Wie soll unser Geld künftig aussehen?
Neue Banknoten: Alle dürfen abstimmen
- Vorschläge für die neuen Banknoten
- Foto: European Central Bank 2026
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Es geht ums Geld: Auch wenn heute immer mehr digital bezahlt wird, hat wohl jeder den einen oder anderen Geldschein im Portemonnaie.
Die aktuellen Euro-Scheine zeigen neben ihrem Wert seit mehr als 20 Jahren Bauwerke: Brücken, Tore und Fenster. Doch damit könnte bald Schluss sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet an einer neuen Banknotenserie – und fragt dabei ausdrücklich die Menschen in Europa nach ihrer Meinung. Noch bis Montag, 21. September, kann jeder online seine Favoriten unter den Entwürfen auswählen. Zur Wahl stehen Motive unter dem Motto "Europäische Kultur" sowie "Flüsse und Vögel".
- Eher klassisch: dieser 20-Euro-Schein stellt die Person in den Vordergrund
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Für den europaweiten Design-Wettbewerb rund um das neue Geld hatten sich mehr als 1.200 Grafikdesigner und -designerinnen beworben. 25 von ihnen durften schließlich Entwürfe erarbeiten. Eine unabhängige Jury wählte daraus die zehn Vorschläge aus, über die nun abgestimmt wird.
Zur Auswahl stehen zwei sehr unterschiedliche Blickwinkel auf Europa. Das Thema „Europäische Kultur“ soll das gemeinsame kulturelle Erbe des Kontinents widerspiegeln. „Flüsse und Vögel“ richtet den Blick dagegen auf die europäische Natur und verbindet Landschaften und Lebensräume miteinander.
Warum neue Scheine?
Neben einem zeitgemäßen Erscheinungsbild spielen ganz praktische Gründe eine Rolle. Banknoten werden regelmäßig weiterentwickelt, um sie sicherer und schwerer fälschbar zu machen. Die nächste Generation soll zudem möglichst nachhaltig sein und so gestaltet werden, dass auch Menschen mit Sehbeeinträchtigungen gut mit ihr zurechtkommen.
Bei den vertrauten Werten dürfte sich dagegen nichts ändern. Voraussichtlich wird es weiterhin Scheine über 5, 10, 20, 50, 100 und 200 Euro geben. Auch Größen und Hauptfarben sollen wahrscheinlich beibehalten werden.
Jeder darf mitreden
An der Online-Befragung kann grundsätzlich jeder teilnehmen – unabhängig von Alter, Staatsangehörigkeit oder Wohnort. Die Umfrage ist in allen 24 Amtssprachen der Europäischen Union verfügbar und läuft am Montag, 21. September, um 23.59 Uhr aus. Parallel lässt die EZB eine repräsentative Befragung durchführen.
Das letzte Wort hat anschließend der EZB-Rat. Seine Entscheidung über das künftige Design wird gegen Ende 2026 erwartet.
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Wer jetzt schon Platz im Portemonnaie schaffen möchte, muss sich allerdings gedulden: Nach der Entscheidung müssen die neuen Banknoten erst entwickelt und produziert werden. Bis die ersten neuen Scheine tatsächlich ausgegeben werden, dürften noch einige Jahre vergehen.
Die Online-Umfrage finden Sie hier:
www.ecb.europa.eu/euro/banknotes/future_banknotes/html/index.en.html
Mein Geld bekommt Flügel:
Die Wahl von Redaktionsleiter Jörg Dammann
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Wenn der Euro schon ein neues Gesicht bekommen soll, dann bitte eines mit Schnabel. Unter den Entwürfen für die künftigen Banknoten hat es mir jedenfalls die Serie „Flüsse und Vögel“ angetan – und dort besonders der Vorschlag der französischen Designerin Isabelle Daëron.
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Natürlich hätte auch „Europäische Kultur“ etwas für sich. Beethoven auf dem Zehner, Marie Curie auf dem Zwanziger, Leonardo da Vinci auf dem Hunderter – damit ließe sich an der Supermarktkasse immerhin ein veritables europäisches Geistesleben entfalten.
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Aber ich nehme die Vögel. Denn Flüsse und Vögel sind ziemlich überzeugende Europäer: Sie kümmern sich herzlich wenig um Schlagbäume und Landesgrenzen. Der Eisvogel beantragt keine Einreisegenehmigung, und noch kein Fluss hat an einer Grenze angehalten, weil ihm das richtige Formular fehlte: Freiheit, Bewegung, Natur und ein Europa ohne Grenzen.
Daërons Entwurf gefällt mir dabei besonders, weil er erfreulich wenig nach Behörde aussieht. Die Vögel fliegen tatsächlich, die Flüsse fließen, alles ist in Bewegung. Vom Fünfer bis zum Zweihunderter verändert sich die Landschaft. Dazu das helle Sonnenrund hinter den Vögeln: schlicht, warm und fast poetisch.
Und dann: Hochformat! Endlich hat offenbar jemand bemerkt, dass wir längst in der Generation Hochkant leben. Urlaubsfoto? Hochkant. Video – oder besser neudeutsch: Reel? Hochkant. Instagram, TikTok, Smartphone? Natürlich hochkant. Da ist es nur folgerichtig, wenn auch der Geldschein optisch Anschluss an die Gegenwart sucht.
Wobei ausgerechnet jene Generation, deren Sehgewohnheiten der Entwurf so schön trifft, vermutlich am seltensten diese Scheine in der Hand halten wird. Bezahlt wird mit Smartphone, Smartwatch oder was uns demnächst sonst noch ans Handgelenk implantiert wird.
Vielleicht macht gerade das die neuen Scheine so reizvoll. Wenn Bargeld schon langsam vom alltäglichen Gebrauchsgegenstand zum analogen Kulturgut wird, darf es wenigstens richtig schön aussehen. Mein Votum jedenfalls steht: Lasst die Vögel fliegen.
Kunstvoll, lebendig, europäisch
Die Wahl von Redakteurin Stephanie Bargmann
- Stephanie Bargmann
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Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich gegen einen Entwurf mit Porträts zu entscheiden. Köpfe auf Geldscheinen – das kennt man schließlich schon. Viel spannender fand ich zunächst die Idee, Vögel und ihre Lebensräume auf den neuen Euro-Banknoten abzubilden. Mir gefiel zudem das ungewöhnliche Hochformat.
Und trotzdem fällt meine Wahl am Ende auf Design F von Jan Robert Dünnweller. Mich überrascht das selbst ein wenig. Ausschlaggebend ist vor allem die besondere künstlerische Gestaltung.
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Die europäischen Persönlichkeiten erscheinen nicht als nüchterner oder fotorealistischer Porträtkopf, sondern als handgezeichnete Illustrationen. Der bewusst etwas unperfekte Zeichenstil gibt den bekannten Gesichtern etwas Persönliches und Lebendiges. Die daneben abgebildeten Aquarellelemente und Collagen aus Kreisen, Flächen, Mustern und unterschiedlichen Strukturen wirken zudem nicht überladen, sondern fügen sich zu einem erstaunlich ruhigen Gesamtbild zusammen und lassen zugleich Spielraum für eigene Interpretationen.
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Ein echtes Highlight sind für mich die Rückseiten. Auch dort wird der illustrative Stil fortgeführt, nun aber mit uns Europäerinnen und Europäern als Hauptdarstellern: Menschen begegnen sich in unterschiedlichen kulturellen Alltagssituationen. Damit passt die Gestaltung hervorragend zum europäischen Motto „In Vielfalt geeint“. Die Europakarte und die Sterne verstärken für mich diese Botschaft zusätzlich.
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