Stadtrunde mit Elan
Senioren machen Stader Altstadt zum Fitnesspfad
- Geschafft: Wencke Delekat (v.li.), Gerda, Christine Boge und Hildegard am Ankerplatz
- Foto: sb
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
In Bewegung bleiben – das ist ein wichtiger Aspekt, um auch im Alter fit und beweglich zu bleiben.
Dass man dafür keine teuren Trainingsgeräte benötigt, zeigen uns Kinder jeden Tag. Ganz selbstverständlich nutzen sie Treppenstufen, große Findlinge und Baumstümpfe, um zu hüpfen, zu balancieren und zu klettern. Gehwegplatten werden zum Spielparcours: Mal wird bewusst nicht auf die Fuge zwischen den Platten getreten, dann wieder schnurgerade auf der Linie gelaufen.
Hand aufs Herz: Als Erwachsene würden wir nicht wie Kinder durch die Stadt hüpfen, Betonpodeste erklimmen oder im Zickzack laufen. Genau dazu lädt jedoch seit Anfang August die Hansestadt Stade ein. Jeden Montag um 9 Uhr wird gemeinsam die historische Altstadt zum Fitnesspfad. Das Angebot richtet sich an Seniorinnen und Senioren – das Bewegungstraining erfolgt mit viel gegenseitiger Unterstützung und jeder Menge Spaß.
„Das Konzept stammt aus Schweden, dort heißt es 'Tantparkour', was übersetzt 'Alte-Frauen-Parkour' bedeutet“, erklärt Wencke Delekat. Die Stader Ergotherapeutin und Fachtrainerin für Seniorensport leitet die Gruppe jeden Montag an und überrascht mit immer neuen Ideen, wie man im Alter fit werden und bleiben kann.
Dass der Begriff „Senioren-Parkour“ jedoch auch missverstanden werden kann, haben sie und die Stader Seniorenbeauftragte Christine Boge bereits bei der Premiere des neuen Angebots Anfang August festgestellt. „Ein sehr sportlicher Senior kam mit dem Vorsatz zu uns, mit Schwung hohe Hindernisse zu überwinden. Andere fühlen sich eher abgeschreckt, weil sie genau das nicht wollen“, berichten die beiden Frauen. „Wir suchen deshalb derzeit nach einem neuen Namen, der dem Programm gerechter wird.“
Urlaubszeit, Arzttermine, geringer Bekanntheitsgrad – all das könnten Gründe dafür sein, dass nach einem gelungenen Start mit rund zehn Personen beim zweiten Termin des „Senioren-Parkours“ nur zwei Frauen dabei waren. Hildegard (88) und Gerda (84) aus Stade, beide alleinlebend, hatten erfolgreich ihren inneren Schweinehund überwunden und stellten sich der Herausforderung. Hildegard war bereits zum zweiten Mal mit von der Partie und berichtete von ersten Erfolgen: „Ich mache jetzt größere Schritte“, erzählte die sehbehinderte Seniorin, die zum Gehen einen Stock benötigt. Ihrem Alter entsprechend körperlich eingeschränkt, gaben beide Frauen beim sportlichen Spaziergang – der beim Café Schöne Zeit an der Poststraße begann und über die Sattelmacherstraße, den Pferdemarkt, die Holzstraße und den Ankerplatz führte – ihr Bestes und wuchsen dabei über sich hinaus.
Los ging es mit einem flotten Spaziergang zum Aufwärmen. Dann folgten große Schritte über die quer gepflasterten hellen Streifen im Trottoir. Es wurde auf Zehenspitzen gegangen, rückwärts gelaufen, beim Gehen die Beine gekreuzt, am Bordstein mit den Fußspitzen aufgetippt, zwischen Pollern Slalom gelaufen und beim Einkaufszentrum am Pferdemarkt sogar die hohe Stufenwand erklommen. Nach einer Stunde waren sich Gerda und Hildegard einig: „Wir sind geschafft – im wahrsten Sinne des Wortes.“ Der Spaß hat jedoch bei beiden überwogen, und sie haben sich fest vorgenommen, nächste Woche wieder dabei zu sein.
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