Schock-Diagnose Krebs: Land-Bäcker aus Oldendorf verpachtet Betrieb

An der Brötchen-Formmaschine: Bäckermeister Martin Schmelke mit seiner Mutter Ingrid
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Martin Schmelke: "Filialisierung war nie nötig"

tp. Oldendorf. tp. Oldendorf. Die kleinen Dorfbäckereien, bei denen der Chef noch selbst am Ofen steht, sterben aus - auch im Landkreis Stade. Filialisten sind auf dem Vormarsch. Unkundige Beobachter witterten deshalb vorschnell Wirtschaftskannibalismus nach dem Prinzip "Groß frisst Klein" hinter der Übernahme der Bäckerei Schmelke in Oldendorf durch die Bäckerei Marciniak aus Stade-Wiepenkathen. Doch hinter einer Anzeige, mit der beide Betriebe kürzlich im WOCHENBLATT die Übergabe des Ladengeschäfts bekannt machten, verbirgt sich laut Inhaber und Geschäftsführer Martin Schmelke (46) kein ökonomischer Zwang. Er gibt Personal-Probleme und vor allem gesundheitliche Gründe für den Schritt an: Der Unternehmer ist an Krebs erkrankt.

Wegen anhaltender Schluckbeschwerden habe ihn seine Ehefrau Manuela (46), mit der er zwei Söhne (12 und 16) hat, zum Arzt geschickt. Im April 2015 dann die Schock-Diagnose: Speiseröhrenkrebs. Es folgten Chemotherapie und im August die Operation, bei der der Tumor entfernt wurde und seitdem nicht mehr wächst: "Dennoch bin ich außer Gefecht gesetzt", berichtet Martin Schmelke. Er leidet nach eigenen Angaben unter Konzentrationsschwäche und Erschöpfung insbesondere durch die Chemotherapie. Der weitere Krankeitsverlauf sei offen.

Er sieht sich vorerst außer Stande, seinen geliebten Beruf auszuüben. Neben der Leitung des Betriebes mit zuletzt zwei Bäckergesellen und einem halben Dutzend Verkäuferinnen war Schmelke Chef der Backstube, stand ab Mitternacht am Ofen. Er überwachte die Produktion der von vielen Kunden geschätzten Backwaren von der Torte bis zum Schwarzbrot. Viele Rezepte stammen von seinen Ur-Ur-Urgroßeltern Henriette und Heinrich Schmelke, die die Bäckerei 1866 gründeten.

Martin Schmelke stellte die Genesung in den Vordergrund und fasste nach Beratung mit seiner Ehefrau, die ihn bei der Buchführung unterstützt, seiner Mutter Ingrid (71) und seinem Vater Heiko (74), von dem er das Handwerk lernte, schweren Herzens den Beschluss, den Laden samt Café zu verpachten. Die Bäckerei mit modernen Geräten, in die er regelmäßig investierte, - zuletzt 40.000 Euro für einem sogenannten Gärunterbrecher zur minutengenauen Teigvorbereitung für Brot und Brötchen - bleibt in seinem Besitz.

Schmelke ergänzt: Zu der Entscheidung hätten anhaltende Personal-Engpässe beigetragen. Der eine Geselle sei wegen längerer Krankheit ausgefallen, der andere einfach nicht mehr zur Arbeit erschienen. Angesichts des Mangels an handwerklich ausgebildeten Allround-Kräften habe er die vakanten Stellen nicht wieder besetzen können.

"Der Betrieb lief bis zum Schluss gut", betont Martin Schmelke. "Wir verdienten gutes Geld mit guter Qualität." Eine Filialisierung im großen Stil sei daher nie Thema gewesen.

Das Familienunternehmen betrieb zusätzlich zur Dorfbäckerei lediglich die Caféteria an den Berufsbildenden Schulen in Bremervörde, die Manuela Schmelke weiterführt. Der kleine Sonntags-Brötchenverkauf in Gräpel wurde Anfang August von Marciniak mit übernommen.

Mit der Übergabe des Geschäfts an das mit Bedacht ausgewählte Nachfolge-Unternehmen Marciniak, das das bestehende Personal übernimmt, verbindet Martin Schmelke "Vertrauen und ein gutes Gefühl", denn traditionelle Handwerkskunst stehe auch dort - trotz anhaltender Expansion - an erster Stelle. Seitens des Familienunternehmens Marciniak nimmt man "diese Aufgabe ernst" und verspricht "beste Zutaten und echte Handwerkskunst".

Was nach Ablauf des Pachtvertrages geschieht, hält sich Martin Schmelke offen: "Erstmal muss ich an mich denken". Er wolle beim Angeln ruhige Stunden in der Natur verbringen.

Eine Genesung vorausgesetzt, will Martin Schmelke selbständiger Handwerker bleiben und weiter backen. Schon jetzt vermisse er schmerzlich den Kontakt zu den treuen Stammkunden.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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