Pluspunkte für die Kreisel-Lösung in Himmelpforten

Planungsexperte Jörn Janssen vom Büro SHP Ingenieure
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Riesen-Verkehrsrund in der Dorfmitte schlägt Ampelkreuzung hinsichtlich Verkehrsfluss und Sicherheit

tp. Himmelpforten. Die Kreisel-Variante ist der Favorit für Himmelpforten: Nach eigenem Bekunden prüfte Planungsexperte Jörn Janssen vom Büro SHP Ingenieure in Hannover sowohl die von vielen Anwohnern bevorzugte Ampelkreuzung als auch den Bau eines Verkehrsrunds an der B73 Mitten im Ort. Das hörten der Rat und rund 70 Besucher einer Info-Veranstaltung zu den im Vorfeld kontrovers diskutierten Kreisel-Plänen, zu der die Gemeinde am Dienstag in die Eulsete-Halle lud.

Hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit, den Verkehr besonders zu Stoßzeiten am Morgen und zum Feierabend zu bewältigen, schnitten Kreisel und Kreuzung gleich gut ab. Am Ende der systematischen Abwägung siegte dennoch der Kreisel. Deutliche Pluspunkte gab es laut Janssen hinsichtlich des Verkehrsflusses. Auf einem Kreisel herrsche eigentlich immer Bewegung. Zudem ließe solch ein Straßen-Rondell mehr Möglichkeiten der Stadtgestaltung und füge sich besser in das ländliche Bild Himmelpfortens ein. Weitere Vorteile sieht Janssen in der geringeren Belastung durch Verkehrslärm und Abgase sowie bei den niedrigeren Betrieb- und Wartungskosten gegenüber elektrischen Ampeln.

Wichtigster Pluspunkt aber sei die Verkehrssicherkeit des vierarmigen Kreisels als Alternative zur Aufrüstung der Kreuzung B73/Bahnhofstraße/Stubbenkamp mit Ampeln. Nicht die Anzahl, aber die potenzielle Schwere der Unfälle sei wesentlich geringer. Bedingt durch das niedrige Tempo im Kreiselbereich, wo der Fußgänger stets Vorfahrt genieße, komme es eher zu leichten Verletzungen und Blechschäden.

Das auch Peter Meyer von der verantwortlichen niedersächsischen Landesstraßenbaubehörde in Stade so, der in seiner Laufbahn rund 20 Kreisel-Projekte mitplante, bei dem Amt Baukosten von knapp einer Million Euro einwarb und mit einer halbjährigen Bauzeit rechnet. Die Gemeinde muss sich lediglich an den Planungen finanziell beteiligen.

Auch der aufs Podium geladene frühere Stader Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms, der sich wegen seiner gut 20 erfolgreichen Kreisel-Vorhaben den Beinamen "Kreisel-Kersten" eintrug, brach eine Lanze für das Verkehrsrund mit eigenem Radweg und den innerörtlich vorgeschriebenen vier Zebrastreifen. Selbst mit den in der Kreisstadt anfangs von Widerstand begleiteten Kreiselvorhaben habe er am Ende durchweg gute Erfahrungen gemacht. Die Lösung an der Schiffertorsstraße konnte sich anfangs kaum jemand vorstellen. Am sogenannten ADAC-Kreisel in Campe mit starkem Schüler-Verkehr seien auf Initiative des Schulelternrats zunächst Schülerlotsen eingesetzt worden. Inzwischen habe sich die Lange völlig entspannt.

Kreisel-Kersten konnte nicht jedem Zuhörer die Bedenken nehmen: Eine Frau aus dem Publikum merkte an: An der sogenannten Schüler-Ampel an der B73 komme es täglich zu riskanten Situationen.

Den Kernvorteil eines Kreisels sieht Schröder-Doms in der verkehrsbremsenden Wirkung. Ampeln bergen nach seiner Ansicht ein lebensgefährliches Unfallrisiko in der Orange-Phase - sein schlimmstes Szenario: ein Gas gebender Autofahrer und ein Kind, dass auf Grün vertraut.

Laut Bürgermeister Bernd Reimers, der sich langfristig ein Gesamtkonzept für die B73 im Ort wünscht, gibt es noch viel zu tun: Oben auf der Agenda steht jetzt erstmal der Grundstückserwerb für den neuen Kreisel. Das marode Haus der Kirchengemeinde und das Ex-Pastorenhaus müssen dem Jumbo-Kreisel weichen. Die Verwendung dieser und weiterer Flächen, die an das Bauwerk grenzen, sei noch offen.

"Wir brauchen Planungsrecht", ergänzte der in das Vorhaben involvierte Stadtpaner, Architekt Uwe Cappel. Dazu müsse die Kommune den Bebauungsplan ändern oder neu aufstellen. Im Zuge einer öffentlichen Auslegung könnten Anwohner dann auch u.a. Forderungen nach Abgas- und Lärmschutz stellen.

Der B-Plan "Himmelpforten Mitte" ist am Dienstag, 9. Oktober, um 19 Uhr im Rathaus Thema im Planungsausschuss.

Der Kreisel wird unabhängig vom künftigen Einkaufszentrum an der Bahnhofstraße geplant. Bekannt ist aber, dass die Investoren an einer guten Anbindung an die B73 interessiert sind. Laut Bürgermeister Reimers soll, nachdem Gutachten beim Landkreis als Genehmigungsbehörde nachgereicht wurden, noch im November der Satzungsbeschluss für das Einkaufszentrum gefasst werden

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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