Würde schenken
Neuer Verein kümmert sich um tot aufgefundene Haustiere

Die 1. Vorsitzende Julia Welsch und der 2. Vorsitzende Tristan Thies setzen sich mit ihrem Verein dafür ein, dass tot aufgefundene Haustiere würdevoll behandelt werden
  • Die 1. Vorsitzende Julia Welsch und der 2. Vorsitzende Tristan Thies setzen sich mit ihrem Verein dafür ein, dass tot aufgefundene Haustiere würdevoll behandelt werden
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  • hochgeladen von Thomas Sulzyc

Tierfreunde bergen ehrenamtlich tot aufgefundene Haustiere und ermitteln ihre Besitzer, damit diese Abschied nehmen können ts. Hittfeld. Es lässt Julia Welsch keine Ruhe, wenn sie die Nachricht erreicht: Eine verletzte oder tote Katze wurde auf der Straße liegend entdeckt. Selbst wenn es spät abends ist, fährt sie dann mit dem Auto dorthin, um das Haustier in Sicherheit zu bringen. Der Tierkörper soll nicht noch von weiteren Fahrzeugen erfasst und entstellt werden.
Im Beruf ist Julia Welsch Bestatterin. In ihrer Freizeit kümmert sich die 28-Jährige aus Hittfeld um eine würdevolle Behandlung von Haustieren, die der Tod auf der Straße ereilt hat. Und die Haustierbesitzer, die dank ihrer Hilfe Abschied von ihrem Tier nehmen können. Dazu haben sich Julia Welsch und andere Tierfreunde organisiert und vor drei Wochen den Verein zur Hilfe und Unterstützung tot aufgefundener Haustiere gegründet.
Räumlich beschränkt sich der Verein auf den Landkreis Harburg. Der ist mit 1.245 Quadratkilometern Fläche groß genug. Ein Netzwerk von 40 ehrenamtlichen Bergungshelfern unterstützt die Ziele des Vereins, der Würde schenkt. "Wir möchten die Zusammenarbeit mit Tierärzten und Bauhöfen ausbauen", sagte die 1. Vorsitzende Julia Welsch. Mit einigen Tierärzten und der Autobahnmeisterei in Hittfeld bestehe bereits eine Zusammenarbeit.
In Deutschland erfüllt noch der Tote Hunde e. V. eine vergleichbare Aufgabe. Gleichgesinnte finden sich auch in der Facebook-Gruppe "überfahrene/tot aufgefundene Katzen Deutschland" wieder. "Es gibt zahlreiche Tierschutzvereine, aber keiner kümmert sich um die toten Haustiere", sagt Julia Welsch, die selbst zwei Hunde hat.
Angefangen hat alles im September 2018, als ein Kater namens Hans auf der Autobahn bei Hittfeld tot aufgefunden wurde. Sein Schicksal verbreitete sich über Facebook. Auf der Internetseite des Vereins haben Menschen die Möglichkeit, ein tot aufgefundenes Haustier zu melden.
Mit einem Behälter für den Tierkadaver, Einweghandschuhen, Desinfektionsmittel und einem Chiplesegerät macht sich Julia Welsch auf den Weg zu dem Fundort. Trägt das Haustier, bislang handelt es sich ausschließlich um Katzen, einen Chip oder eine Tätowierung, lässt sich der Tierbesitzer leicht ermitteln. Ist das nicht Fall, recherchieren Vereinsmitglieder im Internet und fragen bei Tierheimen und Tierärzten nach. "Viele Haustierbesitzer posten ihre Lieblinge bei Facebook, so können wir Kontakt aufnehmen", sagt der 2. Vorsitzende Tristan Thies (29).
Der Verein verfügt über die Möglichkeit, tot aufgefundene Haustiere drei bis vier Wochen lang kühl zu lagern. So lange geben sich seine Mitglieder Zeit, den Besitzer ausfindig zu machen. Gelingt das nicht, beerdigen Vereinsmitglieder das Tier auf einem dafür vorgesehenen Grundstück.
Bis zu 18 vermisste Katzen pro Monat werden dem Verein mittlerweile gemeldet. "In 70 Prozent der Fälle ist es uns gelungen, den Besitzer ausfindig zu machen", sagt Julia Welsch.
Wenn die Bergungshelfer die Nachricht überbringen, reagieren die Tierbesitzer mit tiefer Trauer, denn ein Haustier hat meist die Rolle eines Familienmitglieds inne. "Gleichzeitig sind sie uns dankbar, weil sie sich von dem Tier verabschieden und es bei sich beerdigen können", sagt Tristan Thies. Alle Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. "Es ist eine Herzensangelegenheit", erklärt Julia Welsch ihre Motivation.
• Weitere Informationen unter www.haustiertotfund.de. Der Verein zur Hilfe und Unterstützung tot aufgefundener Haustiere ist erreichbar unter Telefon 04105-4075992 oder per E-Mail an info@haustiertotfund.de.
Die Nachricht sollte den Unfallort möglichst genau nennen (Ort, Straße, Hausnummer).
Nicht das Tier mit nach Hause nehmen und beerdigen. Dann besteht keine Chance, den Besitzer ausfindig zu machen. Bei der Bestattung von Hunden und Katzen im Garten sind gesetzliche Bestimmungen einzuhalten. Katze angefahren - was tun?

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