Landrat blickt auf turbulente Zeiten zurück
Abschied mit Applaus: 29 Politiker sagen dem Stader Kreistag Tschüss
- Ein Gruppenfoto zum Abschied. Fast die Hälfte der aktuellen Abgeordneten wird dem künftigen Kreistag nicht mehr angehören
- Foto: Daniel Beneke/Lk Stade
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So manche Ehe hält deutlich kürzer: Robert Kamprad (CDU) und Gerd Lefers (FWG) gehören dem Stader Kreistag seit sage und schreibe 35 Jahren an. Sie haben Landräte kommen und gehen sehen, unzählige Haushaltsdebatten erlebt und vermutlich so viele Sitzungsunterlagen gelesen, dass diese mehrere Aktenschränke füllen würden. Als beide 1991 erstmals in den Kreistag einzogen, gab es noch keine Smartphones, digitale Sitzungsunterlagen oder Videokonferenzen. Politische Auseinandersetzungen gab es damals natürlich trotzdem – und davon vermutlich nicht zu knapp.
Doch jetzt heißt es zumindest für einen der beiden: Schluss mit der Kreispolitik. Gerd Lefers verabschiedet sich nach dreieinhalb Jahrzehnten aus dem Kreistag. Und er ist nicht allein: Insgesamt 29 von 62 Abgeordneten kehren dem höchsten politischen Gremium im Landkreis Stade zum Ende der Wahlperiode den Rücken. Bei der letzten Sitzung des "alten" Kreistages in seiner bisherigen Zusammensetzung wurde es im großen Sitzungssaal des Stader Kreishauses daher auch ein wenig emotional. Die Kreistagsvorsitzende Arnhild Biesenbach und Landrat Kai Seefried (beide CDU) ehrten langjährige Mitglieder und verabschiedeten die ausscheidenden Politiker.
Zu den dienstältesten Kreispolitikern gehören neben Kamprad und Lefers auch Helmut Dammann-Tamke (CDU), der seit 34 Jahren und acht Monaten dem Kreistag angehört, sowie Dr. Harald Stechmann (SPD), der auf stolze 30 Jahre zurückblicken kann. Auch Stechmann nimmt jetzt seinen Abschied. Bei allem Abschiedsschmerz ging es aber auch um die Zukunft. Etliche der ausscheidenden Abgeordneten richteten einen Appell an ihre Nachfolger: Sie sollten sich engagiert für die Demokratie einsetzen, unterschiedliche Meinungen respektieren und auch dann kompromissbereit bleiben, wenn es politisch einmal hoch hergeht.
- Gerd Lefers (Mitte) verabschiedet sich nach 35 Jahren aus dem Stader Kreistag
- Foto: Daniel Beneke/Lk Stade
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Von Corona bis Ukraine-Krieg: Eine Wahlperiode voller Krisen
Auch Landrat Kai Seefried nutzte die letzte Sitzung für eine Bilanz. Der CDU-Politiker, der bei der Kommunalwahl im September für weitere acht Jahre im Amt bestätigt wurde, erinnerte an eine Wahlperiode, die es wahrlich in sich hatte.
„Wir haben viel gemeinsam erlebt, das so wohl niemand von uns vorhergesehen hat“, sagte Seefried. Und tatsächlich: Als der aktuelle Kreistag seine Arbeit aufnahm, steckte Deutschland noch mitten in der Corona-Pandemie. Bundeswehrsoldaten halfen in Altenheimen und bei der Kontaktnachverfolgung, mobile Impfteams des Landkreises verabreichten mehr als 30.000 Impfungen.
Kaum war die Pandemie bewältigt, stellte der russische Angriff auf die Ukraine den Landkreis vor neue Herausforderungen. Innerhalb weniger Tage wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Mittlerweile haben rund 6.000 Menschen, die vor dem Krieg geflohen sind, im Landkreis Stade Schutz gefunden. Seefried würdigte besonders das Engagement der zahlreichen Ehrenamtlichen, die bis heute Hilfstransporte an die polnisch-ukrainische Grenze organisieren. „Ich bin so dankbar für die große Solidarität! Wir dürfen es nie akzeptieren, dass ein Krieg zur Normalität wird“, betonte der Landrat.
Neue Rettungswachen, neue Schulen, Millionen für die Sicherheit
Trotz aller Krisen blieb in den vergangenen Jahren auch Zeit, wichtige Projekte voranzubringen. Besonders beim Katastrophenschutz hat der Landkreis kräftig investiert. Für mehr als zwölf Millionen Euro entstand innerhalb weniger Monate ein neues Katastrophenschutzzentrum. Die Feuerwehrtechnische Zentrale und die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle wurden modernisiert, die Zuschüsse für Hilfsorganisationen deutlich erhöht. Auch der Rettungsdienst wurde ausgebaut: Neue Rettungswachen in Harsefeld, Guderhandviertel und Drochtersen sind bereits in Betrieb. Die neue Wache in Stade soll 2027 folgen.
Ein weiterer großer Schritt war die vollständige Übernahme der Elbe Kliniken durch den Landkreis. Das neue Bettenhaus in Stade steht kurz vor der Fertigstellung. Gleichzeitig soll die Ausbildung angehender Mediziner in Zusammenarbeit mit der Stradiņš-Universität in Riga ausgeweitet werden. Dafür entsteht ein neuer Bildungscampus auf dem Klinikgelände. Auch bei den Schulen wurde investiert. Dazu zählen der Anbau am Aue-Geest-Gymnasium in Harsefeld, die neue Außenstelle der Förderschule Ottenbeck sowie weitere Investitionen in die Gymnasien und Berufsschulen in Stade und Buxtehude.
Viel erreicht – und noch reichlich Arbeit auf dem Tisch
Dass die Kreispolitik nicht nur aus Krisenmanagement besteht, zeigte Seefrieds Rückblick auf die wirtschaftliche Entwicklung. So erklärte sich der Kreistag bereit, bis zu 7,5 Millionen Euro für die Verlegung des Stader Industriegleises bereitzustellen. Auch die Weiterentwicklung des Chemie- und Industriestandortes Stade wurde vorangetrieben. In der Kreisverwaltung selbst standen die Digitalisierung und die Gewinnung neuer Mitarbeiter im Mittelpunkt. Mehr Bürgerservice und eine transparentere Kommunikation sollen die Verwaltung fit für die Zukunft machen.
Ganz ohne Hausaufgaben verabschiedet sich der alte Kreistag allerdings nicht. Eine besonders große Aufgabe wartet bereits auf seine Nachfolger: die Neuaufstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP). Es soll bis Ende 2027 rechtskräftig werden und wichtige Weichen für die künftige Entwicklung des Landkreises stellen.
Zum Abschied ein Dankeschön
„Ich danke allen alten und neuen Kreistagsabgeordneten für ihr ehrenamtliches Engagement für die Menschen in unserem Landkreis“, sagte Seefried. Und er machte deutlich, dass die Erfolge der vergangenen Jahre nicht auf das Konto einzelner Politiker gingen: „Wir haben viel gemeinsam auf den Weg gebracht. Das ist keine Leistung eines Einzelnen, sondern eine Leistung von vielen.“
Für 29 Kreistagsmitglieder ist damit ein politisches Kapitel beendet. Einige waren nur eine Wahlperiode dabei, andere haben über Jahrzehnte die Entwicklung des Landkreises mitgestaltet.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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