Massiven Stellenabbau verhindern
Demos in Stade und Finkenwerder gegen Airbus-Pläne

Zahlreiche Airbus-Mitarbeiter demonstrierten vor dem Stader Werkstor
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jab. Stade/Finkenwerder. Keine Woche ist es her, dass Airbus den dauerhaften Abbau von rund 6.000 Stellen deutschlandweit den Betriebsräten mitgeteilt hat. An den Standorten Finkenwerder sollen 2.324, in Stade 363 und in Buxtehude 61 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Unter dem Motto "Wenn wir zusammenhalten, ist alles möglich" organisierte die IG Metall Küste am Mittwoch einen Aktionstag, um gegen den drohenden Stellenabbau zu demonstrieren.

In Stade vor dem Werkstor kamen weit mehr als die genehmigten 400 Teilnehmer der Werke Stade und Buxtehude zusammen. Dennoch durften nur 400 Personen in den mit Absperrband gekennzeichneten Bereich. Die Übrigen blieben als "Gäste" trotzdem vor Ort und machten ihrem Ärger während der Demo Luft. Auch die Airbus-Mitarbeiter Sonja (38) und Matthias (39) Tiedemann kamen mit Tochter Sina-Marie (8) und Sohn Louis (5) zum Werksgelände: "Wir wissen, dass in der Krise etwas gemacht werden muss, aber es gibt andere Lösungen für das Problem. Wir werden um unsere Arbeitsplätze kämpfen."

Seit 30 Jahren ist Heinz Ebbrecht (61) bei Airbus angestellt. Er kam nach Stade, um für seinen Arbeitsplatz und die seiner Kollegen zu kämpfen. Er mache sich auch Sorgen um die jungen Menschen, die nun um ihre Zukunft bangen. "Wir wollen einen gemeinsamen Weg finden. Bevor wir die Mannschaft reduzieren, schnallen wir alle lieber den Gürtel enger."

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende in Stade, Andreas Hülsenberg, sprach bei den angekündigten Stellenstreichungen von Zahlen, die "einfach nur rausgeschossen" wurden, ohne sich vorher intensiv mit den Standorten und ihren Mitarbeitern beschäftigt zu haben. Denn keiner der Verantwortlichen konnte die Zusammensetzung der Zahlen erklären. Auch Torsten Steiger, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender in Buxtehude, kritisierte, dass mit sogenannten Bruttozahlen um sich geworfen und so Angst und Schrecken verbreitet werde, obwohl die eigentlichen Zahlen wohl nicht so hoch ausfallen würden.

Dass die Corona-Krise Probleme mit sich bringe und dass danach nichts mehr so wie vorher sein werde, sei jedem klar, so Hülsenberg. "Allerdings muss dafür gesorgt werden, dass das Ganze so erträglich wie möglich wird." Die Zahlen der Entlassungen stünden noch nicht endgültig fest, daher sei es wichtig, jetzt Gespräche zu führen. "Bisher war noch keine Krise so schlimm wie prognostiziert", machte Steiger Mut.

Als zweitgrößter Arbeitgeber und mit Blick auf die Steuereinnahmen sei Airbus für die Hansestadt Stade enorm wichtig, so Stades Bürgermeister Sönke Hartlef. "Wie klug und weitsichtig sind Entlassungen, wenn schon jetzt Fachkräftemangel herrscht und wo Experten aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft noch dringender gebraucht werden?" Seine Untersützung der Mitarbeiter sei trotzdem lediglich symbolisch. "Ich kann mich nicht in Konzernangelegenheiten einmischen."

Auch wenn seine Worte und die Unterstützung der anderen Redner gut ankamen, die Airbus-Mitarbeiter erwarten mehr: "Warme Worte helfen nichts. Sönke Hartlef muss sich in der Politik auch für uns einsetzen", fordert Steiger.

Mit einem lauten Knall endete die Kundgebung, als rund 400 Luftballons platzten: ein Symbol für die vielen Arbeitsplätze, die im Landkreis verloren gehen sollen. In Finkenwerder symbolisierten 2.000 leere Stühle die Arbeitsstellen, die das Unternehmen streichen möchte. Auf vielen Stühlen waren Fotos der Familien und selbstgemalte Bilder der Kinder der Arbeiternehmer angebracht, die zeigten, wie groß die Auswirkungen auf die Existenzen sein werden.

Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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