Dauerurlauber in Seevetal: Die Harburger Heike (79) und Horst (83) Müller verbringen seit 48 Jahren ihre Sommer im Wochenendhaus an der Elbe
Lebenslange Liebe: Oh wie schön ist Over!

Das Gute kann so nah sein: Während die einen sich wieder in den Ferienflieger Richtung Süden wagen, suchen andere die Erholung direkt vor der Haustür. 
Was macht den Reiz unserer Region aus? Heike und Horst Müller sind zwei, die es wissen müssen: Seit 48 Jahren verbringen sie ihre Sommer in Seevetal-Over
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  • Das Gute kann so nah sein: Während die einen sich wieder in den Ferienflieger Richtung Süden wagen, suchen andere die Erholung direkt vor der Haustür.
    Was macht den Reiz unserer Region aus? Heike und Horst Müller sind zwei, die es wissen müssen: Seit 48 Jahren verbringen sie ihre Sommer in Seevetal-Over
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as. Over. Ein leichter Wind streicht über die Haut, träge zieht ab und zu ein Binnenschiff auf der Elbe vorbei. Wer Horst (83) und Heike (79) Müller in ihrem Wochenendhaus in Seevetal-Over besucht, der ist im Idyll angekommen.
"Im Sommer gibt es für uns nur Over", sagen Heike und Horst Müller. Die Harburger sitzen auf der Veranda, trinken ein Glas "Gespritzten" und blicken auf den Fluss. Sie beobachten Kormorane, Austernfischer, Möwen - und im vergangenen Jahr sogar Robben, die es sich auf einer Sandbank bequem gemacht hatten.
Seit 48 Jahren verbringt das Paar seine Sommer in dem kleinen Häuschen direkt an der Elbe. Schon Heinrich und Klärchen, Heike Müllers Eltern, haben hier Erholung gesucht. 1932 entdeckten sie bei einem Paddelausflug das idyllische Fleckchen am Ufer vom Wasser aus. Damals war die Natur noch vollkommen unberührt, alles mit dichtem Schilf bewachsen. Gemeinsam mit anderen Wassersportlern haben sie die ersten Holzbuden am Elbufer in Over errichtet, drei mal drei Meter groß. "Das Material musste damals alles einzeln vom Deich herübergetragen werden", berichtet Heike Müller. "Dass wir hier heute Strom und Leitungswasser haben, ist ein Luxus - meine Schwiegereltern mussten das Kaffeewasser noch mit einem Kanister aus dem Dorf holen", ergänzt ihr Mann Horst. 1972 haben sie auf dem gepachteten Grundstück ein kleines Häuschen gebaut, gehören zu den Letzten, die noch eine Genehmigung dafür erhalten haben.
Nicht nur die Overaner genießen Spaziergänge an der Elbe. Bei Familien aus Hamburg sind die Wochenendhäuser heiß begehrt. "Man hat hier Wasser und Natur, Ebbe und Flut - das ist für mich der Reiz. Auch nach über 70 Jahren hat diese Faszination für mich nicht nachgelassen", sagt Heike Müller, die schon als Kind ihre Freizeit in Over verbracht hat.
"Schau mal, jetzt verändert sich die Wasseroberfläche - die Ebbe kommt", sagt ihr Mann. Müllers sind begeisterte Wassersportler, waren früher vom eigenen Bootssteg aus auf der Elbe gesegelt, nach Hamburg oder an die Müritz, haben mit dem Kanu Paddeltouren unternommen. Noch heute gehen sie gern in der Elbe schwimmen, von ihrem Grundstück aus führt eine Treppe direkt ins Wasser. "Aber man muss sehr achtgeben. Die Strömung hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Am besten geht man nur bei Flut schwimmen", sagt Heike Müller. Auch nach so vielen Jahren haben Heike und Horst Müller noch immer Respekt vor der Elbe. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie viel Kraft der Strom hat. Jeden Herbst müssen sie ihr Wochenendhäuschen winterfest und hochwassersicher machen. Alle Möbel, Schränke, Regale, Küche, Wasserboiler, Heizkörper etc. werden dann abgebaut und auf den Dachboden gebracht, damit sie nicht der Sturmflut zum Opfer fallen. Mehrfach stand das Wasser schon bis zur Dachrinne. Um ein Wochenendhaus an der Elbe zu besitzen, muss man einiges an Gelassenheit mitbringen. "Kommt im Winter eine Sturmwarnung, können wir nichts mehr machen. Wir haben ja alles gesichert. Man kann dann nur abwarten und Ruhe bewahren", sagt Heike Müller.
Auch im Sommer kann es mitunter zu Sturmfluten kommen. Müllers erinnern sich an eine Nacht im August vor 30 Jahren, als sie plötzlich von den Rufen der Nachbarn geweckt wurden. "Wir wollten raus, da stand das Wasser schon auf der Treppe", erinnert sich Horst Müller. Die Kellertür war durch die Bewegung des steigenden Wassers aus den Angeln gehoben worden und schwomm an ihm vorbei, dahinter Teile der im Keller untergebrachten Segelausrüstung. Mitten in der Nacht musste das Paar buchstäblich ins kalte Wasser springen, um sein Hab und gut in Sicherheit zu bringen. "Man hat hier immer zu tun, es wird nie langweilig", lacht Horst Müller.
Jeden Abend macht er mit seiner Frau einen kleinen Spaziergang zu ihrem Bootsanleger, von dem aus man bis nach Fliegenberg gucken kann. Vom sanften Tuckern der Binnenschiffe werden sie schließlich in den Schlaf gewiegt.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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