Sprache verbindet – Menschen auch
Das Sprachcafé Buxtehude
- Ein Austausch auf Augenhöhe im Sprachcafé Buxtehude
- Foto: Sandra Polenz
- hochgeladen von Sandra Polenz
sapo. Buxtehude. Ein Ort für Begegnung: Seit November 2023 gibt es in Buxtehude einen Treffpunkt, der in kurzer Zeit gewachsen ist und mittlerweile viele Menschen zusammenführt: das Sprachcafé. Die Idee war von Anfang an klar – Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die in Deutschland angekommen sind, sollen die Möglichkeit haben, die deutsche Sprache in Alltagssituationen zu üben. Ehrenamtliche aus Buxtehude unterstützen dabei.
Ehrenamtskoordinatorin Stadt Buxtehude Anika Lucas (46) bringt es auf den Punkt: „Der größte Gewinn ist der Kontakt und die Begegnung – für beide Seiten, Ehrenamtliche wie Teilnehmende.“
Vom kleinen Anfang zum etablierten Angebot
Gestartet ist das Sprachcafé zunächst mit einem einzigen Termin in der Woche. Schon bald zeigte sich jedoch, dass die Nachfrage groß ist. Mittlerweile finden die Treffen gleich dreimal wöchentlich statt: montags von 17 bis 18 Uhr, dienstags von 10 bis 11 Uhr und mittwochs von 15 bis 16 Uhr. Die unterschiedlichen Zeiten ermöglichen es, dass Berufstätige, Eltern und Senioren gleichermaßen teilnehmen können.
Rund 15 Ehrenamtliche begleiten derzeit die Treffen. Viele von ihnen sind von Beginn an dabei, andere sind im Laufe der Zeit dazugestoßen. Gemeinsam sorgen sie für eine offene, herzliche Atmosphäre – ohne Kosten und ohne Anmeldungspflicht.
So läuft ein Treffen ab
Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten. Zunächst kommen alle bei Kaffee, Tee und Keksen zusammen. Danach bilden sich kleine Gruppen von etwa vier Personen an vorbereiteten Tischen. Für jede Woche steht ein Thema im Mittelpunkt: mal „Mein Tag“, mal Redewendungen, Spiele oder Kultur.
Die Themen dienen als Anregung, doch die Gruppen sind frei, andere Inhalte ins Gespräch zu bringen. „Es geht nicht darum, Grammatik zu pauken, sondern darum, ins Reden zu kommen, Hemmungen abzubauen und das im Sprachkurs Gelernte praktisch anzuwenden“, erklärt Lucas.
Sprache im Alltag erleben
Das Sprachcafé versteht sich nicht als Schule, sondern als Übungsraum. Hier darf ausprobiert werden, Fehler sind erlaubt. Der Fokus liegt auf Alltagsgesprächen und auf dem Mut, die Sprache aktiv zu nutzen. Viele Teilnehmende berichten, dass sie dadurch mehr Selbstvertrauen gewinnen und sich im deutschen Alltag sicherer fühlen.
Regelmäßig gibt es außerdem besondere Veranstaltungen, die das Gemeinschaftsgefühl stärken – Sommer- oder Herbstfeste, gemeinsame Stadtführungen oder Lesungen. Ein Höhepunkt war in diesem Jahr die Teilnahme an „Buxtehude liest“ mit mehrsprachigen Beiträgen.
Persönliche Geschichten
Das Sprachcafé ist nicht nur Lernort, sondern auch ein Platz, an dem Freundschaften entstehen. So berichtet Wafaa Darwiecheh (71), ursprünglich aus Syrien, die seit rund zehn Jahren in Deutschland lebt, von ihren Erfahrungen. Sie besucht das Sprachcafé seit zwei Jahren regelmäßig, spricht bereits sehr gutes Deutsch und nutzt die Treffen, um ihre Kenntnisse weiter auszubauen. „Ich habe hier Freunde gefunden und fühle mich zu Hause“, sagt sie.
Auch die Ehrenamtliche Jeannine B. (50) schätzt die besondere Atmosphäre. Seit eineinhalb Jahren unterstützt sie das Projekt und erzählt begeistert von Begegnungen, die zu echten Freundschaften geführt haben. „Man hilft sich gegenseitig, tauscht sich aus und freut sich jedes Mal auf die nächsten Treffen.“ Darüber hinaus gebe ihr das Sprachcafé mit seinen festen Terminen Halt und Struktur in ihrem Alltag.
Vielfalt und Offenheit
Von jung bis alt, aus verschiedenen Ländern und Kulturen – das Sprachcafé bringt Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen. Genau diese Vielfalt macht den Reiz aus. Jede Woche entstehen neue Gespräche, neue Perspektiven und manchmal auch neue Verbindungen, die weit über die Treffen hinausreichen.
„Sprache ist das Werkzeug, das uns verbindet – aber eigentlich geht es um viel mehr: um Miteinander, Respekt und gegenseitige Unterstützung“, sagt eine Ehrenamtliche.
Mitmachen ist einfach
Das Sprachcafé ist offen für alle Interessierten. Es fallen keine Kosten an, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Ob regelmäßig oder nur gelegentlich: Jede Teilnahme ist willkommen. „Wer Lust hat, einfach mal reinzuschauen, ist jederzeit eingeladen“, betont das Team. Die Treffen finden in der Bahnhofstraße 9 in Buxtehude statt.
So ist das Sprachcafé in weniger als einem Jahr zu einem festen Bestandteil des städtischen Miteinanders geworden – ein Ort, an dem Sprache nicht nur gelernt, sondern gelebt wird.
Redakteur:Sandra Polenz aus Buxtehude |
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