"Mit 70 umkippen wie Lemmy"

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Jetzt auch noch Politik: CDU-Rocker Uwe Käppler polarisiert gerne / Vision: Wacken in Wiepenkathen

tp. Wiepenkathen. Auf jedem Schützengruppenfoto sticht Uwe Käpper (52) aus Stade-Wiepenkathen durch seine lange Mähne hervor, die sich durch den Uniform-Hut kaum bändigen lässt. Als rockender Grünrock und Vollblut-Vereinsmensch ist der Unternehmer weit über die Grenzen seines Heimatdorfes bekannt. Zuletzt machte er 2015 von sich reden, als er wenige Wochen nach einem Schlaganfall Schützenkönig wurde und fast zeitgleich die Arbeit als Chef seiner eigenen Bautischlerei wieder aufnahm (das WOCHENBLATT berichtete). Und jetzt macht er auch noch Politik, kandidiert bei der Kommunalwahl am 11. September erstmals für einen CDU-Sitz im Ortsrat.

"Muss das jetzt auch noch sein? Bekommt er nie genug?": Mit Bestürzung reagierte Uwe Käpplers Ehefrau Sabine (50) auf die neuesten Pläne ihres Mannes, der als Familienvater, Unternehmer und Mitglied in zahlreichen Vereinen ihrer Meinung nach "genug auf dem Zettel hat". Beruflich trägt der Holztechniker stolz die Handwerkstracht, für die Freizeit hängen ein halbes Dutzend weitere Kluften im Schrank. Er ist Gildebruder in der Stader Fastnachtsgilde, Schalke-Fan, Bogenschütze, Reservist, Tänzer und Faustballer. Nur für die wöchentlichen Saunabesuche braucht er keine Montur. Eine Lederjacke erinnert an seine wilde Zeit als Biker, aus der er sich seine wallenden Locken und den Musikgeschmack bewahrt hat.

Im Plattenschrank stehen Alben von Hardrocklegenden wie Queen und Deep Purple. Beim Schützenball spielte die Tanzband zu Ehren des amtierenden Königs Uwe Käppler einen AC/DC-Kracher. Den Ehrentanz führte die partyfreudige Majestät solo auf. Kaum zu glauben: "Früher war ich schüchtern", räumt Käppler ein. Wegen einer Hörbehinderung habe er in seiner Kindheit eher isoliert gelebt, beim Fußball öfter zugeschaut als mitgespielt. Inzwischen hält er vor großen Schützengesellschaften selbstbewusst amüsante Reden - trotz seines zusätzlichen Sprachhandicaps, unter dem er seit dem Schlaganfall leidet.

Rund um die Uhr Volldampf, daran hat sich Ehefrau Sabine Käppler gewöhnt, auch dass sie sonntagsabends den Tatort-Krimi alleine schaut, weil Ihr Mann erschöpft auf dem Sofa schnarcht. Warum obendrein die Kandidatur fürs Dorfparlament? "Ich bin ein Macher", so Käpplers entschlossene Antwort. Die Dorfgemeinschaft stärken, Wiepenkathen voranbringen. Die Ideen sprudeln aus ihm heraus: Gründung eines Gewerbevereins für jedermann "Wiepenkathen aktuell" bis zum Open-Air-Festival à la Hurricane oder Wacken.

Trotz der Verschiedenheit der Projekte glaubt Käppler, dass seine Visionen ein offenes Ohr finden: "Ich polarisiere eben gerne." Das wird auch an seinen Vorbildern deutlich. Neben Kanzlerin Angela "Angie" Merkel ist Lemmy Kilmister (†) sein Idol. Der trinkfeste Sänger und Bassist der Rockband Motörhead verstarb im vergangenen Jahr nach kurzer schwerer Krankheit und stand bis zuletzt auf der Bühne. Käppler grinst: "Mit 70 Jahren mit einem Drink in der Hand umkippen, so stell' ich mir das auch vor."

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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