Steigende Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten in sozialen Medien und Chats
Sexuelle Gewalt gegen Kinder gibt es überall

Laut UBSKM wird geschätzt, das bundesweit pro Schulklasse ein bis zwei Schüler oder Schülerinnen sexueller Gewalt ausgesetzt waren oder sind
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(as). "Sexuelle Gewalt gibt es überall, sie ist trauriger Alltag und findet meistens dort statt, wo sie niemand vermuten möchte: ganz nah dran, in Familien, in der Nachbarschaft, im Sportverein und im Netz", sagte der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2020.

Die Zahlen, die Rörig gemeinsam mit dem Präsdenten des Bundeskriminalamtes Holger Münch präsentierte, sind erschreckend: Im Vergleich zu 2019 ist Kindesmissbrauch um 6,8 Prozent auf bundesweit über 14.500 Fälle gestiegen. In 73 Prozent der Fälle wurden Mädchen missbraucht, in 27 Prozent Jungen. Einen massiven Anstieg zu 2019 von 53 Prozent auf 18.761 Fälle im Jahr 2020 gab es im Bereich der Kinderpornografie. Erschreckend: Auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die Missbrauchsabbildungen - insbesondere in sozialen Medien - weiterverbreiteten, erwarben, besaßen oder herstellten, hat sich in Deutschland seit 2018 mehr als verfünffacht, von 1.373 Fällen (2018) auf 7.643 Fälle in 2020. Dabei ist ein deutlicher Anstieg von selbsterstelltem Material via Smartphone oder Webcam zu verzeichnen.

Das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer: Laut UBSKM wird geschätzt, das bundesweit pro Schulklasse ein bis zwei Schüler oder Schülerinnen sexueller Gewalt ausgesetzt waren oder sind. Die Handlungen, die als sexuelle Gewalt oder Missbrauch bezeichnet werden, weisen eine große Bandbreite auf. Das beginnt bei sexuellen Übergriffen wie verbaler Belästigung oder flüchtigen Berührungen des Genitalbereichs oder der Brust über der Kleidung bis hin zu schweren Formen sexueller Gewalt wie sexuelle Handlungen am Körper des Kindes, Penetration, wenn der Täter oder die Täterin sich entsprechend anfassen lässt, wenn jemand vor einem Kind masturbiert, sich exhibitioniert, dem Kind gezielt pornografische Darstellungen zeigt oder es zu sexuellen Handlungen vor der Kamera auffordert. Zuletzt berichtete das WOCHENBLATT über einen Vater aus Stade, der sich mehrfach sexuell an seinem Kind im Säuglings- bzw. Kleinkindalter vergangen haben soll.

Angesichts der schockierenden Zahlen des Bundeskriminalamtes hat das WOCHENBLATT bei den Polizeiinspektionen Harburg und Stade nach den im vergangenen Jahr angezeigten Fällen gefragt.

Landkreis Harburg
Im Landkreis Harburg wurden 2020 von der Polizei 85 Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder verfolgt, das sind elf Fälle mehr als im Vorjahr. Das Spektrum reicht von Anfassen über Beischlaf bis zu Kinderpornografie. 2020 wurden im Landkreis wie im Vorjahr 23 Fälle von Verbreitung von Kinderpornografie angezeigt. Herstellung von kinderpornografischen Inhalten wurde fünf Mal angezeigt. Im Bereich Beschaffung und Besitz wurden 2020 31 Taten verfolgt.

Landkreis Stade
Im Landkreis Stade wurden 2020 36 Fälle von Kindesmissbrauch angezeigt, die Zahlen sind im Schnitt gleichbleibend. In elf Fällen wurde wegen des Einwirkens auf Kinder und in acht Fällen wegen sexueller Handlungen an Kindern ermittelt.

Im Bereich Kinderpornografie gab es einen deutlichen Anstieg von 36 Fällen in 2019 auf 58 Fälle im Jahr 2020. Der Grund für den Anstieg ist laut Bohmbach u.a. ein neues Gesetz in den USA, nach dem US-Provider verpflichtet sind, dort bekannt gewordene Fälle weiterzuleiten. Auch der verstärkte Austausch von Fotos in WhatsApp und anderen sozialen Medien trägt zu dem Anstieg der Fälle bei. Brisant: "Auch hier gibt es vermehrt junge Leute, die sich Fotos von ihren Geschlechtsteilen schicken. Bei allen Kindern unter 14 Jahren ist immer der Anfangsverdacht da, dass es sich um Kinderpornografie handelt", sagt Bohmbach.

Hilfsangebote für Kinder und Jugendliche

Kinderschutzbund Kreisverband Harburg-Land: Tel. 04181-380636, https://dksb-lkharburg.de.

Kinderschutzbund Kreisverband Stade: Tel. 04141-47887, www.dksb-stade.de.

Lichtblick - Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt Stade: Tel. 04161-714715, E-Mail: lichtblick@awostade.de, www.awostade.de

Kinderschutz-Zentrum Nordostniedersachsen: Tel. 04141-4199902, E-Mail: buero@kinderschutz-noni.de, www.kinderschutz-noni.de.

Nummer gegen Kummer: Tel. 116111 (Elterntelefon 0800-1110550)

Anonyme Beratung und Unterstützung für Jugendliche: www.save-me-online.de

Hilfeportal Sexueller Missbrauch: Tel. 0800-2255530, E-Mail: beratung@hilfetelefon-missbrauch.de, www.hilfeportal-missbrauch.de

Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen (N.I.N.A. e.V.): https://nina-info.de

Opferberatungsstelle Weißer Ring: Tel. 0151/55164733, https://weisser-ring.de.

Informationsportal "Kein Kind alleine lassen": www.deine-playlist-2021.de

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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