Rettungstest mit dem NH90 über der Elbe
Jeder Handgriff muss über dem Wasser sitzen
- DLRG-Kräfte beobachten den Aufzug über der Elbe
- Foto: Thomas Prielipp
- hochgeladen von Anika Werner
Ein ungewöhnlicher Gast sorgte kürzlich in Laßrönne für Aufsehen: Ein NH90 der Bundeswehr war auf dem Gelände der Bundespolizei zu Besuch. Der große Hubschrauber des Transporthubschrauberregiments 10 „Lüneburger Heide“ aus Faßberg lockte zahlreiche Luftfahrtfans und Spotter an die Elbe. Hinter dem Flug steckte jedoch kein Schaufliegen, sondern ein wichtiger Test für den Katastrophenschutz.
Das Transporthubschrauberregiment hatte den DLRG-Bundesverband um Unterstützung gebeten. Gemeinsam sollten Bundeswehr und Wasserretter prüfen, wie der NH90 bei Hochwasser und anderen Notlagen über Gewässern eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse sind Teil des Zertifizierungsverfahrens für die Luftrettung mit dem mittelschweren Transporthubschrauber.
Für solche Tests bietet das Bundespolizei-Gelände in Haue bei Laßrönne passende Bedingungen. Dort befindet sich seit vielen Jahren das Luftrettungszentrum Nord für Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Air Rescue Specialists, kurz ARS, der DLRG und der DRK-Wasserwacht trainieren an diesem Standort regelmäßig mit den Spezialkräften der Bundespolizei. Dabei üben sie unter anderem, Menschen aus dem Wasser aufzunehmen und per Hubschrauber in Sicherheit zu bringen.
Für die Bundeswehr war der Ort ebenfalls nicht neu. Bereits im Juni hatte sie dort gemeinsam mit dem DLRG-Bundesverband eine Übung mit einem kleineren Hubschrauber vom Typ H145 LUH SAR durchgeführt. Zertifizierungsoffiziere, die später die Tests mit dem NH90 begleiten sollten, beobachteten den Ablauf und trafen erste Absprachen mit den Wasserrettern.
Am Morgen des 22. August kamen Luftrettungsspezialisten der DLRG aus Schleswig-Holstein und Hessen in Laßrönne zusammen. Auch Wasserretter der DLRG Winsen (Luhe) waren beteiligt. Der NH90 traf mit den Zertifizierungsoffizieren an Bord ein.
Nach einem kurzen Briefing stand zunächst die Sicherheit auf dem Programm. Die Besatzung erklärte den DLRG-Kräften die Besonderheiten des militärischen Hubschraubers. Der NH90 unterscheidet sich in mehreren Punkten von den zivilen Maschinen, mit denen die Luftretter sonst üben. Deshalb mussten alle Beteiligten wissen, wie sie sich bei einem technischen Defekt oder einem Flugunfall verhalten und welche Handgriffe im Notfall nötig sind.
Anschließend besprachen Bundeswehr und DLRG verschiedene Rettungsverfahren. Zunächst blieb der Rotor stehen. So konnten die Beteiligten mögliche Abläufe direkt am Hubschrauber prüfen und an die Besonderheiten der Maschine anpassen. Jeder Handgriff wurde mehrfach wiederholt. Eine Kamera hielt die Versuche für die interne Dokumentation fest.
Erst danach begann der praktische Teil über der Elbe. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, kamen bei den ersten Flügen Dummys zum Einsatz. Mit ihnen testeten die Einsatzkräfte, ob sich die zuvor besprochenen Verfahren auch unter realen Flugbedingungen sicher ausführen ließen.
Nach den erfolgreichen Probeläufen folgten mehrere Aufzüge mit den Air Rescue Specialists der DLRG. Der Hubschrauber nahm die Luftretter über dem Wasser auf. Dabei prüften die Beteiligten unter anderem die abgestimmten Bewegungsabläufe und die Zusammenarbeit zwischen Besatzung und Rettungskräften.
Die Zertifizierungsoffiziere werteten die Beobachtungen direkt vor Ort mit den Einsatzkräften aus. Die Erkenntnisse aus Laßrönne fließen nun in den weiteren Zertifizierungsprozess ein.
Der NH90 könnte die Luftrettung im Katastrophenschutz vor allem bei großflächigen Hochwasserlagen verstärken. Auch bei Einsätzen an Fließgewässern kann seine Transportkapazität helfen, Menschen schnell aus gefährdeten Gebieten zu bringen oder Rettungskräfte an schwer erreichbare Orte zu fliegen.
Redakteur:Anika Werner aus Winsen |
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