Ein Blick auf die Zahlen, Parteien und Kommunen
Bundestagswahl-Nachlese für den Landkreis Stade

Die Bundestagswahl brachte für den Landkreis Stade keine großen Überraschungen. Das Wahlergebnis in den Wahlkreisen Stade I -Rotenburg II und Cuxhaven - Stade II entspricht weitgehend dem Bundestrend. Die Ex-Ampel-Parteien (SPD, Grüne, FDP) mussten -  wie fast überall - erhebliche Einbußen hinnehmen. Die Zahlen für den gesamten Landkreis wurden bereits hier vorgestellt: Die Wahlergebnisse aus dem Landkreis Stade (bitte klicken). An dieser Stelle bietet das WOCHENBLATT einen Blick auf einzelne Parteien und ausgewählte Kommunen im Kreisgebiet.

Beide CDU-Kandidaten holen das Direktmandat für den Bundestag

CDU wird wieder stärkste Kraft

In beiden Wahlkreisen hat die CDU die SPD wieder als stärkste Kraft verdrängt. Die Union hat in allen Kommunen die Nase vorn - nicht nur in den ländlichen Gemeinden, sondern auch in den beiden Städten. Der Stimmenanteil der CDU liegt zwischen 25,3 Prozent in Stade und 33,2 Prozent in der Samtgemeinde Fredenbeck. Von Zahlen jenseits der 30 Prozent ist die SPD weit entfernt. Die Genossen holten ihr bestes Ergebnis überraschenderweise in Nordkehdingen (25,1 Prozent). Erst dann folgen die beiden Städte. In Buxtehude erzielte die SPD 23,6 Prozent, in Stade kam sie auf 23,3 Prozent. In der Gemeinde Drochtersen sowie in den Samtgemeinden Fredenbeck, Oldendorf-Himmelpforten und Harsefeld rutscht die SPD sogar auf Rang drei hinter der AfD ab. 

Grüne mit geringsten Verlusten bei Ex-Ampelparteien

Von den drei ehemaligen Ampelparteien müssen die Grünen im Landkreis Stade die geringsten Verluste beklagen. Während die Einbußen von SPD und FDP bei zehn bzw. sieben Prozentpunkten liegen, sind es bei den Grünen nicht einmal vier Prozentpunkte. In ihrer traditionellen Hochburg Buxtehude holten die Grünen mit 14,6 Prozent kreisweit ihr bestes Ergebnis, gefolgt von der Gemeinde Jork (12,9 Prozent) und der Samtgemeinde Horneburg (12,3 Prozent). Im einstelligen Prozentbereich blieben die Grünen in den Samtgemeinden Harsefeld (9,7 Prozent), Oldendorf-Himmelpforten (8,4 Prozent) und Fredenbeck (7,5 Prozent) sowie in Drochtersen (6,8 Prozent) und in Nordkehdingen (6,4 Prozent).

AfD teilweise über 20 Prozent

Ihren größten Triumph kann die AfD in Drochtersen feiern. Im Wohnort des Direktkandidaten des AfD-Direktkandidaten für den Wahlkreis Cuxhaven - Stade II, Sebastian Sieg, kam die Rechtsaußen-Partei auf 23,6 Prozent. Außerdem knackte die AfD in diesen vier Samtgemeinden die 20-Prozent-Marke: Oldendorf-Himmelpforten (23,1 Prozent), Fredenbeck (23,1 Prozent), Nordkehdingen (21,7 Prozent) sowie Harsefeld (20,2 Prozent). Kreisweit am wenigsten Stimmen holte die Populistenpartei im Alten Land. In der Samtgemeinde Lühe kam die AfD auf 15,2 Prozent und in der Gemeinde Jork erzielte sie 14,9 Prozent. 

Doch woher holte die AfD ihre Stimmen? Bei der Bundestagswahl 2021 lag die AfD in beiden Wahlkreisen noch unter acht Prozent. Jetzt kommt die Partei auf 18,3 Prozent (Stade I - Rotenburg II) bzw. 20 Prozent der Zweitstimmmen. Hier ist ein genauerer Blick auf einige Wahlbezirke interessant. Überdurchschnittlich hoch ist der AfD-Stimmenanteil beispielsweise in einigen Stader Stadtteilen, in denen verhältnismäßig viele sogenannte "Deutschrussen" leben. Dort erhielt die AfD bereits bei den vergangenen Wahlen regen Zuspruch. Hier spielt wahrscheinlich die ausgesprochen Russland-freundliche Haltung der AfD eine Rolle. 

Sieg für Babendererde (CDU)

AfD-Erfolge auch in einigen Dörfern

Spitzenreiter bei den AfD-Stimmen in Stade ist der Stadtteil Haddorf mit 38 Prozent. Es folgen Hahle (31,6 Prozent), Wiepenkathen (29,3 Prozent), Bützfleth (28,6 Prozent) und Riensförde (27,1 Prozent). Doch einen hohen Anteil von AfD-Wählern gibt es nicht nur in den Stader Stadtteilen und Ortschaften. Auch in einigen Dörfern mitten auf dem platten Land war die AfD erfolgreich und holte Ergebnisse über 30 Prozent. Hier einige Beispiele: Ritsch: 37,5 Prozent; Hammah: 36,6 Prozent; Burweg-Blumenthal: 34,5 Prozent; Kutenholz: 32,5 Prozent; Wischhafen-Hamelwörden: 31 Prozent; Bokel: 30,6 Prozent. 

Mehr als zehn Prozent für Linke und BSW

Beachtenswert ist auch der Erfolg der Linken. Nach der Abspaltung des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) wurde den Linken prophezeit, dass sie in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Die Partei rappelte sich mit einem erfolgreichen Wahlkampf wieder auf und holte besonders bei jüngeren Wählern viele Stimmen. Im Landkreis Stade haben die Linken in den beiden Städten ihr größtes Wählerpotenzial (Stade: 8, 8 Prozent; Buxtehude: 8,4 Prozent). Die schlechtesten Werte haben die Linken in Drochtersen (4,8 Prozent) in Nordkehdingen (4,5 Prozent). In einigen Stader und Buxtehuder Stadtteilen erzielten die Linken sogar zweistellige Ergebnisse. Spitzenreiter ist das Altländer Viertel mit fast 19 Prozent für die Linken. Das BSW wiederum kam nur in Stade knapp über vier Prozent. Ansonsten bewegt sich das Wahlergebnis für die Wagenknecht-Partei im Dreierbereich. Beide Parteien kommen kreisweit auf mehr als zehn Prozent.

FDP bleibt weitgehend unter fünf Prozent

Die FDP konnte lediglich im Alten Land die Fünf-Prozent-Marke knacken (Jork: 5,2 Prozent; Samtgemeinde Lühe: 5 Prozent). In den übrigen Kommunen blieben die Liberalen im Bereich von drei und vier Prozent. Noch ein kurzer Blick auf die Kleinstparteien: Hier war wie sonst auch die Tierschutzpartei mit einem kreisweiten Stimmenanteil von 1,1 Prozent am erfolgreichsten. Die linksliberale Partei Volt erzielte trotz intensiver Plakatierung nur ein äußerst schwaches Ergebnis von 0,8 Prozent. Auf Platz drei bei den Kleinstparteien landeten die Freien Wähler mit knapp 0,7 Prozent.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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