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Sensible Ökosysteme gerettet

Vortrag "Moore im Landkreis Stade - aktuelle Pläne und Bedürfnisse": Katharina Bittmann (re.) und Jana Korsch
 
In vielen Bereichen wieder intakt: das Hohe Moor bei Oldendorf Fotos: tp/Christian Schmidt

Moor-Tagung im Kreishaus / Seltene Tiere wie Kreuzotter und Libellen wieder in Oldendorf heimisch / "Es gibt noch viel zu tun"

tp. Stade. Als sensible Ökosysteme, natürliche Wasserspeicher und Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen genießen Moore besonderen Schutz. Aktivitäten zum Erhalt und zur Ausweitung der von Oberflächenwasser und Grundwasser gespeisten Hoch- und Tiefmoore im Landkreis Stade sollen und müssen weitergehen: Das betonten die Naturschutz-Expertinnen Katharina Bittmann (Landschaftsökologin) und Jana Korsch (Schutzgebiets-Managerin) von der Kreisverwaltung am Mittwoch bei einer überregionalen Info-Veranstaltung im Kreishaus. 

Auf der Fachtagung, zu der der Landkreis Stade gemeinsam mit dem Greifswald Moor Centrum eingeladen hatte, ging es um "Moore und ihrer Bedeutung für Mensch und Umwelt". Im Mittelpunkt stand dabei der kommunale Klimaschutz mit Aspekten des Naturschutzes wie Nährstoff-Rückhalt in den norddeutschen Sümpfen. Zudem wurde diskutiert, welche Rolle eine nachhaltige Moornutzung bei der Erfüllung kommunaler Aufgaben spielen kann.

In ihrem Vortrag "Moore im Landkreis Stade - aktuelle Pläne und Bedürfnisse" blickten  Katharina Bittmann und Jana Korsch auf die Historie der regionalen Moornutzung zurück: Große Flächen nahmen Schaden durch jahrzehntelange manuelle und maschinelle Abtorfung zur Brennstoff- und Düngergewinnung, durch Entwässerung, systematische Besiedlung, etwa in Frankenmoor, Grünland- und Ackerlandnutzung und infolge der Eingriffe übermäßiger Busch-Bewuchs. Längst stehen größere Moore im Land Kehdingen, z. B. das Oederquarter Moor, und das Hohe Moor in der Samtgemeinde-Oldendorf-Himmelpforten unter strengem Schutz.

Durch Wiedervernässung und weitere Renaturierungsmaßnahmen wurden insbesondere im Hohen Moor bei Oldendorf beachtliche Erfolge erzielt. In dem 780 Hektar großen Gebiet leben wieder die für diesen Landschaftstyp spezifischen Tierarten wie Moorfosch, Kreuzotter, Kranich und zahlreiche Insekten, darunter seltene Libellen. Auch der Mensch profitiert: Zur Naherholung gibt es Wanderwege. Das Gebiet sei inzwischen "sehr gut wiederhergestellt", so Korsch, beim Landkreis zuständig für Natura 2.000-Schutzgebiets-Management. In das Hohe Moor flossen bereits 1,3 Millionen Euro EU-Mittel. Ergänzende Maßnahmen können mit öffentlichen Geldern gefördert werden.

Im aktuellen Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Stade sind mehrere Moore als Torferhaltungs-Zonen deklariert. Allerdings gibt es noch immer Abbaugebiete, z.B. das Aschhorner Moor in Kehdingen mit dem Euflor-Humuswerk.

Die Bemühungen der Behörden, die Moore im Stader Kreisgebiet für kommende Generationen zu erhalten, gehen weiter: Moor-Randgebiete sollen im Rahmen eines Vertragsnaturschutzes zu Pufferzonen zwischen Natur- und Kulturlandschaft ausgebildet werden. Weitere Vorschläge sind die Schaf-Beweidung von Moor-Abschnitten zur Biotopflege. Und: Für ein professionelles Moor-Management könnte zusätzliches Personal eingestellt werden. 

Weitere Möglichkeiten bietet die Paludikultur (von lateinisch "palus"; Sumpf, Morast). Ein traditionelles Beispiel  ist die land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Moore als Anbaugebiet von Schilf für Reet-Dächer. 
www.greifswaldmoor.de