Bereits Millionen an Steuergeldern versenkt
Schwimmendes LNG-Terminal in Stade: Die „Energos Force“ ist nach anderthalb Jahren zurück
- Schlepper bugsierten die "Energos Force" am Dienstagabend in den Stader Energiehafen
- Foto: Daniel Beneke
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Fast zweieinhalb Jahre nach ihrer ersten Ankunft ist die „Energos Force“ zurück im Stader Energiehafen. Am Dienstagabend kurz vor 20 Uhr erreichte das knapp 300 Meter lange Spezialschiff – in Fachkreisen FSRU (Floating Storage and Regasification Unit) genannt – Stadersand. Vier Schlepper waren nötig, um den Koloss sicher in das Hafenbecken zu ziehen und zu drücken. Inzwischen liegt die „Energos Force“ fest vertäut an der Kaimauer. Doch Grund zum Feiern gibt es noch lange nicht. Nach jahrelangen Verzögerungen, Streitigkeiten und Millionen-Ausgaben muss das schwimmende LNG-Terminal jetzt vor allem eines: endlich funktionieren.
Damit endet die Odyssee des Spezialschiffes. Im Frühjahr 2025 lag es zunächst im dänischen Skagen auf Reede, dann ging es weiter nach Gibraltar, um schließlich im jordanischen Akaba als schwimmendes LNG-Terminal genutzt zu werden. Die "Energos Force" war vom Bund für ein Jahr an den ägyptischen Energiekonzern Egyptian Natural Gas Holding Company (EGAS) unterverchartert worden. Am 31. August hatte das Schiff im Mittelmeer den Anker gelichtet und sich auf den Weg zurück nach Stade gemacht.
- Die "Energos Force" wird von den Schleppern in Empfnag genommen
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Seefried: DET muss Vertrauen zurückgewinnen
Stades Landrat Kai Seefried begrüßt die Rückkehr des Schiffes zwar grundsätzlich. „Dass die FSRU jetzt endlich wieder im Stader Energiehafen festgemacht hat, ist eine gute Nachricht“, sagt er. Das Terminal könne mit Blick auf den bevorstehenden Winter zusätzliche Sicherheit für die deutsche Energieversorgung schaffen.
Die Inbetriebnahme müsse nun aber zügig und rechtzeitig zur kommenden Heizperiode erfolgen, so der Landrat weiter. Und Seefried nimmt die bundeseigene Deutsche Energy Terminal GmbH (DET) ausdrücklich in die Pflicht: „Es liegt jetzt in den Händen der DET, durch die angekündigte Inbetriebnahme der FSRU das Vertrauen am Standort Stade zurückzugewinnen.“
- Das schwimmende LNG-Terminal legt im Hafen an
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Damit drückt Seefried weit mehr als eine freundliche Erwartungshaltung gegenüber der DET aus. Wer Vertrauen „zurückgewinnen“ muss, hat zuvor Vertrauen verspielt. Nach jahrelangen Verzögerungen, immer neuen Terminverschiebungen und Streit um die Fertigstellung des Terminals ist offenbar auch beim Landrat die Geduld begrenzt. Seefried legt in seinem Statement noch einmal nach: „Dazu gehört auch eine transparente Kommunikation.“
Auch dieser Satz dürfte kaum zufällig gewählt sein. Denn gerade an Transparenz mangelte es in den vergangenen Jahren bei der DET immer wieder. Der Termin für die Inbetriebnahme wurde immer wieder verschoben, Verantwortlichkeiten für die dauernden Verzögerungen wurden hin- und hergeschoben und konkrete Zahlen zu Kosten und Einnahmen blieben unter Verschluss. Das WOCHENBLATT sprach in diesem Zusammenhang wiederholt vom "Energos-Force-Debakel". Da hilft es auch wenig, dass die DET auf ihrer Homepage eher halbherzig ein Bautagebuch zum Terminal führt - mit gerade mal fünf Einträgen seit Anfang Juni.
- Links von der "Energos Force" sind die Kräne von der Baustelle des landseitigen LNG-Terminals zu sehen
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Kein großer Bahnhof mehr
Kein Wunder, dass am Dienstagabend von der Euphorie der ersten Ankunft im Jahr 2024 nichts zu spüren war. Aber nach allem, was in den vergangenen zweieinhalb Jahren geschehen – oder vielmehr nicht geschehen – ist, wären Jubelreden ohnehin fehl am Platz gewesen. Geplant war, dass die "Energos Force" möglichst schnell ihren Beitrag zur deutschen Gasversorgung leisten sollte. Doch die notwendigen technischen Anlagen an Land wurden nicht rechtzeitig fertig. Aus einer zunächst angekündigten Testphase wurden Monate des Stillstands. Das bittere Fazit: Kein einziger Kubikmeter Gas wurde bisher über die „Energos Force“ in das deutsche Gasnetz eingespeist.
Streit statt Gas
Um die sogenannte Suprastruktur – das sind die technischen Einrichtungen oberhalb der Kaikante - wurde sogar ein öffentlicher Streit zwischen den beteiligten Unternehmen ausgetragen. Die Deutsche Energy Terminal GmbH und die Hanseatic Energy Hub (HEH) überhäuften sich mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Die DET warf HEH vor, Anlagen nicht vollständig und vertragsgerecht fertiggestellt zu haben. HEH widersprach energisch und kritisierte das Verhalten der DET. Der Konflikt zog sich hin. Monate gingen verloren. Die Inbetriebnahme rückte immer weiter nach hinten. Erst durch Eingreifen des Wirtschaftsministeriums kam es zur Beilegung des Streits.
Teures Schiff ohne Nutzen
Unklar ist weiterhin, wie viel Steuergelder bisher im Zusammenhang mit der "Energos Force" versenkt wurden. Sowohl das Bundeswirtschaftsministerium als auch die DET verweigern die Auskunft darüber, zu welchen Konditionen die „Energos Force“ gechartert wurde. Nach bisherigen WOCHENBLATT-Recherchen werden die Kosten für eine FSRU dieser Größenordnung auf rund 200.000 Euro täglich geschätzt. Auf ein Jahr hochgerechnet kommt man auf die horrende Summe von 73 Millionen Euro. Zwar wurde die „Energos Force“ zwischenzeitlich unterverchartert. Dadurch konnten offenbar zumindest Teile der laufenden Kosten kompensiert werden. Doch wie hoch die Einnahmen tatsächlich waren, wurde nicht offengelegt. Damit bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: Was hat die „Energos Force“ den deutschen Steuerzahler bislang gekostet?
- Die "Energos Force" ist wieder in Stade
- Foto: Daniel Beneke
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Inbetriebnahme für November geplant
Die DET will das Terminal nun tatsächlich in Betrieb nehmen. Ein erster LNG-Tanker soll nach bisherigen Planungen im November Stade anlaufen. Doch ähnliche Ankündigungen gab es in den vergangenen Jahren genug. Nach zweieinhalb Jahren Verzögerungen reicht es nicht mehr, Termine anzukündigen und Fortschritte zu versprechen. Jetzt zählen nur noch Fakten. Und die DET muss jetzt endlich liefern – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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