Sommer-Interview mit Matthias Reichert
Zukunftstechnologien für den Landkreis Stade
- Matthias Reichert
- Foto: WF LK Stade
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
In der aktuellen Ausgabe unserer Sommer-Interview-Reihe blickt die WOCHENBLATT-Redaktion mit Matthias Reichert auf die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Stade. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Landkreis Stade GmbH spricht über Standortinteresse, Zukunftstechnologien wie Wasserstoff, den Fachkräftemangel – und darüber, wie er im Sommer zur Ruhe kommt.
WOCHENBLATT: Herr Reichert, wenn Sie den Landkreis Stade mit drei Worten beschreiben müssten – welche wären das?
Matthias Reichert: Zusammenhalt, Leistungsfähigkeit und Zukunftspotenzial.
WOCHENBLATT: Wie gefragt ist der Landkreis als Wirtschaftsstandort?
Reichert: Der Landkreis Stade ist gefragt – und das nicht nur bei Unternehmen von hier, sondern zunehmend auch bei Interessenten von außerhalb. Besonders sichtbar wird das auf Messen wie der REAL ESTATE ARENA, einer wichtigen Netzwerk- und Immobilienmesse. Auch aus Hamburg werden Anfragen an uns weitergeleitet, was unsere Bedeutung in der Metropolregion unterstreicht. Viele hiesige Betriebe investieren ebenfalls – wenn sie z.B. räumlich an Grenzen stoßen. Dann unterstützen wir bei der Suche nach Förderprogrammen.
WOCHENBLATT: Welche Branchen sehen Sie künftig besonders im Aufwind?
Reichert: Der Flugzeugbau bleibt stark, vor allem mit Blick auf die Transformation hin zu Wasserstoffantrieben. Gemeinsam mit anderen Regionen haben wir die Anerkennung als „Net ZERO Valley“ beantragt. Ziel ist es, innovative Technologien, die den Wandel zur klimaneutralen Industrie unterstützen, gezielt zu fördern.
Auch in den Bereichen Chemie und Energie entsteht viel. Ob Vorprodukte für Batterien, CO₂-freie Strom- und Dampferzeugung oder großflächige Wasserstoffproduktion und -nutzung – die Region bringt sich aktiv in zentrale Transformationsprozesse ein. Die vorhandene Infrastruktur, inklusive LNG-Terminal und geplanter Wasserstoffnetz-Anbindung, schafft ideale Voraussetzungen. Und auch das innovative Handwerk entwickelt sich positiv.
WOCHENBLATT: Wie steht es um den Chemiepark in Bützfleth?
Reichert: Der Standort ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Gemeinsam mit dem Land Niedersachsen arbeiten wir an der Weiterentwicklung, im engen Austausch mit Unternehmen, Gewerkschaften, Politik und Verwaltung. Rund 10.000 Arbeitsplätze hängen aktuell an diesem Cluster – Tendenz steigend. Standortmanager Stephan Engel bringt Investoren und Firmen erfolgreich zusammen. Mit dem ersten landseitigen LNG-Terminal und dem dringend notwendigen Ausbau der A26 und eines Industriegleises zum Hafen erwarten wir weiteren Auftrieb.
WOCHENBLATT: Was tut die Wirtschaftsförderung gegen den Fachkräftemangel?
Reichert: Im Rahmen des Fachkräftebündnisses Elbe-Weser betreuen wir fünf Landkreise. Wir setzen dabei auf eigene Projekte wie „IT macht Schule“ oder „Praktikumspartner im Landkreis Stade“. Gleichzeitig holen wir externe Programme in die Region – etwa „Digitalisierungsscouts“ oder die „Energiescouts“, unterstützt von Partnern wie dem Bildungsbüro oder der Süderelbe AG. Mit Aktionen wie den Wasserstoffwochen bringen wir das Thema aktiv in die Schulen und machen Zukunftstechnologien erlebbar.
WOCHENBLATT: Wo sehen Sie in puncto Infrastruktur den größten Handlungsbedarf?
Reichert: Ganz klar im Bereich Straße und Schiene. Der Lückenschluss der A26 zur A7 in Hamburg ist überfällig. Stade braucht die Verlegung des Industriegleises, Buxtehude eine eigene Autobahnanbindung. Größtes Zukunftsprojekt ist der Bau der A20 mit Elbtunnel bei Drochtersen. Dieses Vorhaben kann die wirtschaftliche Entwicklung in Kehdingen langfristig voranbringen – eine echte Chance für die Region.
WOCHENBLATT: Und zum Schluss: Was hilft Ihnen persönlich, im Sommer den Kopf freizubekommen?
Reichert: Sport ist für mich der perfekte Ausgleich – besonders Tennis und neuerdings Padel. Wenn es spontan sein soll, gehe ich joggen oder drehe eine Runde auf dem Rasenmäher-Traktor. Und mein persönlicher Lieblingsmoment: ein paar Minuten Toben und Kuscheln mit unserer dreijährigen Tochter – das gibt mir neue Energie wie nichts anderes.
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