Merkwürdig: Gleich drei Politiker reklamierten diesen Erfolg für sich
Für die Festung Grauerort in Stade fließen 350.000 Euro Fördergelder

Die Festung Grauerort soll saniert werden, um sie u.a. besser für Veranstaltungen nutzen zu können
  • Die Festung Grauerort soll saniert werden, um sie u.a. besser für Veranstaltungen nutzen zu können
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. Die Pläne zur Sanierung der Festung Grauerort sind ihrer Umsetzung ein Stück nähergerückt. Der Bund hat dafür jetzt Fördergelder in Höhe von 350.000 Euro bewilligt. Das Geld soll dazu verwendet werden, das Dach über den Kasematten abzudichten. Allein diese Maßnahme schlägt mit rund 860.000 Euro zu Buche. Peter Schneidereit, Vorsitzender des "Vereins Festung Grauerort" bezeichnete die gewährten Bundesmittel als "Initialzündung". Aufgrund dieser Finanzspritze des Bundes werden auch die anderen Zuschussgeber wie das Land Niedersachsen, verschiedene Stiftungen und auch der Landkreis Gelder bereitstellen.

Laut Schneidereit gibt es bei der ehemals preußischen Festung aus dem der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen massiven Investitionsstau. Der rund 150 Mitglieder zählende Förderverein, der sich seit mehr als 20 Jahren um den Erhalt des militärischen Bollwerks kümmert, ist aber nicht in der Lage, die Kosten für eine umfassende Sanierung zu tragen. Vor der Übernahme durch den Förderverein war das mittlerweile unter Denkmalschutz stehende historische Gemäuer jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben.

Der Verein hat der Festung, von der aus nie ein Schuss abgegeben wurde, auch ein neues ziviles Leben eingehaucht. Dank des ehrenamtlichen Einsatzes der Vereinsmitglieder konnten weite Bereiche der Festung wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sie ist zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Außerdem finden dort zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte statt.

Um die Festung noch besser als Veranstaltungsort und für kulturelle Angebote nutzen zu können, ist aber die Abdichtung des Daches und des Mauerwerkes zwingend erforderlich. Nur so kann verhindert werden, dass in den Kasematten und in den Gängen weiter Sickerwasser von der Decke tropft oder aus den Wänden austritt.

KOMMENTAR: Politiker heften Förder-Erfolg auf ihre Fahnen

"350.000 Euro für Festung Grauerort", "Festung Grauerort bekommt 350.000 Euro vom Bund", "350.000 Euro für die Sanierung der Festung Grauerort" - So waren die Pressemitteilungen betitelt, die binnen einer halben Stunde per Mail bei der Redaktion eingingen. Die drei Verlautbarungen wurden von drei Bundestagsabgeordneten abgeschickt, die den Erfolg in Sachen Fördermitteln jeweils auf ihre Fahne hefteten.

Zeitlich eine Nasenlänge voraus war die SPD-Parlamentarierin Svenja Stadler. Sie verkündete um 14.09 Uhr, dass sie sich für den Förderverein freue - gefolgt von einer Lobeshymne des SPD-Kreisgeschäftsführers Heino Baumgarten: "Wir sind Svenja Stadler sehr dankbar, dass sie sich in Berlin dafür eingesetzt hat." Warum sich Stadler überhaupt damit befasst, obwohl sie aus Seevetal (Kreis Harburg) stammt? Der Landkreis Stade gehört zu ihren "Betreuungswahlkreisen".
Etwas mehr Zeit benötigte Oliver Grundmann von der CDU. Dafür ist sein Text, der um 14.32 Uhr einging, auch länger. Und wer Grundmann kennt, weiß: Dieser Mann hat immer mehr zu sagen als andere. Grundmann habe in Berlin ausgiebig für das Projekt geworben, heißt es in der Pressemitteilung, und der Förderverein danke dem Politiker "sehr für diesen dicken Batzen Unterstützung".

Kurz nach Grundmann meldete sich noch jemand zu Wort. Um 14.35 Uhr verkündete Ulla Ihnen von der FDP: "Ich freue mich, dass ich mich so für die Stärkung der kulturellen Vielfalt in der Region mit einsetzen konnte." Erstaunlicherweise benötigte Frau Ihnen für die kürzeste der drei Pressemitteilungen - diese umfasste nur fünf Sätze - die längste Zeit. Es bleibt zu hoffen, dass ihr die Arbeit im Bundestag sonst schneller von der Hand geht.

Vergeblich wartete die Redaktion auf eine Pressemitteilung von Julia Verlinden. Die Bundespolitikerin der Grünen, die sich ebenfalls für den Landkreis Stade zuständig fühlt und sich sonst gern zu jedem Anlass äußert, widmet sich wahrscheinlich gerade wieder ihren Lieblingsthemen Klimawandel und Energiewende. Für ein paar Zeilen über eine alte Festung bleibt da wohl keine Zeit.

Jörg Dammann

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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