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Graue Steinwüsten statt grüner Gärten
Schottergärten in den Landkreisen Stade und Harburg: Viel Kies und wenig Kontrollen

Auch wenn hier noch ein paar Pflanzen wachsen: Solche Schottergärten sind in Niedersachsen verboten | Foto: KI-generiert
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  • Auch wenn hier noch ein paar Pflanzen wachsen: Solche Schottergärten sind in Niedersachsen verboten
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Trotz Verbots gibt es sie immer noch: mit Kieselsteinen zugeschüttete Gartenflächen, meist als Schottergärten bezeichnet. Diese Steinwüsten sind aus Sicht des Naturschutzes völlig nutzlos, da sie typischen Gartenbewohnern wie Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren weder einen Lebensraum noch Nahrung bieten. Dennoch sind solche "Gärten des Grauens" noch vielerorts in den Landkreisen Stade und Harburg anzutreffen.

Diese grauen Steinwüsten sind an Tristesse kaum zu überbieten. Mittlerweile dürfte jedem bekannt sein, dass Schottergärten in Niedersachsen verboten sind. Trotzdem gehören die ökologisch wertlosen Kiesflächen auch in den Landkreisen Harburg und Stade vielerorts weiter zum Straßenbild. Das Problem wird von den Behörden eher zaghaft angegangen - sofern es in den Rathäusern überhaupt ein Thema ist.

Kein Thema in Winsen und Buchholz
In Winsen scheint dies jedenfalls nicht der Fall zu sein. Entsprechend schmallippig fällt die Antwort aus: Schottergärten seien „kein Thema von größerer Bedeutung“, heißt es aus dem Rathaus. Offen bleibt, warum das so ist: Weil es in der beschaulichen Kreisstadt keine oder kaum Schottergärten gibt - oder weil man in der zuständigen Behörde diese Sache für unwichtig hält. Der Winsener Verwaltung sei gesagt: Ein Problem verschwindet bekanntlich nicht automatisch, indem man es kleinredet. Dieser gutgemeinte Hinweis gilt auch für Buchholz. Das Thema Schottergärten ist laut Auskunft der Pressestelle "bislang von von der Stadt nicht schwerpunktmäßig nachverfolgt" worden. Das klingt nicht gerade nach wirkungsvollen Maßnahmen gegen ökologisch fragwürdige Steinflächen.

Winsens Schotterbeet überrascht alle

Buxtehude: Zwang als letztes Mittel
Etwas mehr Engagement legen die beiden Städte im Landkreis Stade an den Tag. So beschreitet die Hansestadt Buxtehude einen moderaten Weg. Zunächst setzt man auf Beratung und Aufklärung. Hat ein Hauseigentümer bei der Gestaltung seines Gartens zu Kies und Schotter gegriffen, soll dieser "vom Nutzen begrünter Gärten überzeugt" werden, so Buxtehudes Pressesprecher Thoma Bücher. Erst wenn die Überzeugungsarbeit nicht fruchtet, werde "konsequenter durchgegriffen" und der "formale Weg" beschritten. Das heißt im Klartext: Der "Steingarten-Sünder" muss die Kieselsteine per Verfügung abräumen und bekommt obendrein noch ein Bußgeld aufgebrummt.

Stufenweises Vorgehen in Stade
Stufenweise und strukturiert geht die Hansestadt Stade vor, um Steingärten aus ihrem Stadtbild zu verbannen. Die Politik hatte 2023 einen Vier-Stufen-Plan beschlossen. Zunächst sollten die stadteigenen Grundstücke überprüft werden, danach die Flächen von Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen. Anschließend sollte eine Informationskampagne folgen – und erst ganz zum Schluss die privaten Eigentümer angeschrieben werden, sofern ein Verstoß vorliegt. Für die Kontrollen wurde das Stadtgebiet in mehrere Zonen aufgeteilt, um die Fälle nach und nach abarbeiten zu können. 

Stade geht weiter gegen Schottergärten vor

Weit ist man Stade aber noch nicht gekommen: Man habe im Sommer 2025 begonnen, private Gärten im Neubaugebiet Riensförde zu kontrollieren, berichtet Stades Pressesprecher Stephan Voigt. Dabei seien "rund 20 Verdachtsflächen" ermittelt worden. Aufgrund fehlender personeller Kapazitäten seien die Eigentümer noch nicht angeschrieben worden. Es stehe nur eine Mitarbeiterin aus der Bauverwaltung zur Verfügung, die diesen Job zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben übernommen habe. 

Zwischenzeitlich ging die Stadt mit gutem Beispiel voran: Am Stadeum wurde jetzt eine Schotterfläche beseitigt und wieder begrünt:

Am Stadeum war bis vor Kurzem noch eine größere Fläche geschottert (Bild oben). Inzwischen ließ die Stadt die Steine beseitigen und Gras aussäen | Foto: jd
  • Am Stadeum war bis vor Kurzem noch eine größere Fläche geschottert (Bild oben). Inzwischen ließ die Stadt die Steine beseitigen und Gras aussäen
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Die beiden Landkreise: Beratung, aber keine Kontrollen

Außerhalb der Städte, die eigene Bauämter haben, sind die Landkreise zuständig. Sowohl der Landkreis Stade als auch der Landkreis Harburg setzen beim Thema Schottergärten bislang eher auf Einsicht als auf Strafen. Bußgelder und Zwangsmaßnahmen waren nicht nötig, da die betroffenen Eigentümer einen freiwilligen Rückbau vornahmen. "Wenn es gelingt, Grundstückseigentümer für die naturnahe Gestaltung ihrer Gärten zu gewinnen, betrachten wir das als Erfolg", erklärt die Pressesprecherin des Landkreises Harburg, Katja Bendig.

Die Bauaufsichten der Landkreise werden ohnenhin nur aufgrund von "Hinweisen" (sprich: Anzeigen) tätig, eigene Vor-Ort-Kontrollen gibt es nicht. Verstöße werden meist nur im Zusammenhang mit anderen baurechtlichen Verfahren gemeldet – etwa bei Schwarzbauten oder Verletzung von Baugrenzen. Das Stader Kreishaus kann keine Fallzahlen nennen. Im Landkreis Harburg gab es seit 2023 weniger als 20 Verfahren. In den vergangenen zwölf Monaten kamen keine neuen Fälle hinzu. Wie sollte auch, wenn der Kampf gegen die Steinwüsten eher mit Infoblatt als mit Nachdruck geführt wird.

Urteil zum Verbot von Schottergärten vom obersten Gericht

Kritik kommt vom BUND-Vorsitzenden
Deutliche Kritik an diesem Schmusekurs kommt von Heiner Baumgarten, Vorsitzender des BUND Stade. Der Gärtner und Landschaftsplaner wirft den Verwaltungen vor, zu zögerlich gegen Schottergärten vorzugehen. Der von der Stadt und Umweltverbänden gemeinsam entwickelte Flyer liege jetzt lediglich im Rathaus aus. Die Anregung des BUND, das Infoblatt in Neubaugebieten flächendeckend zu verteilen, habe die Stadt leider nicht aufgegriffen.

Besonders kritisch sieht Baumgarten es, wenn die Rathäuser öffentlich argumentieren, dass mangels Personal keine Kontrollen erfolgen. Wer als Verwaltung offen erkläre, dass Verstöße nicht kontrolliert bzw. geahndet würden, sende aus seiner Sicht ein fatales Signal.Wenn Vorschriften weder überprüft noch sanktioniert würden, brauche man am Ende auch diese Vorschriften nicht mehr. Dann könne jeder tun und lassen, was er wolle.

Als Beispiel nennt Baumgarten das Stader Neubaugebiet Riensförde. Dort seien eigentlich lebende Hecken vorgeschrieben, vielerorts stünden stattdessen Zäune. Die Verwaltungen sähen das Problem durchaus, sagt der BUND-Vertreter. Doch häufig fehle der Wille, Verstöße konsequent zu verfolgen. Und so bleiben sie vielerorts bestehen: die grauen Steininseln zwischen Thujahecke und Carport. Verboten zwar – aber offenbar noch lange nicht verschwunden.

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Warum Schottergärten so problematisch sind

Die vermeintlich pflegeleichten Steinflächen gelten unter Umweltverbänden längst als ökologisches Desaster. Insekten finden dort weder Nahrung noch Lebensräume. Vögeln fehlen Samen, Würmer und Kleinstlebewesen. Zudem heizen sich Kies- und Schotterflächen im Sommer massiv auf und verstärken Hitzeinseln in Wohngebieten. Auch Regenwasser kann auf den verdichteten Flächen schlechter versickern. 

Schottergärten sind in Niedersachsen bereits seit 2012 verboten. Grundlage ist Paragraf 9, Absatz 2 der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO). Dort heißt es, dass nicht überbaute Grundstücksflächen Grünflächen sein müssen, sofern sie nicht anderweitig zulässig genutzt werden. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg bestätigte 2023 nochmals ausdrücklich, dass Kommunen den Rückbau solcher Steinflächen anordnen dürfen.

Auch wenn hier noch ein paar Pflanzen wachsen: Solche Schottergärten sind in Niedersachsen verboten | Foto: KI-generiert
Am Stadeum war bis vor Kurzem noch eine größere Fläche geschottert (Bild oben). Inzwischen ließ die Stadt die Steine beseitigen und Gras aussäen | Foto: jd
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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