Er soll gegen Richtlinien verstoßen haben
Wolfsberater Bernard Wegner vom Umweltministerium entlassen
- Der jetzt entlassene Wolfsberater Bernard Wegner
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Gut vier Jahre lang war Bernard Wegner (60) aus Buchholz als ehrenamtlicher Wolfsberater im Einsatz. Jetzt wurde er vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der zum Umweltministerium gehört, von seinem Posten abberufen.
Bernard Wegner habe in den Medien wiederholt "Äußerungen zum Wolfsverhalten und dem Verhalten gegenüber Wölfen getätigt (...), welche sich aufgrund von fehlenden Fakten und mangelnder Neutralität als problematisch darstellen", begründet Dr. Ingrid Wiesel, Leiterin des Aufgabenbereichs Wolfsberatung beim NLWKN, die Entlassung. Wegner, der auch als Obmann für Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Landkreis Harburg tätig ist, habe zugesichert, zu klären, ob die Gefahr eines Interessenkonflikts mit seiner Arbeit als Wolfsberater bestehe. Die Klärung sei aber nie erfolgt.
Seit 2024 - so der NLWKN - habe es häufig Gespräche mit Wegner über dessen mehrfache, "nicht mit den Leitlinien des Niedersächsischen Wolfsmanagements übereinstimmenden Aussagen" in den Medien gegeben. Die Anhörungen seien nicht zufriedenstellend gewesen, weshalb man bezweifle, dass in Zukunft eine "kooperative Zusammenarbeit" möglich sei. Daher habe der Landesbetrieb die Abberufung Wegners beschlossen. "Ihre Kritik als ehrenamtlicher Wolfsberater an den Entscheidungen des Umweltministeriums ist mit den Grundsätzen für das Verhalten von Wolfsberatenden nicht zu vereinbaren", wird dem Buchholzer auch fehlende Objektivität vorgeworfen.
"Ich habe als Wolfsberater und als Jägerschafts-Obmann zum Thema Wolf in den Medien, in Vorträgen und in Gesprächen mit der Bevölkerung immer offen und ehrlich meine Meinung gesagt. Das kam beim NLWKN und dem Niedersächsischen Umweltministerium nicht so gut an", erklärt Bernard Wegner gegenüber dem WOCHENBLATT. "Während man dort beispielsweise nichts von einer Bestandsregulierung der Wolfspopulation hält, bin ich angesichts von derzeit bis zu 800 Wölfen in Niedersachsen für eine solche Maßnahme. Außerdem sollte es eine zeitnahe Bejagung von Problemwölfen geben, die trotz Schutzvorkehrungen Nutztiere reißen", so Wegner.
"In meiner Tätigkeit als Obmann für Öffentlichkeitsarbeit für die Jägerschaft Landkreis Harburg werde ich auch weiterhin Wolfsvorträge, Beratungsgespräche für Weidetierhalter und Interessierte halten. Auch bleibt das Wolf-Infomobil, welches zur Jägerschaft Landkreis Harburg gehört, weiterhin mit mir und dem zertifizierten Natur und Umweltpädagogen-Team im Einsatz", betont Bernard Wegner. Aufgrund interner Förderrichtlinien der Bingo-Umweltstiftung, die das Infomobil seit zwei Jahren unterstützt, ist ein Sponsoring hier noch bis Ende Mai möglich. Wer sich danach als Geldgeber engagieren möchte, meldet sich bei Wegner per E-Mail an oeffentlichkeitsobmann@jlh-online.de
Wegner bleibt auch künftig im Bereich des Monitorings (Wolfssichtung, d. Red.), das bei der Jägerschaft angesiedelt ist, aktiv und freut sich über alle Meldungen von Tierbeobachtungen und Losungsfunde.
Die Aufnahme von Totfunden von Wölfen - etwa nach einem Verkehrsunfall - sowie die Vermessung toter Wölfen und deren Übergabe an die Untere Naturschutzbehörde gehören dagegen nicht mehr zu seinen Tätigkeiten, da diese Aufgaben beim NLWKN und dem Umweltministerium angesiedelt sind.
"Als ich als Wolfsberater anfing, wurde ich von vielen Jägern, Weidetierhaltern und von einem Teil der Bevölkerung noch misstrauisch beäugt. Seitdem habe ich mir viel Vertrauen bei allen Beteiligten erarbeitet", sagt Bernard Wegner nicht ohne Stolz.
Wie geht Landesregierung mit Kritik an Wolfspolitik um?
- Landtagsabgeordneter Jan Bauer (CDU) aus Buchholz nimmt die Entlassung Bernard Wegners als Wolfsberater zum Anlass für Fragen an die Landesregierung zum Umgang mit Kritik an der Wolfspolitik. "In der öffentlichen Debatte wird der Eindruck geäußert, dass kritische Stimmen aus der Praxis im Zusammenhang mit der Wolfspolitik der Landesregierung zunehmend unter Druck geraten könnten", so Bauer. Angesichts der weiterhin steigenden Wolfspopulation und der wachsender Konflikte zwischen Wolfsbestand, Nutztierhaltung und ländlicher Bevölkerung übernähmen die ehrenamtlichen Wolfsberater eine wichtige Funktion als Vermittler zwischen Behörden, Tierhaltern und Bevölkerung.
Vor diesem Hintergrund möchte Jan Bauer von der Landesregierung wissen:
1. Wie viele Wolfsberater sind derzeit in Niedersachsen tätig, und wie verteilt sich deren Einsatz auf die Landkreise und kreisfreien Städte?
2. Nach welchen fachlichen und persönlichen Kriterien werden Wolfsberater ausgewählt und berufen?
3. Welche formalen Voraussetzungen und Verfahren gelten für die Abberufung oder Entbindung von Wolfsberatern von ihren Aufgaben?
4. In wie vielen Fällen wurden Wolfsberater seit 2018 von ihren Aufgaben entbunden, und aus welchen Gründen erfolgte dies jeweils?
5. Welche Rolle spielen öffentliche Äußerungen oder Kritik an der Wolfspolitik der Landesregierung bei der Bewertung der Tätigkeit von Wolfsberatern?
6. Erwartet die Landesregierung von Wolfsberatern eine politische oder kommunikative Zurückhaltung gegenüber der Öffentlichkeit? Wenn ja, wie ist diese Erwartung konkret geregelt?
7. Wie stellt die Landesregierung sicher, dass fachliche Einschätzungen und Erfahrungen aus der Praxis – auch wenn sie kritisch gegenüber der Wolfspolitik des Landes sind – weiterhin in die Bewertung der Wolfsentwicklung und in politische Entscheidungsprozesse einfließen können?
8. Welche Maßnahmen plant die Landesregierung, um das Vertrauen von Nutztierhaltern, Jägerschaft und ländlicher Bevölkerung in das Wolfsmanagement des Landes zu stärken?
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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