Diskussion um Kunststätte
Bossard-Erweiterung: Nur Aussetzung oder doch der totale Stopp?

Die Kunststätte Bossard in Jesteburg-Lüllau hat zuletzt für viel Gesprächsstoff gesorgt. Nun wollen SPD, Grüne, Linke und AfD die Mega-Erweiterung stoppen
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  • Die Kunststätte Bossard in Jesteburg-Lüllau hat zuletzt für viel Gesprächsstoff gesorgt. Nun wollen SPD, Grüne, Linke und AfD die Mega-Erweiterung stoppen
  • Foto: Chemella Soderstof
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Die Pläne, die Kunststätte Bossard in Jesteburg für elf Millionen Euro zur "Kunsthalle der Lüneburger Heide" zu entwickeln, stehen unmittelbar vor dem Aus. Die SPD-Kreistagsfraktion hat den Antrag gestellt, die bereits bewilligten zwei Millionen Euro zu streichen. "Die Diskussionen der letzten Monate haben eines deutlich werden lassen: Das Projekt bringt zwangsläufig eine Nähe zu Johann Bossard als Antisemit und Nazi mit sich. Er würde unweigerlich in den Mittelpunkt dieses geplanten Projektes gestellt und persönlich aufgewertet", sagt Fraktionschef Tobias Handtke. Zuvor hatten sich bereits die Gruppe Grüne/Linke und die AfD von dem Projekt distanziert. Einzig die Gruppe CDU/WG hält daran fest, will jedoch die Planungen auf Eis legen.

mum. Jesteburg. Rund um die Mega-Erweiterung der Kunststätte Bossard zur "Kunsthalle der Lüneburger Heide" will einfach keine Ruhe einkehren: Nazi-Vorwürfe gegen Gründer Johann Bossard in überregionalen Medien, die Staatsanwaltschaft, die Vorermittlungen wegen eines Hakenkreuzes aufgenommen hat, und zuletzt der Rücktritt von Kunststätten-Leiterin Dr. Gudula Mayr zum Jahresende - aus dem Vorzeigeprojekt ist ein medialer Albtraum geworden. Und das hat jetzt auch politische Konsequenzen: Die SPD-Kreistagsfraktion macht sich für einen konsequenten Ausstieg aus dem Projekt "Bossard neu denken/Kunsthalle Lüneburger Heide" stark. In einem Antrag an den Kreistag fordert die SPD die Aufhebung des Kreistagsbeschlusses vom 18. Dezember 2019, mit dem der Landkreis unter anderem zwei Millionen Euro für die Stiftung bereitgestellt hatte.

"Wir als Sozialdemokraten sehen uns hier in einer besonderen Verantwortung."

Dabei hatte die SPD im vergangenen Jahr die ehrgeizigen Pläne mit einem Gesamtvolumen von 10,76 Millionen Euro mehrheitlich unterstützt. "Die Diskussionen der letzten Monate haben deutlich gemacht: Das Projekt bringt zwangsläufig eine Nähe zu Bossard als Antisemit und Nazi mit sich. Er würde unweigerlich in den Mittelpunkt dieses geplanten Projektes gestellt und persönlich aufgewertet", ist sich Fraktionschef Tobias Handtke sicher. Die dringend notwendige Aufarbeitung, beispielsweise der Rolle von Künstlern im Landkreis in der Zeit des Nationalsozialismus, werde so an den Rand gedrängt. "Wir müssen uns ein umfassendes Bild von Kunst und Kultur im Landkreis Harburg machen ohne einseitige Beeinflussung. Diese Tatsache haben wir leider unterschätzt", so Handtke. "Wir als Sozialdemokraten sehen uns hier in einer besonderen Verantwortung."

Bereits im Vorfeld hatte sich die AfD klar gegen die Erweiterung positioniert und auf die zu erwartende wirtschaftliche Lage durch die Corona-Pandemie hingewiesen. Fraktionschef Günter Burmeister: "Das Projekt halten wir daher nicht mehr gegenüber den Bürgern als vermittelbar."

Grüne/Linke Projekt bereits aus finanziellen Gründen abgelehnt

Auch die Gruppe Grüne/Linke im Kreistag spricht sich gegen die Erweiterung aus. "Wir hatten das Projekt schon bei der ersten Abstimmung aus ökologischen und finanziellen Gründen klar abgelehnt", sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Ruth Alpers. "Dieses Event-Center im Wald ist nicht nur an der falschen Stelle geplant, es ist auch völlig überdimensioniert. Auch die Brisanz dieser Kunststätte mit völkischen Wurzeln war mit ein Ablehnungsgrund. Hier wurde nicht nur Geld versenkt, es wurde auch das Ansehen des Landkreises beschädigt."

CDU/WG-Gruppe will an Mega-Projekt festhalten

Im Gegensatz zur SPD möchte die Gruppe CDU/WG weiterhin am Mega-Projekt festhalten - es allerdings vorerst auf Eis legen, bis ein Gutachten Bossards Rolle im Nationalsozialismus geklärt hat. "Die weiteren Planungen rund um das Projekt 'Kunsthalle der Lüneburger Heide' sollen bis zum Abschluss der zu vergebenden Forschungsarbeiten ruhen", lautet der Antrag. "Während dieser Zeit wird das vorgelegte Marketing- und Zukunftskonzept für die Kunststätte nicht weiter verfolgt." Die laufenden Unterhaltungs- und Sanierungsarbeiten sowie der laufende Geschäftsbetrieb der Kunststätte und der damit verbundene aktuelle jährliche Zuschuss für die Kunststätte Bossard seien von diesem Antrag nicht betroffen.
• Diskutiert werden die Anträge während der Kreistagssitzung am Donnerstag, 25. Juni, ab 15 Uhr im Veranstaltungszentrum "Burg Seevetal" (Am Göhlenbach 11).

SPD plädiert für zusätzlichen Ausschuss

Die SPD beantragt die Lösung des Bereichs Kultur vom Ausschuss für Schule, Sport und Kultur.
Die Belange der Schulpolitik würden zunehmend mehr Zeit und fachliche Kapazitäten binden. Die Berücksichtigung von notwendigen Diskussionen um Bossard dürfte deshalb nur begrenzt möglich zu sein. "Deshalb beantragen wir die Bildung eines Ausschusses für Kunst und Kultur", so Kreistagsmitglied Klaus-Dieter Feindt (SPD). "Die Zukunft der Kunststätte unter dem Gesichtspunkt der Verantwortung des Landkreises, den Zweck der Stiftung zu erfüllen, wird nur ein Thema des Ausschusses sein", so Feindt weiter. Dabei gehe es nicht darum, die Kunststätte für neue Besuchergruppen zu erschließen.

Das Verhältnis Bossards zu Nationalsozialismus und Antisemitismus sei bekannt und müsse nun aufgearbeitet werden.

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Die Zeichnung zeigt einen Entwurf der "Kunsthalle der Lüneburger Heide"
Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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