Ende 2027 dann "Neu-Start" mit dem Metronom
Start Unterelbe geht in DB Regio auf – doch die Probleme bleiben auf der Strecke?
- Auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg - Stade - Cuxhaven fahren ab Ende 2027 wieder die Züge des Metronom
- Foto: jab/os
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„Start Unterelbe“ verschwindet zum 1. August als eigenständiger Name von der Schiene. Der DB-eigene Betreiber der Regionalexpress-Strecke 5 (RE5) zwischen Cuxhaven, Stade und Hamburg wird in die Bahntochter DB Regio Niedersachsen & Bremen integriert. Laut offizieller Pressemitteilung soll damit natürlich „mehr als ein Namenswechsel“ verbunden sein: Zusätzliches Personal und gemeinsame Qualitätsstandards sollen den Betrieb stabiler machen. Fahrplan, Tickets und blau-gelbe Züge bleiben dieselben.
Dabei drängt sich allerdings die Frage auf: Gibt es unter den Fahrgästen wirklich jemanden, der beim neuen Schriftzug auf dem Diensthemd denkt: Jetzt wird alles gut? Ein neuer Name macht keinen verspäteten Zug pünktlich, saniert keine marode Infrastruktur und schickt auch keine verständliche Durchsage auf einen zugigen Bahnsteig.
Schöne Worte auf Wiedervorlage
Dabei hatte Start Unterelbe 2018 nicht gerade leise die Bahn-Bühne betreten, nachdem man dem Metronom die Strecke abgejagt hatte. Sollte es Veränderungen geben, dann „nur zum Positiven hin“, erklärte der Start-Chef Lars Kappel seinerzeit gegenüber dem WOCHENBLATT. Pünktlichkeit und Kommunikation seien entscheidend. Ein eigenes computergestütztes Betriebsleitsystem sollte Fahrgäste bei Änderungen „umgehend“ informieren.
Und dann jener Satz, den man sich acht Jahre später langsam auf der Zunge zergehen lassen sollte: „Wir wissen, dass allen schönen Worten auch Taten folgen müssen.“
Die schönen Worte sind längst verklungen. Doch die Taten gerieten offenbar immer öfter aus dem Takt. Die Geschichte von Start Unterelbe wurde begleitet von Ausfällen, Fahrzeugschäden, Stellwerk- und Signalstörungen, Baustellen und einem jahrelangen Umsteigezwang in Harburg. Nicht alles davon war dem Betreiber anzulasten. Doch für den Fahrgast ist die Zuständigkeitsordnung ohnehin einfach: Zug da – gut. Zug weg – schlecht.
Auch die Bilanz für das Jahr 2025 ist mäßig. Im Qualitätsmonitor der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) kommt Start Unterelbe mit der Strecke RE5 auf eine Pünktlichkeitsquote von 84,23 Prozent. Das ist lediglich Platz 33 bei 48 Bahnstrecken. Zum Vergleich: Die EVB erreicht auf der Strecke Buxtehude - Bremerhaven (RB33) eine Quote von 93,73 Prozent und erzielt damit Platz elf. Es geht also besser – sogar in derselben Region.
Vom Regio-Regen in die Metronom-Traufe?
Lange hält die neue DB-Regio-Ära ohnehin nicht. Ab Dezember 2027 übernimmt der Metronom wieder die Strecke zwischen Hamburg und Cuxhaven. Man freue sich auf die Rückkehr, heißt es seitens des Uelzener Bahnunternehmens. Fahrgäste dürfen sich dagegen fragen: Soll es ausgerechnet mit dem Metronom besser werden?
Ein Blick in den Landkreis Harburg zeigt, was passiert, wenn ein Bahnunternehmen seine Personaldecke zu knapp näht. Wegen fehlender Lokführer fuhr der Metronom 2023 und 2024 monatelang nach Ersatzfahrplan. Verstärkerzüge fielen aus, abends und am Wochenende wurde das Angebot ausgedünnt, sonntagvormittags fuhr die RB31 zeitweise nur alle zwei Stunden. Die LNVG ließ schließlich sogar Züge von außerhalb zwischen Harburg und Winsen einsetzen.
Miserable Pünktlichkeitsquote
Später fehlten beim Metronom nicht nur Menschen, sondern auch einsatzfähige Fahrzeuge. Auf den Strecken RE3, RE4, RB31 und RB41 galt 2025 erneut ein „Stabilisierungsfahrplan“ – ein schönes Bahnwort für planmäßig gestrichene Züge. Stabil war vor allem die Erkenntnis, dass der gewünschte Zug besser noch einmal in der App überprüft werden sollte. Auch die Pünktlichkeitswerte des LNVG-Qualitätsmonitors für das Jahr 2025 wecken wenig Vorfreude:
- RE4: 76,15 Prozent, Platz 41
- RB41: 73,24 Prozent, Platz 42
- RE3: 70,88 Prozent, Platz 44
- RB31: 68,58 Prozent, Platz 45
Vier Metronom-Linien, vier Plätze ziemlich nah am Tabellenende. Nur drei der 48 Bahnstrecken in Niedersachsen hatten im vergangenen Jahr eine schlechtere Pünktlichkeitsquote.
Das wird kein richtiger "Neu-Start"
2018 löste Start Unterelbe den Metronom ab und versprach Verbesserungen. Am 1. August geht Start in DB Regio auf. Die Züge bleiben dieselben (werden von der LNVG gestellt), die Strecke und viele Infrastrukturprobleme ebenfalls. Damit ist die organisatorische Umstrukturierung allenfalls ein "Neu-Start" auf dem Papier. Für die Fahrgäste zählt nicht, welcher Name am Zug steht, sondern ob er pünktlich kommt und verlässlich fährt. Was dieser "Neu-Start" tatsächlich den häufig frustrierten Bahnfahrern bringt, wird sich erst noch zeigen. Wenn die Züge der DB Regio halbwegs verlässlich fahren und Zugausfälle rechtzeitig kommuniziert werden, wäre das schon eine kleine Sensation.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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