Stader Archäologen finden Hügelgrab aus der Bronzezeit in Ottenbeck
Überraschungsfund aus der Vergangenheit

Archäologinnen Andrea Fink (li.) und Ulrike Ek legen das Hügelgrab aus der Bronzezeit frei
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sc. Stade. „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, sagt Stader Stadtarchäologe Dr. Andreas Schäfer über den überraschenden Fund in Ottenbeck: Mitten im Industriegebiet entdeckten sein Team und er ein Hügelgrab aus der Bronzezeit. Auf 1.500 bis 1.200 vor Christus datiert die Stadtarchäologie die Grabstätte, die einen Einblick in eine längst vergangene Zeit gibt.

Durch Zufall stieß das Archäologieteam auf den Grabhügel. Im Zuge der Bombensondierung im benachbarten Gebiet zeigte der geophysisch untersuchte Boden auffällige Merkmale auf. Grabungen brachten den Überraschungsfund an das Tageslicht: die Reste eines Hügelgrabes aus der Bronzezeit. Kreisrund und normalerweise bis zu zwei Meter hoch sind die Merkmale einer solchen Grabstätte. In der Mitte des Kreises befindet sich das Zentralgrab, wo die soziale Oberschicht begraben wurde, erklärt Dr. Schäfer. Drum herum fand die weitere Bevölkerung in kleineren Gräbern ihre letzte Ruhestätte.

Zwar gebe es in der Nähe Nachweise von bronzezeitlichen Siedlungen, doch dieser Fund sei die erste Grabstätte aus dieser Epoche in Ottenbeck, so Dr. Schäfer. Über die Bronzezeit sei allerdings nur wenig bekannt, erklärt der Archäologe weiter. Und viele Erkenntnisse durch den Fund könne sich die Stadtarchäologie nicht erwarten. Denn: Die Grabstätte ist durch die häufige Nutzung und Bebauung des Geländes „tiefgründig gestört“. Leitungen, Kanäle und Fundamente von vergangenen industriellen Bauwerken, wie die ehemalige Saline, verlaufen direkt hindurch. Doch mit Glück hoffen die Archäologen, auf alte Baumreste von den Särgen des Grabhügels zu treffen.

Trotzdem sei diese Grabung eine Notbergung des Überraschungsfundes. Denn eigentlich ist das Archäologenteam mit einer neuzeitlichen Quelle aus den 1940er Jahren beschäftigt: Nicht weit vom Hügelgrab entfernt, befinden sich die Reste von Baracken des Gemeinschaftslager Ottenbeck während des 2. Weltkrieges. Das Lager - auch als „Italienerlager“ bekannt - diente zur Unterbringung von überwiegend italienischen Zwangsarbeitern, die auf dem Flugplatz arbeiten mussten. Von 1940 bis Kriegsende kamen zudem immer wieder neue Arbeitskräfte aus verschiedenen Ländern, wie Dänemark, Russland, Belgien, Frankreich, Niederlande sowie vereinzelte tschechische und slowakische Arbeiter, in das Gemeinschaftslager Ottenbeck. Circa 120 bis 300 Arbeitskräfte sollen im Lager gleichzeitig untergebracht worden sein. Ausgrabungsfunde der Archäologen zeigen soziale Unterschiede zwischen den Zwangsarbeitern und den deutschen Aufsehern. Nobles Geschirr aus Porzellan gab es für die Deutschen, Blechnäpfe für die Zwangsarbeiter. Auch fand die Stadtarchäologie Marken von Kriegsgefangenen. Ein kurioser Fund: eine perfekt erhaltende Afri-Cola-Flasche aus dem Jahr 1941. „Ein echtes Sammlerstück“, sagt Dr. Schäfer über den ungewöhnlichen Fund.

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