsquote von 57 Prozent ergibt sich laut Prognose folgender Bedarf an Betreuungsplätzen im Ganztag:
- Schuljahr 2026/27: 1.282 Plätze
- Schuljahr 2027/28: 2.524 Plätze
- Schuljahr 2028/29: 3.740 Plätze
- Schuljahr 2029/30: 4.817 Plätze
„Die Ergebnisse der Bestandserhebung zeigen, dass wir im Landkreis Stade vor einem steigenden Bedarf an Ganztagsbetreuungsplätzen stehen“, erklärt Dr. Anja Burchert, verantwortlich für das Bildungsmonitoring im Bildungsbüro. Zudem mache der Bericht deutlich, "dass der weitere Ausbau der Ganztagsbetreuung nicht nur quantitativ, sondern insbesondere qualitativ erfolgen muss", ergänzt Hanna Münster-Bortig, Bildungsmanagerin für den „Ganztag 2026“. Um den Rechtsanspruch verlässlich umzusetzen, seien funktionierende Kooperationsstrukturen und die enge Einbindung außerschulischer Partner unverzichtbar.
Viele Grundschulen haben bereits den Ganztag
Was die Sache allerdings erleichtert: Es beginnen bei Weitem nicht alle Grundschulen bei Null in Sachen Ganztag. Im aktuellen Schuljahr sind bereits 16 der 46 Grundschulen im Landkreis Stade als offene und vier als teilgebundene Ganztagsgrundschule organisiert. Darunter befinden sich alle fünf Buxtehuder Grundschulen und zehn der 13 Grundschulen in Stade. Von den 26 anderen Grundschulen haben bereits 18 einen Antrag auf Ganztagsschulbetrieb mit Beginn des Schuljahres 2026/27 gestellt, davon elf mit einem offenen und sieben mit einem teilgebundenen Angebot. Bei acht Grundschulen stehen noch entsprechende Anträge aus, wobei drei von ihnen planen, im Schuljahr 2027/28 in den Ganztag zu wechseln. Das bedeutet: Ab dem kommenden Schuljahr werden 38 der 46 Grundschulen im Kreisgebiet als Ganztagsschule geführt - davon 25 mit einem offenen und und 13 mit einem teilgebundenen Betreuungskonzept.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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