Stader Grundschule
Selbstgebaute Lüftungsanlage erspart Schülern Stoßlüften

Die Lüftungsanlage fügt sich mit ihren Hula-Hoop-Reifen spielerisch in den Klassenraum ein und stört den Unterricht bislang nicht im Geringsten - ob es noch mehr selbstgebaute Anlagen geben wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen
  • Die Lüftungsanlage fügt sich mit ihren Hula-Hoop-Reifen spielerisch in den Klassenraum ein und stört den Unterricht bislang nicht im Geringsten - ob es noch mehr selbstgebaute Anlagen geben wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen
  • Foto: Kruse
  • hochgeladen von Svenja Adamski

sv. Stade. Wie an ein silbernes Mutterschiff angedockte Ufos hängen die Hula-Hoop-Reifen über den Köpfen der Schüler in der Grundschule am Bockhorster Weg. Aber statt kleine grüne Außerirdische hochzubeamen, fangen die mit Folie bespannten Reifen Aerosole aus der Luft auf. Sie sind Teil eines selbstgebauten Lüftungssystems, das den Schülern das ständige Stoßlüften während der Pandemie ersparen soll.
Das Konzept stammt von dem Physiker Frank Helleis vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie und wurde von Claus Listmann (Vater von zwei Schülern an der Grundschule) und CDU-Vorsitzendem Prof. Dr. Felix Kruse in Eigeninitiative in die Tat umgesetzt.

Hier ziehen alle an einem Strang

"Gesetzlich gesehen brauchen die Klassenräume in der Grundschule am Bockhorster Weg keine Lüftungsanlagen, weil sie alle eine Fensterfront zum Stoßlüften haben", sagt Felix Kruse, der an der Fachhochschule in Hamburg Maschinenbau lehrt. "Das kenne ich so auch von meinen Studierenden, die sitzen bei der aktuellen Jahreszeit dann mit Jacke und Schal im Raum und erkälten sich."
Für die Idee des Lüftungskonzepts an der Grundschule am Bockhorster Weg konnten Kruse und Listmann sofort alle für sich begeistern. "Das Projekt hat unglaublich viel Unterstützung erfahren", erzählt Kruse. "Die Stadt und der Schulleiter waren sofort Feuer und Flamme." Nach den ersten Planungen im September wurde das Konzept Anfang Januar dann gemeinsam mit Eltern, Lehrern, Hausmeister Marco Kamin, Elektro-Fachmann Fabian Behnke, Bernd Bieber von der Gebäudewirtschaft der Stadt Stade und Tischlermeister Mike Müller aus Bützfleth in die Tat umgesetzt.

So funktioniert die Lüftungsanlage Marke Eigenbau

Das fertige Lüftungssystem funktioniert folgendermaßen: Die Luft aus dem Klassenraum wird durch einen Lüfter angesaugt, über mit Folie bespannte Hula-Hoop-Reifen aufgefangen und über das Rohrsystem in einen handgezimmerten Kasten geleitet, der die Aerosole durch das auf Kipp gestellte und abgedichtete Fenster nach draußen abgibt.
"Bisher haben wir nur positives Feedback erhalten", sagt Kruse. Der Lüfter habe inzwischen einen eingebauten Dimmer und sei so von den Lehrern manuell auf fünf Stufen bedienbar. Bis Stufe drei störe die Anlage den Unterricht überhaupt nicht. "Der Lüfter kann das Raumvolumen bis zu fünf Mal in der Stunde wechseln", so Kruse.
Am Montag führte Kruse eine erste Vorführung durch, um den Eltern zu zeigen, wie der Lüfter die Aerosole aus dem Klassenraum bringt. Dafür lieh er sich eine Nebelanlage des Stadeums aus und verglich mit einem Zeitraffer, wie schnell der Nebel von der Lüftungsanlage oder von den Fenstern verflüchtigt wird. Aufgrund des zu starken Windes am Montag, muss der Test allerdings noch einmal an einem windstilleren Tag wiederholt werden.
Ein zweiter Prototyp ist in den kommenden Tagen für einen weiteren Raum geplant, sodass die Anlagen bis zum 27. Januar, wenn der Schulausschuss tagt, ausführlich getestet werden können. Kruse hofft, dass die Stadt die Konzepte mitfinanziert.

Andere Schulen sind bereits interessiert

"Die wichtigste Frage ist nun, wie wir die Lüftungsanlage kopieren können, damit auch andere Schulen das Konzept umsetzen können", sagt Kruse. "Denn der Aufbau an sich ist simpel. Neben grundlegendem handwerklichem Geschick braucht es nur eine Person, die die Rohre mit einer Flex zurechtschneiden kann und gewisses handwerkliches Geschick, die Anlage sicher an der Decke anzubringen."
Für die Lüftungsanlage interessieren sich bereits die ersten anderen Schulen, darunter auch die Grundschule am Rotkäppchenweg in Buxtehude. Hier hatte eine Eltern-Arbeitsgruppe sich bereits an dem Mainzer Modell versucht, konnte das Konzept jedoch nicht umsetzen. Die Stadt Buxtehude ist diese Woche bei einer Vor-Ort-Begehung in der Grundschule am Bockhorster Weg in Stade, um sich über die dortige Pilotanlage zu informieren. Für den Fall eines positiven Befunds werde die Stadt Buxtehude die Koordination und die Kosten einer Ausweitung auf die Buxtehuder Grundschulen übernehmen, wie aus einem Austauschgespräch zwischen der Stadt und den Elternvertretern hervorging.

Buxtehude lässt tatkräftige Elternvertreter hängen
Autor:

Svenja Adamski aus Buchholz

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