Bürgermeisterwahl in Stade am 26. Mai: Das WOCHENBLATT war mit Amtsinhaberin Silvia Nieber auf Tour
Zehn Orte - zehn Themen

Silvia Nieber auf dem Sportplatz Camper Höhe. Dort gibt es jede Menge Konfliktpotenzial   Fotos: jd
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  • Silvia Nieber auf dem Sportplatz Camper Höhe. Dort gibt es jede Menge Konfliktpotenzial Fotos: jd
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jd. Stade.Seit 2011 steht Silvia Nieber an der Spitze des Rathauses. Wird die SPD-Politikerin ihren Posten behalten oder muss sie den Bürgermeistersessel räumen? Darüber entscheiden die rund 37.200 Wahlberechtigten ab 16 Jahren, die am Sonntag, 26. Mai, zur Bürgermeisterwahl aufgerufen sind. Niebers Haupt-Herausforderer ist der Bützflether Ortsbürgermeister Sönke Hartlef (CDU). Außerdem kandidieren Richard Bodo Klaus (Piratenpartei) und Frank Rutkowski (Die PARTEI). Realistische Chancen haben aber nur Nieber und Hartlef. Mit beiden Bewerbern ging der Stader WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Jörg Dammann auf eine mehrstündige Tour durch die Hansestadt, um direkt vor Ort Themen anzusprechen, die die Stader Bürger bewegen oder die den zwei Kandidaten wichtig sind. "Zehn Orte, zehn Themen" lautet das Motto dieser politischen Stadtexkursion. Fünf Themen durften sich die Kandidaten aussuchen (mit Sternchen* versehen), fünf legte die Redaktion fest. In der heutigen Ausgabe hat die Bürgermeisterin das Wort. In einer Woche kommt ihr Herausforderer von der CDU an die Reihe.

1. Stadthafen
Zunächst geht es zum Stadthafen. Der dortige Parkplatz ist nach Niebers Ansicht verschenkte Fläche. "Das hier ist ein prominenter Standort am Wasser mit viel Entwicklungspotenzial." Wenn das ehemalige Fischlokal abgerissen wird, könnte eine weitläufige Fläche entstehen, die sowohl touristisch als auch für vielfältige kulturelle Zwecke nutzbar sei. "Wir hätten dann ein wunderschönes Eingangstor in die historische Altstadt." Gleichzeitig müsse dann aber der Verkehr auf der Hansestraße eingeschränkt oder sogar ganz von dort verbannt werden. Die vielbefahrene Straße wirke derzeit wie eine Barriere.

2. Kino-Parkplatz
Ein Stück weiter, auf der anderen Seite des Hafenbeckens, befindet sich hinter dem Cinestar-Kino ein großer Parkplatz . Auf diesen Parkplatz weichen zahlreiche Berufstätige aus, die in der Stader City arbeiten und kostenfrei parken möchten. Doch oft ist zum Leidwesen vieler Pendler die Schranke geschlossen. "Ich bin mir dieses Problems bewusst", sagt Nieber. Die Situation am Kino könne sie aber nicht ändern: "Der Parkplatz ist in privater Hand." Sie empfiehlt Dauerparkern, das Parkhaus am Bahnhof zu nutzen. Die Miete für einen Stellplatz koste nur 120 Euro im Jahr. "Nur 50 Cent pro Arbeitstag ist doch wirklich günstig", meint Nieber.

3. Altländer Viertel*
Der Weg führt anschließend ins Altländer Viertel. Stades Multikulti-Stadtteil hat trotz langjähriger Bemühungen, die Wohnsituation aufzuwerten und ein lebenswertes Umfeld zu schaffen, noch immer einen zweifelhaften Ruf. "Völlig zu Unrecht", meint die Bürgermeisterin. Mit Geldern des Förderprogramms zur sozialen Stadterneuerung sei schon viel erreicht worden. Nieber nennt als Beispiel die im vergangenen Jahr eröffnete Begegnungsstätte "ALVI". Wenn die Förderung auslaufe, werde die Stadt ein Nachhaltigkeitskonzept entwickeln und allein die Kosten für das Quartiersmanagement tragen, so die Bürgermeisterin. Auch die Jobs der Streetworker dürfen trotz Spar-zwängen auf keinen Fall wegfallen.

4. Moschee
Mitten im Viertel liegt ein Supermarkt mit türkischen und arabischen Produkten. Was auch die Bürgermeisterin nicht wusste: In dem Gebäude - erreichbar über einen unscheinbaren Seiteneingang - befindet sich eine Moschee. Bürgermeisterin und Redaktionsleiter nehmen sich ein paar Minuten Zeit, den Worten des Imam zu lauschen. Es geht um den Fastenmonat Ramadan, den die Muslime derzeit abhalten. Der Imam spricht über Toleranz und gegenseitigen Respekt, über die Konfessionen hinweg. Nieber zeigt sich von den Worten beeindruckt: "Wenn die Menschen aufeinander zugehen, sind wir hier im Viertel auf dem richtigen Weg." Vor der Moschee wird an einer Imbissbude eine kleine Rast eingelegt. Auch dort ergibt sich ein interessantes Gespräch. Niebers Fazit: "Hier im Viertel trifft man auf nette Menschen. Es ist wichtig, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen und sie und ihre Lebensweise zu respektieren."

5. Haddorf*
Was für ein Kontrast bietet Haddorf im Vergleich zu den Wohnblöcken des Altländer Viertels: eine beschauliche Vorortidylle mit dörflichem Charakter. "Auch das ist Stade", sagt Nieber. Hier lebe es sich anders als in der Kernstadt, aber keineswegs schlechter. "Die Entwicklung unserer vier Ortschaften Bützfleth, Haddorf, Hagen und Wiepenkathen ist mir genauso wichtig wie die Projekte in der Innenstadt oder den Stadtteilen." Am Dorfanger weist Nieber auf den Ortsplan: "In Haddorf haben wir ein kleines Neubaugebiet mit 19 Bauplätzen geschaffen, die bereits alle vergeben sind." Stade bietet hier Leben wie auf dem Dorf mit allen Vorzügen einer Stadt.

6. Ottenbeck*
Das Thema Wirtschaft und Forschung steht in Ottenbeck auf dem Zettel. Nieber postiert sich an der Bushaltestelle vor dem Forschungszentrum des CFK Nord. Die Haltestelle ist aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, dem Material der Zukunft, hergestellt. Dank solcher Einrichtungen wie dem CFK Nord, dem Fraunhofer-Institut und dem Zentrum für Leichtbauproduktions-Technologie stehe der Name Stade für Innovation. Nieber weist auf die gläserne Solarhalle des Forschungszentrums: "Die Büros hier sind auf Jahre ausgebucht. Wir planen jetzt eine Erweiterung, weil wir immer wieder Absagen erteilen müssen, wenn es Anfragen nach Räumlichkeiten gibt." Der rund 8 Mio. Euro teure Neubau soll Stade als Standort einer bedeutsamen Zukunftsbranche weiter stärken.

7. Harsefelder Straße
Von moderner Technik zu marodem Straßenbelag: Die Harsefelder Straße ist - vor allem südlich der B73 - in einem erbärmlichen Zustand. Das weiß auch die Bürgermeisterin: "Hier muss etwas getan werden." Auch hinsichtlich der (fehlenden) Radwege an dieser Hauptverkehrsader bestehe dringender Handlungsbedarf. Spätestens zu Beginn des Schuljahres 2023/24, wenn der Bildungscampus Riensförde seine Pforten öffne, müsse ein sicherer Radweg für die Schulkinder fertiggestellt sein. Die Stadt habe aber südlich der B73 keine Planungshoheit, da die Straße dem Land gehöre. Man sei aber im Gespräch. Ziel soll eine Vereinbarung sein, nach der die Stadt die Radwege in diesem Abschnitt errichtet. Es sei auch denkbar, dass Stade die gesamte Harsefelder Straße bis zum künftigen Bildungscampus übernimmt.

8. Camper Höhe
Auf dem Fußballplatz Camper Höhe wird gerade ein Match angepfiffen. Die Bürgermeisterin setzt sich auf eine Bank und blickt nachdenklich zu den Fußballern. Sie räumt ein: "Es macht die Sache natürlich nicht leichter, dass Stade nicht in das Sportstätten-Förderprogramm des Bundes aufgenommen wurde. So müssen wir uns die Kosten für die Sanierung der Sportplätze vom Munde absparen." Der Umfang hänge von den finanziellen Möglichkeiten der Stadt ab. "Das Minimum, das wir auf der Camper Höhe benötigen, ist eine funktionsfähige Schulsportanlage." Wenn dann auch noch die Allgemeinheit, in diesem Fall der Vereinssport, davon profitiere, sei das umso besser. Allerdings, so Nieber, wolle sie dem Werkstattverfahren nicht vorgreifen. Das Verfahren, das mit einer öffentlichen Begehung am 24. Mai starte, sei ja schließlich ergebnisoffen.

9. Spielplatz Erleninsel*
"Stade ist eine familienfreundliche Stadt und unternimmt viel in den Bereichen Bildung und Kinderbetreuung." - Dieses Statement gibt Nieber auf dem Spielplatz Erleninsel ab. Diese Fläche zwischen Schwinge und Stadtgraben ist so etwas wie der Vorzeigespielplatz der Stadt. Für Nieber hat er offenbar Symbolcharakter. Eine Stadt, die lebenswert sein will, müsse auch an ihre jüngsten Bürger denken. "In den Sommermonaten ist das hier ein richtiges Ausflugsziel für Familien", schwärmt sie. Dieser Spielplatz könnte durchaus als Blaupause für weitere Spielplätze in der Stadt dienen. Kritik an den Überlegungen der Verwaltung, kleinere Spielplätze stillzulegen, weist Nieber zurück. Es gehe nur um Spielplätze, die kaum noch genutzt werden. Außerdem sollten die dann freigewordenen Flächen nicht bebaut, sondern begrünt werden.

10. Bützfleth*
Das letzte Etappenziel ist erreicht. Die Bürgermeisterin zieht es in das Revier ihres Konkurrenten: nach Bützfleth. Dort wurde am Samstag der "Tag der Städtebauförderung" begangen. Nieber freut sich, dass jetzt auch die Stader Altstadt in die Städtebauförderung aufgenommen wurde. Damit habe die Hansestadt jetzt vier Fördergebiete, so Nieber. Neben der Altstadt gehören dazu die Harschenflether Vorstadt (Programm "Stadtumbau West") sowie Hahle und Bützfleth (beides Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"). "In Bützfleth sind innerhalb von zehn Jahren 6 Mio. Euro investiert worden", sagt Nieber. Die sanierte Ortsdurchfahrt und die Grünfläche an der Schule mit Brücke über den Götzdorfer Kanal seien Aushängeschilder der Maßnahme. "Stade genießt einen hervorragenden Ruf bei den staatlichen Stellen, die Fördergelder vergeben", erklärt die Bürgermeisterin. Stade sei dafür bekannt, die Zuschüsse für vernünftige Projekte einzusetzen.

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