Schwere Unwetter als Spezialgebiet
Katastrophenschutzberater Andree Lepa im Interview
- Andree Leepa profitiert bei der Beratung von Rettungsdiensten und Feuerwehren zu Unwetterlagen auch von seinem Studium der Klimageographie
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Dass Andree Lepa einmal im Rettungswesen arbeiten wird, hätte man sich schon bei seiner Geburt denken können: Er erblickte das Licht der Welt im Rettungswagen zwischen Bremen und Bremerhaven. "Ich war schon 14 Tage überfällig, als es bei meiner Mutter dann plötzlich doch ganz schnell ging", blickt der 54-jährige Winsener mit einem Schmunzeln zurück. Heute ist der gelernte Notfallsanitäter, der auch Klimageographie studierte, selbstständiger Berater im überregionalen Katastrophenschutz und schult Feuerwehren und Rettungsdienste. Über eines seiner Spezialgebiete, die Vorbeugung gegen schwerste Unwetter wie kürzlich in Heidenau, sprach Lepa mit WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann.
WOCHENBLATT: Herr Lepa, wie können sich die Bürger gegen Extremwetterlagen, wie es sie beispielsweise in Heidenau gab, und deren Folgen schützen?
Andree Lepa: Die Leuten sollten sich nicht nur Wetter-Apps verlassen, die auf ihren Handys vorinstalliert sind, denn die sind nicht immer zuverlässig. Auf der App des Deutschen Wetterdienstes, die man kostenlos herunterladen kann, sieht man dagegen sämtliche Warnungen. Und die sollte man alle ernst nehmen – egal, ob es um Starkregen, Hagel, Sturm oder Gewitter geht, wie wir es verheerend in Heidenau erlebt haben.
Auch die Gefahr von Blitzen wird unterschätzt. Manche Leute gehen bei Gewitter in Seen baden und erleiden schwere Verletzungen, wenn der Blitz in der Nähe einschlägt. „Wenn das Unwetter geballt hereinbricht, ist es ein Gefühl wie in einem Kochtopf. Der Siedepunkt ist schnell erreicht. Da müssen die Menschen mehr sensibilisiert werden und sich – etwa in vom DRK angebotenen Lehrgängen - noch besser informieren.
WOCHENBLATT: Wo gibt es noch Handlungsbedarf?
Lepa: Den gibt es beispielsweise bei der Absicherung von Baustellen, wenn Gewitterstürme angekündigt sind. Da kann es dann bei mangelhaften Vorkehrungen geschehen, dass Materialien von zu reparierenden Dächern fliegen, Fahrzeuge beschädigen oder sogar Menschen verletzen. Manchen Baufirmen sind solche Sicherheitsmaßnahmen aber leider zu teuer. Sie setzen auf das „Best Case“-Szenario und hoffen blauäugig auf gutes Wetter, um Geld zu sparen.
WOCHENBLATT: Sie haben Klimageographie studiert. Wie bewerten Sie die jüngsten Unwetter unter diesem Aspekt?
Lepa: Die Häufigkeit und Intensität der sogenannten punktuellen "Sturzflut-Gewitter" hat auch in unserer Region in den letzten Jahren zugenommen. Jüngstes Beispiel waren die Unwetter in Winsen und Heidenau.
In Radarauswertungen konnte man teilweise Temperaturen in den obersten Wolkenschichten von unter minus 70 Grad beobachten, was kongruent einer Wolkenhöhe von über zwölf Kilometern entspricht. Hierbei schossen die sogenannten "kalten" Wolken zum Teil bis in die Stratosphäre vor. Man muss wissen, dass solche "Ungetüme" zu extremen Wettererscheinungen fähig sind, wie am Beispiel Winsen mit Sturzregen und Heidenau mit Großhagel zu erkennen ist.
WOCHENBLATT: Welche Rolle spielt das Verhalten der Bevölkerung bei Gefahrenlagen durch Unwetter?
Lepa: Wichtig ist, dass die Menschen in den Regionen in der Not zusammenstehen, sich gegenseitig helfen und wachsam sind. Das tat die Bevölkerung bei der Flut im Ahrtal vor fünf Jahren, bei der ich auch im Einsatz war, auf vorbildliche Weise. Es war eine schöne Erfahrung, was die Nachbarschaftshilfe angeht, und eine furchtbare zugleich, weil dort das Unwetter ganz schnell katastrophale Ausmaße annahm.
WOCHENBLATT: Was war das schwerste Unwetter, das Sie bislang erlebt haben?
Lepa: Das war im Juni 1997 ein sehr schweres Gewitter, das in seinem ganzen Ausmaß von den Wetterdiensten spät erkannt wurde. In manchen Regionen kamen bis zu 600.000 Blitze runter. Damals wurde erstmals über „Wetter-Superzellen“ gesprochen. Ich war seinerzeit als Feuerwehrmann zwischen Lüneburg und Uelzen im Einsatz, wo ganze Wälder vom Unwetter plattgewalzt wurden. Viele Menschen kamen zu Schaden, Stallungen mit Schweinen und Rindern brannten ab. Solche Ereignisse haben mich bei allem Schrecken stets fasziniert - aus dem Respekt, dass so etwas Gewaltiges passiert, und als Wetterphänomen.
WOCHENBLATT: Herr Lepa, vielen Dank für das Gespräch.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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