Getöteter Sudanese: Demo-Redner kritisieren Behörden
Gedenken an erschossenen Flüchtling: 100 Teilnehmer bei Kundgebung in Stade

16Bilder

Das könnte Sie auch interessieren:

Panorama
Über verbale sexuelle Belästigung sprechen nur wenige Frauen - viele schämen sich
3 Bilder

Catcalling
Das ist verbale sexuelle Belästigung, kein Kompliment

(sv). Eigentlich bin ich, Svenja Adamski, WOCHENBLATT-Redaktionsvolontärin, überzeugte Kapuzenpulli-Trägerin, ziehe mich lieber warm als hübsch an und gebe nichts auf Make-up. Jetzt habe ich mir aber doch mal eine richtig schicke schwarze Lederjacke mit warmem Teddyfell aus Baumwolle gekauft, weil ich sie absolut fantastisch fand. Kaum dass ich mein neues Lieblingsstück trug, durfte ich mir allerdings eine Menge niedere Anmachsprüche und Gepfeife auf offener Straße anhören, so wie ich es bisher...

Service
Jetzt können die Ärmel für den Piks hochgekrempelt werden
2 Bilder

Nicht mehr stundenlang in der Schlange stehen
Jetzt anmelden: Fünf Impfstationen im Landkreis Stade nehmen am 6. Dezember ihre Arbeit auf

+++ Update: In einigen stationären Impfstationen sind die Termine für Dezember bereits ausgebucht +++ jd. Stade. Landrat Kai Seefried hält seine Zusage ein. Ab der kommenden Woche nehmen die fünf festen Impfstationen ihre Arbeit auf. Für viele, die sehnsüchtig auf eine Impfung warten, dürfte es wie ein Nikolausgeschenk sein: Am Montag, 6. Dezember, erhält die Impfkampagne im Landkreis einen zusätzlichen Schub. Dann wird montags bis freitags jeweils an einem festen Wochentag stationär geimpft....

Service

Steigende Inzidenzen
Diese Veranstaltungen wurden im Landkreis Harburg wegen Corona abgesagt

thl. Landkreis Harburg. Aufgrund steigender Inzidenzzahlen werden im Landkreis Harburg jetzt zunehmend Veranstaltungen kurzfristig abgesagt, egal ob im Sport, in der Kultur, im Gesellschaftsleben oder in der Politik. Das WOCHENBLATT dokumentiert an dieser Stelle, welche Veranstaltungen abgesagt wurden. Die Liste wird fortlaufend angepasst. Die ADFC-Ortsgruppe Winsen hat bis auf Weiteres alle Fahrradtouren abgesagt. Die Gemeindebücherei Stelle hat bis auf Weiteres alle Veranstaltungen abgesagt....

Blaulicht
Zahlreiche Brände wurden gelegt  wie an dieser Garage
2 Bilder

Ermittlungsgruppe eingerichtet
Brandserie in Buxtehude

sla. Buxtehude. Wie berichtet, treibt seit geraumer Zeit ein Brandstifter sein Unwesen in Buxtehude. Zahlreiche Brände wurden gelegt - aber bislang konnte kein Täter ermittelt werden. Bei der Polizeiinspektion Stade wurde daher vor Kurzem eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, die die Serie von Brandstiftungen im Buxtehuder Stadtgebiet aufklären soll. Die Ermittler haben inzwischen mehrere Jugendliche bzw. Heranwachsende aus Buxtehude im Visier. Diese könnten für die Feuer, die mittlerweile einen...

Service

Corona-Pandemie
Alle abgesagten Veranstaltungen im Landkreis Stade

sv. Landkreis Stade. Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen werden im Landkreis Stade wieder zunehmend Veranstaltungen abgesagt. In dieser Liste hält das WOCHENBLATT Sie auf dem aktuellen Stand, welche Termine in der Region Pandemie-bedingt nicht stattfinden können. Die Liste wird fortlaufend aktualisiert. Sollten Sie als Sport- oder Kulturverein oder auch als Partei eine öffentlich angekündigte Veranstaltung absagen müssen, können Sie gerne ein E-Mail an svenja.adamski@kreiszeitung.net...

Panorama
Vor allem sind Frauen sind in Deutschland von Armut betroffen.

Job-Pause, Scheidung - vor allem Frauen trifft es
Zweitjob, um finanziell über die Runden zu kommen

(cbh). Sie haben eine abgeschlossene Ausbildung, langjährige Berufserfahrung, arbeiten teils in verantwortungsvollen Positionen. Und trotzdem reicht das Geld vorne und hinten nicht zum Leben. Diese drei Frau aus den Landkreisen Harburg und Stade benötigen inzwischen zwei Jobs, um ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie zu bestreiten. Mit diesem Problem sind sie nicht allein: Der Anteil der Bundesbürger, die einem Zweitjob nachgehen, hat sich in den vergangenen 20 Jahren von 1,8 Mio. auf 4,1...

Service
5 Bilder

Niedrigste Inzidenz seit einer Woche
Corona-Zahlen im Landkreis Stade am 3.12.: Werte bleiben konstant

jd. Stade. Die Corona-Zahlen stagnieren derzeit im Landkreis Stade: Am Freitag (3.12.) wird mit 132,9 die niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz seit mehr als einer Woche gemeldet. Damit liegt der Landkreis Stade auf Platz 10 der Regionen mit den niedrigsten Inzidenzwerten in Deutschland. Das RKI nennt für Deutschland aktuell eine Sieben-Tage-Inzidenz von 442,1. Die landesweite Inzidenz für Niedersachsen beträgt derzeit 205,9. Die Inzidenzwerte in der Region sehen wie folgt aus: Landkreis Harburg:...

Politik
Kamal I. starb nach Schüssen aus der Dienstwaffe von Polizisten in der Unterkunft in Harsefeld. Er war psychisch auffällig

Erschossener Flüchtling in Harsefeld
Grüne stellen Fragen zum Sozialpsychiatrischen Dienst

tk. Stade. Die Kreistagsfraktion der Grünen stellt den Antrag, dass im Kreissozialausschuss ein Situationsbericht zur Lage des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises vorgelegt werden soll. Hintergrund des Antrags: Am 3. Oktober wurde ein Flüchtling in seiner Unterkunft in Harsefeld von der Polizei erschossen (das WOCHENBLATT berichtete). Der Mann war psychisch auffällig, die Samtgemeinde Harsefeld wurde von Mitbewohnern darauf hingewiesen, dass er Hilfe benötige. Es soll Kontakte...

jd. Stade. Rund 100 Menschen gedachten am Samstagnachmittag des von Polizisten erschossenen Sudanesen Kamal Ibrahim. Der Asylbewerber war vor knapp drei Wochen bei einem Polizeieinsatz in einer Flüchtlingsunterkunft von mutmaßlich vier Kugeln getroffen worden. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Kundgebung fand am Platz Am Sande in unmittelbarer Nähe zum Kreishaus statt. Der Veranstaltungsort war bewusst gewählt: Mehrere Redner auf der rund zweistündigen Demo warfen insbesondere den Kreisbehörden Versagen vor. Der Landkreis Stade steht in der Kritik, weil er dem getöteten Flüchtling trotz eindringlicher Hinweise von Mitbewohnern keine psychologische Betreuung zukommen ließ. Die Untätigkeit des Landkreises habe letztlich zur Eskalation geführt, hieß es auf der Kundgebung, an der sich zahlreiche Geflüchtete und einige wenige Vertreter von Flüchtlingsinitiativen beteiligten.

Die Kundgebung verlief durchweg friedlich. "Es gab keine Vorkommnisse. Die Polizei ist zufrieden", erklärte Polizeisprecher Rainer Bohmbach gegenüber dem WOCHENBLATT. Vor Ort waren keine nennenswerten Polizeikräfte. Ein Streifenwagen und zwei Mannschaftswagen hatten sich auf dem Platz am Sande postiert, zwei weitere Mannschaftswagen standen in einer Seitenstraße. Auf dem Platz vor dem Kreishaus blieben die Demonstranten, von denen ein Teil aus Hamburg angereist war, weitgehend unter sich. Nur einige wenige Passanten kamen vorbei.

Polizei erschießt Flüchtling: Jetzt spricht ein Mitbewohner

Nicht in allen Reden, von denen ein Teil auf Arabisch gehalten wurde, ging um das eigentliche Thema, nämlich die tragischen Umstände, die zum Tod von Kamal Ibrahim führten, und um die Frage, inwieweit die Behörden die Verantwortung dafür tragen. Einige Redner gaben sich klassenkämpferisch, andere wiederum kritisierten allgemein den Rassismus in unserer Gesellschaft. Scharfe verbale Attacken musste die Polizei über sich ergehen lassen - bis hin zum unbewiesenen Vorwurf, Kamal Ibrahim sei gezielt getötet worden. Zwischendurch skandierten die Teilnehmer immer wieder: "Black lives matter, enough is enough."

Deutliche Worte fand Ingrid Smerdka-Arhelger aus Buxtehude. Die Co-Sprecherin der BI Menschenwürde im Landkreis Stade kritisierte die schlechte finanzielle Ausstattung für die Begleitung Geflüchteter. Sie stellte die Frage: "Was muss noch geschehen, damit die landauf landab bekannten Fakten zu psychischen Erkrankungen und posttraumatischen Folgen von Krieg und Flucht auf der Landesebene und in der Kreisverwaltung zu einem Umdenken führen?" Schließlich fordere sogar die Polizeigewerkschaft
den Ausbau sozialpsychiatrischer Einrichtungen. 

Die Teilnehmer der Kundgebung achteten auf den vorgeschriebenen Abstand
  • Die Teilnehmer der Kundgebung achteten auf den vorgeschriebenen Abstand
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Wenn Geflüchtete mit psychischen Problemen keine angemessene Betreuung erhielten und es stattdessen allein den polizeilichen Kräften obliege, mit den daraus entstehenden Gefahrenlagen umzugehen, "dann ist grundsätzlich etwas verkehrt im Landkreis Stade", so Smerdka-Arhelgers Fazit. Im Namen der BI Menschenwürde trug sie einen Forderungskatalog vor. Dieser umfasst folgende Punkte:
Benötigt werde u.a. ...

  • ein jederzeit erreichbarer sozialpsychiatrischer Notdienst im Landkreis Stade
  • sozialpädagogische Betreuung außerhalb bzw. zusätzlich zum sozialpsychiatrischen Notdienst im Landkreis
  • eine Notfall-Erreichbarkeit des Landkreises und bei jeder Kommune, in der Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften leben; das müsse auch am Wochenende und nach Dienstschluss gewährleistet sein
  • eine systematische und kontinuierliche „aufsuchende Hilfe“ – tagsüber und in den Abendstunden.

Zudem forderte Smerdka-Arhelger eine detaillierte Untersuchung des Polizeieinsatzes. Dessen Ablauf müsse sehr genau geprüft und mit größter Transparenz betrachtet werden. Gleichzeitig äußerte sie Verständnis für die schwierige Situation der Polizei: Die Beamten müssten letztlich die sozialpolitischen Defizite von Politik und Verwaltung ausbaden. Ihr Appell: "Wir wollen keine weiteren Kundgebungen durchführen müssen, weil Menschen erschossen werden oder sich und andere gefährden. Wir wollen, dass der Landkreis die Arbeit macht, die ein friedliches Zusammenleben aller ermöglicht und fördert."

Ähnlich äußerte sich ein Redner aus dem Kreis der Geflüchteten. Er forderte einen menschlicheren Umgang der staatlichen Stellen mit Immigranten. Menschen wie Kamal Ibrahim hätten nach Bürgerkrieg und dramatischer Flucht über das Mittelmeer ein Trauma. Er sei nach Deutschland gekommen, um ein besseres Leben führen zu können. Doch die Ämter würden das erschweren und Flüchtlinge ausgrenzen. "Ohne die Weigerung der Behörden, seine psychischen Probleme zu behandeln, würde Kamal noch unter uns sein." 

Die Veranstalter kündigten an, so lange zu demonstrieren, bis ein ausführlicher Polizeibericht im Fall Kamal Ibrahim vorliegt. Man werde bis dahin keine Ruhe geben und alle zwei Wochen eine Kundgebung in Stade abhalten.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

2 Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen