Unternehmen weist Kritik zurück
Wärme aus Altholz: Geplantes Kraftwerk in Stade bleibt umstritten
- Das Gelände des geplanten Altholz-Heizkraftwerks am Stader Seehafen (orange Fläche). Die meisten Bestandsgebäude auf dem vorgesehenen Areal sind - anders als auf dieser Aufnahme - bereits abgerissen. Direkt dahinter befinden sich die Anlagen von AOS
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
- hochgeladen von Jörg Dammann
Der geplante Bau eines Altholz-Heizkraftwerks im Industriegebiet Stade-Bützfleth stößt weiterhin auf heftige Kritik bei den Umweltverbänden. Die Firma Hansekraft plant dort das nach eigenen Angaben größte Holzkraftwerk Deutschlands zu errichten. Ziel sei es, Industrie und Bevölkerung künftig mit Wärme, Dampf und Strom zu versorgen, wie es von Stadt und Unternehmen betont wird. Dies sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur kommunalen Wärmewende. Doch die Naturschutzorganisationen NABU, Robin Wood und Biofuelwatch fordert gemeinsam in einem offenen Brief an die Stader Kommunalpolitik erneut ein Umdenken. Die drei zentralen Kritikpunkte aus Sicht der Umweltschützer: mangelnde Klimaverträglichkeit, steigende Wärmekosten und Risiken für Umwelt und Sicherheit.
Kritikpunkt 1: Klimabilanz der Holzverbrennung
Im offenen Brief der Umweltorganisationen heißt es deutlich: „Das Verbrennen großer Mengen Holz ist nicht klimaverträglich.“ Sie argumentieren, dass bei der Verbrennung von Altholz ähnlich viel CO₂ freigesetzt werde wie bei Kohle. Der Wechsel von einem fossilen zu einem biogenen Energieträger werde als bloßer Austausch gesehen, der den Klimazielen nicht gerecht werde. Es gebe längst modernere und umweltfreundlichere Alternativen wie „Solarthermie, Großwärmepumpen, Geothermie und Power-to-Heat mit überschüssigem Windstrom“.
Hansekraft hingegen widerspricht dieser Einschätzung entschieden. Die CO₂-Emissionen aus der Holzverbrennung seien Teil eines natürlichen Kohlenstoffkreislaufs, da sie beim Pflanzenwachstum wieder aufgenommen würden. „Es handelt sich also um einen geschlossenen Kreislauf, der das CO₂-Niveau der Atmosphäre nicht dauerhaft erhöht“ - im Gegensatz zum Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas, erklärt das Unternehmen in seiner Stellungnahme. "Ausgangspunkt unserer Planungen ist es, der lokalen Industrie wettbewerbsfähigen grünen Dampf in den benötigten großen Mengen zur Verfügung zu stellen." Zudem sei geplant, eine CO₂-Abscheidungsanlage mit sogenannter Aminwäsche-Technologie zu installieren. Damit sollen jährlich bis zu 10.000 Tonnen biogenes CO₂ abgeschieden werden.
Kritikpunkt 2: Fördermittel und Kostenfrage
Ein zentrales Argument der Kritiker ist wirtschaftlicher Natur. Der Einsatz von Altholz, insbesondere in großem Stil, könnte die Wärmekosten für Stader Haushalte und Industrie in die Höhe treiben. Das würde auch "höhere Kosten für die Produktion von Energie für Dow und AOS" bedeuten. Altholz werde zunehmend auch stofflich wiederverwendet, etwa in der Spanplattenproduktion. Dies führe zu Verknappung und Preisanstieg. Auch in anderen Regionen Deutschlands und Europas entstehen aktuell Anlagen, die mit Altholz alternative Produkte wie Holzkohle oder Wasserstoff herstellen – etwa auf Rügen oder in Berlin.
Darüber hinaus warnen die Umweltorganisationen vor dem Wegfall von Bundesfördermitteln. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) dürfe der Anteil von Biomasse im Fernwärmenetz bestimmte Schwellen von 15 bzw. 25 Prozent nicht überschreiten, um förderfähig zu bleiben. Die Annahme seitens der Stadt, dass mit Schadstoffen belastetes oder mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz nicht auf den Biomasseanteil angerechnet werde, sei falsch, heißt es in dem Schreiben.
Die Stadt Stade hingegen betont, dass derzeit noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen seien. In den sogenannten Wärmenetz-Eignungsgebieten werde die Wirtschaftlichkeit und technische Umsetzbarkeit eines Fernwärmenetzes untersucht. Man prüfe derzeit, „ob die Einrichtung eines Wärmenetzes wirtschaftlich möglich und technisch umsetzbar ist“ und wolle sicherstellen, dass die Anforderungen der "Bundesförderung für effiziente Wärmenetze" (BEW-Förderung) eingehalten werden.
Auch Hansekraft weist die Sorgen um steigende Kosten zurück. Man sei markt- und wettbewerbsorientiert aufgestellt und schließe langfristige Lieferverträge mit transparenten Preisen ab. Man habe eine Strategie, um Preisschwankungen auf dem Markt und Lieferengpässen bestmöglich vorzubeugen. Außerdem nutze man ausschließlich Altholz, das nicht mehr stofflich verwertet und beispielsweise für Spanplatten recycelt werden könnte.
Kritikpunkt 3: Störfallrisiken und Umweltbelastung
Besondere Sorge bereitet den Kritikern die Nähe des geplanten Kraftwerks zu Chemietanks im Industriepark, die unter die höchste Risikokategorie der Störfallverordnung fallen. „In Anbetracht der vielen Feuer im Zusammenhang mit Holzkraftwerken“ sei dies nicht zu verantworten, heißt es in dem offenen Brief. Eine Liste mit dokumentierten Bränden an ähnlichen Anlagen liegt dem Schreiben bei.
Hansekraft verweist dagegen auf die strengen deutschen und europäischen Sicherheitsstandards. Die Anlage werde nach den gesetzlichen Vorgaben der Störfallverordnung geplant, gebaut und betrieben. Dazu würden detaillierte Risikoanalysen, Brandschutzkonzepte und Notfallpläne gehören. „Die Sicherheit der Nachbarschaft, der Mitarbeitenden und der gesamten Region hat für uns höchste Priorität“, heißt es in der Stellungnahme.
Auch in puncto Lärmemissionen und Luftqualität sieht sich Hansekraft gut aufgestellt. Die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmwerte sollen deutlich unterschritten werden, Maßnahmen zur Schallreduktion seien integraler Bestandteil der Planung. Moderne Filter- und Reinigungstechnologien würden die Emissionen auf ein Minimum reduzieren. Die Grenzwerte für Feinstaub, Stickoxide und andere Schadstoffe würden nicht nur eingehalten, sondern deutlich unterschritten. Die Ergebnisse der Emissionsmessungen sollen regelmäßig veröffentlicht werden.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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