Oberstufe in Jesteburg: Der Traum ist geplatzt

Das WOCHENBLATT begleitete den Wunsch der Jesteburger nach einer Oberstufe kritisch
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Das war mehr als deutlich! Bis auf die aus Jesteburg stammende Grünen-Politikerin Elisabeth Meinhold-Engbers versagten alle Fraktionen im Kreisschulausschuss der Jesteburger Oberschule den Wunsch nach einer gymnasialen Oberstufe. Wie berichtet, hatten Lehrer und Eltern darum gebeten, einem sogenannten Schulversuch zuzustimmen. Durchweg lobten die Politiker das vorbildliche Engagement von Schulleiterin Iris Strunk und ihrem Lehrerkollegium. Doch das allein rechtfertige nicht, die Schulvielfalt im Landkreis aufs Spiel zu setzen, so die generelle Kritik. Deutlicher wurde Ausschuss-Vorsitzender André Bock (CDU): „Ein Versuch muss ein Ziel haben. Und letztlich auch ein Signal für das ganze Land sein. Doch Oberschulen mit Oberstufen sind nicht gewollt und gesetzlich nicht möglich.“

mum. Jesteburg. Mit gewaltigem Engagement kämpften Jesteburger Lehrer, Eltern und Schüler um die Einrichtung einer Oberstufe an der dortigen „Oberschule mit gymnasialem Angebot“ (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach). Genauso gewaltig war das „Nein“, das den Vertretern jetzt im Kreis-Schulausschuss entgegenschallte. Mit nur einer Gegenstimme versagte die Politik der Schule den Wunsch nach einem Schulversuch. Nur die aus Jesteburg stammende Grünen-Politikerin Elisabeth Meinhold-Engbers stimmte für den Modellversuch.
Alle Fraktionen lobten das Engagement der Lehrer und Eltern in Jesteburg. Doch am Ende betonten alle Politiker, dass sie einem Schulversuch nicht zustimmen werden. André Bock (CDU), der Vorsitzende des Kreisschulausschusses, wies auf die rechtliche Situation hin. „Der Gesetzgeber hat für Oberschulen ausdrücklich keine gymnasialen Oberstufen vorgesehen“, so Bock. Er betonte, dass ein Schulversuch zudem nicht zu Lasten anderer Schulen durchgeführt werden dürfe. Außerdem ist Bock davon überzeugt, dass es für alle Jesteburger Schüler entsprechende Oberstufenplätze an anderen Schulen geben würde.
Kritik an dem Modellversuch gab es bereits in der Bürgerfragestunde von Norman Kösel, dem kommissarischen Leiter der Hanstedter Oberschule: „Mit einer Entscheidung pro Jesteburg zerstört man den Schulstandort Hanstedt und schafft ein Millionengrab.“ Auch Thomas Degen, Vertreter der Berufsbildenden Schulen in Winsen und Buchholz, kritisierte den Schulversuch. Er machte deutlich, dass seine Schulform gerade den nach der zehnten Klasse abgehenden Schülern eine Perspektive bieten würde.
„Wir nehmen zur Kenntnis, dass unser Antrag keine Zustimmung gefunden hat. Damit werden wir uns als Schulgemeinschaft auseinandersetzen“, so Schulleiterin Iris Strunk nach der Sitzung. „Über die deutliche Anerkennung unserer Arbeit als Oberschule mit gymnasialem Angebot haben wir uns sehr gefreut.“
Allerdings wird die Schule ihre Bemühungen offensichtlich noch nicht einstellen. „Wir sind gespannt, zu welchen Ergebnissen der externe Berater in Bezug auf die Schullandschaft des Landkreises Harburg kommen wird“, so Strunk. Damit nimmt Strunk Bezug auf einen Antrag der CDU/WG-Gruppe, der am Dienstag nicht abschließend beraten wurde. Sie regt darin eine Studie „Schullandschaft und Schulstandorte 2030 im Landkreis Harburg“ an.
 Wie sehr sich die Jesteburger in ihren Traum verrannt hatten, zeigt das Gebaren von Nathalie Boegel (CDU), Mitglied des Schulvorstands und Vorsitzende des Schulausschusses der Samtgemeinde Jesteburg. Um ihren Argumenten Nachdruck zu verleihen, verteilte sie einen Zettel mit den Schülerzahlen - etwa der beiden Buchholzer Gymnasien. Und das wurde zum Bumerang, denn Boegel hatte sie zu Gunsten der Oberschule nach oben korrigiert. Ein Fauxpas, den der Erste Kreisrat Kai Uffelmann bemerkte und richtig stellte.

Auf ein Wort

Hat tatsächlich die Vernunft gesiegt?

Natürlich kann ich als Vater verstehen, dass die Eltern dafür kämpfen, ihren Kindern das gewohnte Umfeld bis zum Abitur zu erhalten. Aber um welchen Preis?
Der Schulstandort Jesteburg müsste für mehrere Millionen Euro erweitert werden. Ist es gerecht, diese Kosten zum Wohle weniger Kinder auf alle Bürger des Landkreises umzulegen? Diese Frage ist vor allem vor dem Hintergrund gerechtfertigt, da in anderen Schulen im Landkreis genügend Kapazitäten bestehen.
Noch schwerer wiegt für mich das Argument, dass eine Jesteburger Oberstufe andere Standorte - unter anderem Hanstedt - gefährdet. Zusätzlich betroffen sind sogar die Berufsbildenden Schulen in Winsen und Buchholz.
Juristisch betrachtet ist eine Oberstufe an Oberschulen schlichtweg nicht erlaubt - und auch nicht erwünscht. Das wurde den Jesteburgern mehrfach bestätigt. Auch unter der neuen rot-schwarzen Landesregierung wird es zu keinen weiteren Experimenten kommen. Zum Glück, sagen viele Eltern. Das Angebot an unterschiedlichen Schulformen sei schon jetzt unübersichtlich.
In Jesteburg wusste jeder von Anfang an, dass dort keine Oberstufe vorgesehen ist. Es wäre äußerst fragwürdig vonseiten der Schule, wenn den Eltern etwas anderes versprochen wurde.
Doch wird das mehr als deutliche und fraktionsübergreifende „Nein“ nun die Jesteburger in ihren Bemühungen um eine Oberstufe stoppen? Oder anders gefragt: Hat die Vernunft tatsächlich gesiegt? Ich glaube es nicht.
Sollte Jesteburg - wider aller Vernunft - tatsächlich einen erneuten Anlauf nehmen, stünde es allen Beteiligten gut zu Gesicht, fair mit den Mitbewerbern umzugehen.
Der Zahlendreher von Nathalie Boegel war vermutlich keine Absicht, aber es ist doch auffällig, dass die Jesteburger Oberstufen-Befürworter häufig mit Halbwahrheiten oder Auslassungen argumentierten.
Sascha Mummenhoff

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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