Landrat Seefried: Mehr Tempo beim Deichbau
Küstenschutz im Kreis Stade: Klimawandel erfordert höhere Deiche

Sturmflut am Lüheanleger: Das Wasser steht bis zum Deichfuß. Bei kommenden Sturmfluten dürfte das Wasser noch höher steigen | Foto: Kai Holm
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Auf dem Podium der Zukunftswerkstatt zum Küstenschutz (v. li.): Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer, Gastgeber Landrat Kai Seefried, Thorsten Ratzke, (Geschäftsführer des Ostedeichverbandes), Godehard Hennies  (Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt), Wilhelm Ulferts (Oberdeichrichter des Deichverbandes der II. Meile Alten Landes) und Ansgar Dettmer (Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes) | Foto: Landkreis Stade/Christian C. Schmidt
  • Auf dem Podium der Zukunftswerkstatt zum Küstenschutz (v. li.): Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer, Gastgeber Landrat Kai Seefried, Thorsten Ratzke, (Geschäftsführer des Ostedeichverbandes), Godehard Hennies  (Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt), Wilhelm Ulferts (Oberdeichrichter des Deichverbandes der II. Meile Alten Landes) und Ansgar Dettmer (Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes)
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Deicherhöhungen bis 2050 – teils mehr als zwei Meter
Die aktuellen Planungen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sehen vor, die Deiche im Landkreis Stade bis zum Jahr 2050 stellenweise um mehr als zwei Meter zu erhöhen. Dabei geht es nicht nur um Schutz vor Hochwasser, sondern auch um langfristige Vorsorge gegen die Folgen des Klimawandels. Neben der Deicherhöhung ist der Neubau der folgenden, zwischen 1967 und 1978 erbauten Sperrwerke (in der Reihenfolge der geplanten Baumaßnahmen) vorgesehen: Ruthenstrom, Lühe, Freiburg, Abbenfleth, Schwinge, Oste und Wischhafen. 

Deicherhöhung an der Elbe geht zu langsam voran

Mehr als eine halbe Milliarde Euro erforderlich
Für diese umfangreichen Arbeiten sind nach aktuellem Stand rund 575 Millionen Euro erforderlich. Allein im Jahr 2025 stehen dem Landkreis Stade rund 23,7 Millionen Euro aus dem niedersächsischen Küstenschutzetat zur Verfügung – ein erheblicher Anteil an den landesweit bereitgestellten 81 Millionen Euro. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) kam auf Einladung Seefrieds nach Stade. Er verwies auf der Zukunftswerkstatt auf die "Rekordsummen", die Bund und Land in den Küstenschutz investieren. Um mehr Schwung in die Sache zu bringen, werde Niedersachsen in diesem Jahr 30 zusätzlichen Stellen im Bereich Hochwasserschutz schaffen und die Genehmigungsverfahren vereinfachen.

Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer sagte zu, bürokratische Hürden abzubauen | Foto: Landkreis Stade/Christian C. Schmidt
  • Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer sagte zu, bürokratische Hürden abzubauen
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Immer häufiger Sturmfluten
Derzeit weisen die Elbdeiche im Landkreise Stade eine durchschnittliche Kronenhöhe von etwa acht Metern über Normalhöhennull (NHN) auf. Das Normalhöhennull entspricht etwa dem mittleren Meeresspiegel zwischen Hoch- und Niedrigwasser. Zum Vergleich: Bei der Nikolaussturmflut im Dezember 2013, als das Orkantief "Xaver" über Norddeutschland hinwegfegte, lagen die Wasserstände zwischen fünf und sechs  Metern NHN - und damit nur rund 30 Zentimeter unter der verheerenden Sturmflut von 1962, die zahlreiche Menschenleben forderte. Bereits im Februar 2022 gab es eine weitere schwere Sturmflut, als die Pegel auf knapp 5,50 Meter NHN anstiegen. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels bei künftigen Sturmfluten sind weitaus höhere Pegel wahrscheinlich. Zudem wird es infolge des Klimawandels immer öfter heftige Stürme und damit auch schwere Sturmfluten geben. 

Orkantief Zeynep: Sturmflut verfehlte Marke von 1962 nur um 30 Zentimeter

Aktuell sind landkreisweit die folgenden drei Deichbaumaßnahmen abgeschlossen oder befinden sich in Planung bzw. Vorbereitung: 

  • Bützflether Sand und Stadersand: Auf 1,35 Kilometern wurde der Deich bereits 2024 auf bis zu 9,80 Meter NHN erhöht – in direkter Nachbarschaft zum LNG-Anleger.
  • Hinterbrack (Altes Land): Der Elbdeich soll auf einer Länge von rund zwei Kilometern von der Landesgrenze Hamburg bis zum Deichsiel Ost von Hahnöfersand verstärkt und auf neun Meter erhöht werden.
  • Krautsand (Kehdingen): Hier ist eine Erhöhung des Deiches auf 9,90 Meter über eine Strecke von fünf Kilometern geplant – vom Sperrwerk Wischhafen bis in die Ortschaft Krautsand.
Deicherhöhung in Nordkehdingen könnte fast 50 Jahre dauern

Deichschutz versus Naturschutz?
Ein zentrales Spannungsfeld bleibt der Ausgleich zwischen Deichbau und Naturschutz. Hintergrund ist die Forderung des niedersächsischen Umweltministeriums, für den Deichbau ökologische Ausgleichsflächen zu schaffen, was bei den Deichverbänden zu Protesten führte. Ein weiteres Problem ist der rigorose Artenschutz bei Vögeln, was die Deicherhöhung in Nordkehdingen erheblich erschwert. Landrat Seefried fordert bei diesen Themen Kompromissbereitschaft. Deiche würden nicht nur Menschen und Infrastruktur schützen, sondern auch empfindliche Naturräume. "Die Fachbehörden haben die Pläne für die dringend erforderliche Erhöhung unserer Elbdeiche weitgehend fertig – jetzt muss es ohne bürokratische Hemmnisse schnell zur Umsetzung kommen", erklärte der Landrat und betonte: "Wir werden da nicht lockerlassen."

Gras ist nicht gleich Gras: Land erschwert Deichbau an der Elbe


Sinnvolle Kompromisse finden

Godehard Hennies, Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen/Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, forderte auf der Konferenz eine klare rechtliche Privilegierung des Deichbaus – wie sie in Hamburg und Schleswig-Holstein bereits besteht. Im Gegenzug könnten sich die Deichverbände verpflichten, artenreiche Grassaaten für die Deiche zu verwenden. "Wir sollten Klima- und Biodiversitätskrise nicht gegeneinander ausspielen", meint Hennies. Gerade im Landkreis Stade mit seinen großflächigen Naturschutzgebieten an der Elbe müsse es sinnvolle Lösungen geben. Minister Meyer erklärte, dass das Land ein Modell ähnlich dem „Niedersächsischen Weg“ anstrebe, bei dem Deich- und Naturschutzverbände gemeinsam mit der Politik tragfähige Kompromisse erarbeiten.

Sturmflut am Lüheanleger: Das Wasser steht bis zum Deichfuß. Bei kommenden Sturmfluten dürfte das Wasser noch höher steigen | Foto: Kai Holm
Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer sagte zu, bürokratische Hürden abzubauen | Foto: Landkreis Stade/Christian C. Schmidt
Auf dem Podium der Zukunftswerkstatt zum Küstenschutz (v. li.): Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer, Gastgeber Landrat Kai Seefried, Thorsten Ratzke, (Geschäftsführer des Ostedeichverbandes), Godehard Hennies  (Geschäftsführer des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt), Wilhelm Ulferts (Oberdeichrichter des Deichverbandes der II. Meile Alten Landes) und Ansgar Dettmer (Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes) | Foto: Landkreis Stade/Christian C. Schmidt
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