Stahlkugel gegen Beton
Letzte Phase beim AKW-Rückbau in Stade
- Ein Seilbagger lässt eine schwere Stahlkugel gegen die Außenwand des Reaktors prallen
- Foto: PreussenElektra
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Am ehemaligen Kernkraftwerk Stade in Bassenfleth ist ein bedeutender Schritt im jahrzehntelangen Rückbauprozess erreicht: Seit Ende März hat der Abbruch des markanten Reaktorgebäudes begonnen. Damit startet die letzte und technisch anspruchsvollste Etappe eines Projekts, das bundesweit Maßstäbe setzt.
Startschuss für den sichtbaren Abriss
- Der Abriss hat begonnen
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Den Auftakt bildet ein ebenso spektakuläres wie bewährtes Verfahren: Eine rund vier Tonnen schwere Stahlkugel wird mithilfe eines Seilbaggers gegen die Fassade des Reaktorgebäudes geschwungen, um die massive Betonstruktur gezielt zu schwächen. Im Anschluss folgen weitere Abbrucharbeiten mit schwerem Gerät, darunter eine 16 Tonnen schwere Hydraulikschere und ein 180 Tonnen schwerer Seilbagger. Ziel ist es, das Reaktorgebäude noch im Laufe des Jahres vollständig abzutragen.
Für Anlagenleiter Marco Albers ist dieser Moment ein Meilenstein: Nach intensiver Vorbereitung und umfangreichen Prüfungen durch unabhängige Sachverständige sowie der Zustimmung des Niedersächsischen Umweltministeriums könne nun der anspruchsvollste Abschnitt des konventionellen Rückbaus sicher umgesetzt werden.
Umfangreiche Vorbereitung über Jahre
Dem aktuellen Abriss gingen jahrelange Arbeiten voraus. Bereits seit 2005 wird die Anlage schrittweise zurückgebaut, nachdem der Reaktor 2003 endgültig vom Netz gegangen war. In einem aufwendigen Prozess wurde das Kraftwerk entkernt, dekontaminiert und in großen Teilen bereits zurückgebaut.
- Das Verwaltungsgebäude wurde bereits 2023 abgerissen
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Allein in einer ersten Phase wurden bis 2024 insgesamt 17 Gebäude mit einem umbauten Raum von rund 177.000 Kubikmetern entfernt – darunter das Maschinenhaus, Werkstätten und Verwaltungsgebäude. Parallel dazu erfolgten umfangreiche Schadstoffsanierungen sowie der Aufbau komplexer Infrastruktur, etwa Fassadengerüste mit Aufzügen und Treppentürmen.
Freigabe als entscheidender Schritt
Ein zentraler Fortschritt gelang zuletzt mit der vollständigen Freigabe des Sicherheitsbehälters im Inneren des Reaktorgebäudes. Diese stählerne Struktur – gewissermaßen das Herzstück der Anlage – konnte nach intensiven Untersuchungen als nicht mehr radioaktiv belastet eingestuft werden. Dafür wurden über mehrere Jahre hinweg tausende Quadratmeter Oberfläche geprüft und zahlreiche Proben ausgewertet.
Diese Freigabe gilt als wegweisend für den Rückbau vergleichbarer Anlagen und ermöglicht nun auch den Abbau und das Recycling dieser Bauteile.
Finale Phase bis 2027
Mit dem Abriss des Reaktorgebäudes beginnt nun die entscheidende Schlussphase des Gesamtprojekts. Nach dem Rückbau der äußeren Hülle folgt die Zerlegung des darunterliegenden Sicherheitsbehälters. Parallel dazu wird auch das Hilfsanlagengebäude vollständig abgetragen.
Wenn alles planmäßig verläuft, soll der Standort im Herbst 2027 aus der atomrechtlichen Überwachung entlassen werden. Stade wäre damit der erste kommerziell genutzte Druckwasserreaktor in Deutschland, der vollständig zurückgebaut wurde.
Symbolischer Wandel eines Industriestandorts
Bereits in den vergangenen Jahren wurde der Rückbau immer wieder von symbolischen Momenten begleitet – etwa durch einen Festakt zum Beginn wichtiger Bauabschnitte sowie ein Kunstprojekt, das die Transformation des Standorts thematisierte.
Mit dem nun gestarteten Abriss verschwindet eines der prägendsten Bauwerke der Region endgültig aus dem Landschaftsbild. Was künftig auf dem Gelände entstehen soll, ist derzeit noch offen. Sicher ist jedoch: Der Rückbau des Atomkraftwerks Stade markiert nicht nur ein technisches Großprojekt, sondern auch einen tiefgreifenden Wandel in der regionalen Industriegeschichte.
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