Keine Wahlempfehlungen von FDP, Linken und Grünen
Koeser gegen Kramer: Stichwahl um den Stader Bürgermeisterposten ist völlig offen
- Bei der Stichwahl um das Amt des Stader Bürgermeisters treten Kai Koeser (SPD, li.) und Arne Kramer (CDU) an
- Foto: SPD/CDU
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Die Bürgermeisterwahl in Stade geht in die Verlängerung: Das war wohl die am wenigsten überraschende Erkenntnis der Kommunalwahl. Schon im Vorfeld hatte man quer durch die politischen Lager mit einer Stichwahl gerechnet – und ebenso damit, dass sich dort die Bewerber von SPD und CDU gegenüberstehen würden.
So ist es auch gekommen. Kai Koeser (SPD) geht mit 34,6 Prozent als knapp Führender in die Stichwahl, Arne Kramer (CDU) folgt mit 33,1 Prozent. Gerade einmal 336 Stimmen trennen die beiden. Das ist kein Vorsprung, auf dem sich Koeser ausruhen könnte, und erst recht keine Vorentscheidung. Die Karten werden jetzt neu gemischt.
Koeser gegen Kramer: vermutlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Koeser versucht, seinen knappen Vorsprung nun in eine möglichst breite Unterstützung über Parteigrenzen hinweg zu verwandeln. Er sei „dankbar für das große Vertrauen und den Zuspruch“. Nun gebe es eine klare Entscheidung darüber, „welchen Weg Stade einschlagen soll“. Koeser wirbt mit aktiver Politik für Wirtschaft, Kinder und Familien sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bemerkenswert mit Blick auf die Stichwahl ist vor allem ein Satz: „Ich möchte auch diejenigen überzeugen, die bisher anders gewählt haben.“ Ob ihm das in den kommenden Tagen gelingt, ist fraglich.
Kramer wiederum wertet seine 33,1 Prozent als „sehr gutes Ergebnis“. Auch er weiß, dass der geringe Abstand praktisch bedeutungslos ist: „Das Rennen ist völlig offen.“ Inhaltlich stellt der CDU-Kandidat seine Verwaltungserfahrung in den Mittelpunkt. Gute Ideen allein reichten nicht, argumentiert Kramer, man müsse auch wissen, wie sie umgesetzt werden können. Rückenwind sieht er zudem im Abschneiden seiner Partei bei der Wahl für den Stadtrat: Die CDU stelle dort künftig die stärkste Fraktion.
Bleiben die Protestwähler zu Hause?
Jörg Baumann erreichte mit 10,9 Prozent überraschend Platz drei. Sein Ergebnis lässt sich zumindest zu einem erheblichen Teil als Protestvotum interpretieren. Tristan Jorde (Linke) formuliert seine Verwunderung deutlich schärfer. Man müsse offenbar „nur gegen alles sein“ und in der Stader Innenstadt einen schwarz lackierten Reisebus abstellen, um auf zehn Prozent zu kommen – auch ohne ein vernünftiges Wahlprogramm.
Für die Stichwahl könnten gerade diese Baumann-Stimmen interessant sein. Allerdings spricht einiges dafür, dass ein Großteil dieser Wähler weder zu Kramer noch zu Koeser wechseln wird. Wer mit seiner Stimme vor allem Unzufriedenheit ausdrücken wollte, findet im klassischen Duell zwischen CDU und SPD womöglich kein attraktives Angebot. Bleiben diese Wähler am 26. September zu Hause, schrumpft das tatsächlich zu mobilisierende Wählerreservoir erheblich.
FDP: Kein Rückenwind für Kramer
Auch darauf, dass sich die Stimmen der kleineren Parteien einfach nach politischen Lagern verteilen, sollten Kramer und Koeser nicht bauen. Enrico Bergmann (FDP) bezeichnet seine 9,1 Prozent als enttäuschend. Seine Kandidatur sei mit erheblichem Einsatz verbunden gewesen. Bergmann zieht aus der Kommunalwahl zudem eine persönliche Konsequenz. Weil er sowohl in den Stader Rat als auch in den Kreistag gewählt wurde, will er auf das Kreistagsmandat verzichten und sich auf die Ratsarbeit konzentrieren.
Eine Unterstützung Kramers in der Stichwahl lehnt Bergmann ab. Schließlich habe er selbst kandidiert, weil er die anderen Bewerber für ungeeignet halte. Auch der FDP-Ortsverband will nach Angaben der Kreisvorsitzenden Hilke Ehlers keine Wahlempfehlung aussprechen. Die Begründung folgt derselben Logik: Wegen der mangelnden Eignung der anderen Bewerber habe die FDP einen eigenen Kandidaten aufgestellt. Daher gebe es jetzt keinen Grund, eine Empfehlung für die Stichwahl auszusprechen.
Koeser bekommt keine Schützenhilfe von links
Auf der anderen Seite kann Koeser nicht darauf vertrauen, dass sich das Lager links der Mitte hinter ihm schart. Tristan Jorde, der für die Linke 9,5 Prozent erreichte, zeigt sich zunächst besorgt über die aus seiner Sicht geringe Wahlbeteiligung. Dass fast 40 Prozent der Wahlberechtigten zu Hause geblieben seien, bezeichnet er als alarmierend. Sein eigenes Ergebnis sieht er als Achtungserfolg, auch wenn er sich mehr erhofft hatte. Eine persönliche Wahlempfehlung für Koeser will Jorde ausdrücklich nicht abgeben. Seine Kritik an der SPD fällt deutlich aus: Von dieser Partei sei „nichts zu erwarten“, sagt Jorde und verweist auf seine Erfahrungen der vergangenen fünf Jahre im Rat. Insbesondere beim bezahlbaren Wohnen habe die SPD aus seiner Sicht nichts erreicht.
Auch keine Empfehlung der Grünen
Und die Grünen? Auch von ihnen gibt es keine Hilfestellung für Koeser. Das WOCHENBLATT fragte bei Grünen-Ratsfrau Karin Aval ausdrücklich nach: „Wird es eine Wahlempfehlung der Grünen zugunsten eines der beiden Bürgermeisterkandidaten geben, die jetzt bei der Stichwahl antreten?“ Ihre Antwort: „Wir haben keine Wahlempfehlung für einen Bürgermeisterkandidaten gegeben.“
Das klingt ein wenig merkwürdig, schließlich war nicht gefragt worden, ob die Grünen bislang eine Empfehlung abgegeben haben, sondern ob sie für die bevorstehende Stichwahl eine abgeben werden. Politisch lässt sich die Antwort dennoch wohl nur so verstehen: Die Grünen wollen sich nicht auf einen der beiden Kandidaten festlegen. Aval räumt zugleich ein, dass ihre Partei mit ihrem Wahlergebnis nicht zufrieden sein könne. Dieses müsse nun im Orts- und Kreisverband aufgearbeitet werden.
Stichwahl wird zur Mobilisierungswahl
Damit zeichnet sich für Koeser und Kramer eine ungewöhnlich offene Ausgangslage ab. Zusammen kamen beide im ersten Wahlgang auf 67,7 Prozent. Fast ein Drittel der Stimmen entfiel also auf andere Bewerber. Doch keiner der ausgeschiedenen politischen Konkurrenten weist seinen Anhängern nun den Weg zu einem der beiden Finalisten. Das kann die Bedeutung der eigenen Stammwählerschaft sogar erhöhen. Bei nur 336 Stimmen Abstand könnte es am Ende entscheidend sein, welchem der beiden Kandidaten es am besten gelingt, die eigenen Unterstützer ein zweites Mal tatsächlich ins Wahllokal zu locken.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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