Sturm, Weite und Fernweh
20-Jährige aus Bendestorf unterrichtet Schüler an Bord eines Dreimasters

Zu zweit und gut gesichert - Segel einholen vorn am Klüverbaum | Foto: Anna Heilmaier
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  • Zu zweit und gut gesichert - Segel einholen vorn am Klüverbaum
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Von der Ferne, fliegenden Fischen, Seekrankheit und dem Sprung ins kalte Wasser - die 20-jährige Carlotta hat nicht nur ihre Sachen, sondern auch ihren Mut eingepackt und berichtet von ihrem Abenteuer:

Vielleicht ist es tatsächlich ein Stück Familiengeschichte, das die Bendestorferin Carlotta Bonnemann hinaus aufs Meer geführt hat. Ihr Urgroßvater, der berechtigterweise „Orkan-Willi“ genannt wurde, ging bereits mit vierzehn Jahren zur See und fuhr später als Kapitän mehrfach um Kap Hoorn und durch die Karibik. Mit exotischen Relikten seiner Reisen sind auch seine Urenkel aufgewachsen – Geschichten von Sturm, Weite und Fernweh inklusive.

Nun ist eine der Urenkelinnen selbst unterwegs. Nicht als Passagierin, sondern als Lehrerin. Ihr Arbeitsplatz liegt zu diesem Zeitpunkt irgendwo zwischen Panama, Mexiko und den Bermudas, an Deck eines holländischen Dreimasters, der „Regina Maris“. Das Konzept nennt sich „Klassenzimmer unter Segeln“. Für mehrere Monate ist das Schiff eine Schule und Lebensmittelpunkt für eine internationale Schülergruppe, die sich auf das Abenteuer eingelassen hat.

Carlotta unterrichtet sie im Fach Spanisch. Dass sie diesen Posten bekommen hat, verdankt sie einem früheren Schritt ins Ausland. Ihre letzten drei Schuljahre verbrachte sie nicht wie ursprünglich geplant in Hittfeld, sondern in Costa Rica. Dort vertiefte sie ihre Sprachkenntnisse – eine Entscheidung, die im wahrsten Sinne des Wortes neue Horizonte eröffnete. Bevor ihr Studium im Oktober losgeht, packte sie noch einmal die Abenteuerlust, und sie bewarb sich bei „Nautic Horizons“, der Organisation, die diese Reise mit Schülern über den Atlantik organisiert.

"Der Alltag an Bord erfordert viel Disziplin"

„Der Unterricht findet unter besonderen, oft sehr schwankenden Bedingungen statt“, wie Carlotta dem WOCHENBLATT „life“ von Bord der „Regina Maris“ berichtet. „Das führte leider auch zu meinem größten Tiefpunkt dieser Reise. Während des Unterrichts in der ersten Woche bei hohem Seegang wurde ich so seekrank, dass ich mich mehrfach über die ‚rettende‘ Reling hängen musste, während meine Schüler ganz brav auf mich gewartet haben.“

Carlotta stieß im Februar in Panama zu der Gruppe, etwa auf der Hälfte der gesamten Reiseroute.

Der Alltag an Bord erfordert viel Disziplin und folgt festen Abläufen. „Wir hissen jeden Tag Segel, es gibt Nachtwachen für die Schüler, und sonntags ist immer ‚Deep Clean‘ vom ganzen Schiff. Ich unterrichte meist am Nachmittag, da sich die Schüler von den Nachtwachen erholen müssen.“

"Einem wird in der Weite des Ozeans bewusst, wie klein man im Verhältnis doch ist"...

Was Carlotta besonders intensiv wahrnimmt, ist das Miteinander an Bord. „Nachts bei den Wachen wird neben den nautischen Verpflichtungen auch Ukulele gespielt und gesungen. Die Schüler-Lehrer-Beziehung ist für mich eine ganz beeindruckende Erfahrung. Es ist schön zu sehen, wie schnell man mit der Gemeinschaft zusammenwächst und wie sehr man sich auch gegenseitig unterstützt. Schließlich sitzen wir alle ‚im selben Boot‘. Dazu gehören auch die Momente, in denen wir einfach Spaß haben, von Bord ins Wasser springen, hoch in den Mast steigen, oder Delfine und fliegende Fische beobachten."

Carlotta erzählt von einem grundsätzlich veränderten Zeitempfinden auf hoher See. Zeit, die man plötzlich hat, wenn man tagelang kein Land sieht. "Zeit zum Denken, ohne Internet, kein Handy. Und einem wird in dieser weiten Wasserfläche sehr bewusst, wie klein man im Verhältnis doch ist.“
Entsprechend intensiv seien die Augenblicke, wenn wieder Land in Sicht komme: „Diese Freude, nach langen Tagen und Nächten wieder Land zu sehen und mit den Füßen vom stetig schwankenden Deck wieder auf festem Land zu stehen, ist einzigartig.“

Noch ist ihre Reise nicht beendet. Ihr nächstes Ziel sind die Bermudas. Von dort geht es über die Azoren und den Atlantik zurück nach Europa.

Das WOCHENBLATT wünscht ihr für die weitere Reise „immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“.

Zu zweit und gut gesichert - Segel einholen vorn am Klüverbaum | Foto: Anna Heilmaier
An Deck mit der Schülergruppe bei Seegang | Foto: Elliot Aaron
Die "Regina Maris" ist für die Schüler für mehrere Monate Zuhause und Klassenzimmer in einem | Foto: Diane Gremaud
Der Dreimaster "Regina Maris" | Foto: Diane Gremaud
Die "Regina Maris" vor Anker | Foto: Diane Gremaud
Schülergruppe bei den Hausaufgaben | Foto: Carlotta Baonnemann
Redakteur:

Julia Paepcke aus Buchholz

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