Baustelle bedroht Geschäfte
Erst Einbahnstraße, dann Sperrung: In Jesteburg nimmt Leerstand zu

Nadine Schröder (li.) und Kathrin Pahlhammer geben ihr Ladengeschäft auf, unter anderem wegen der Baustellen Foto: as
2Bilder
  • Nadine Schröder (li.) und Kathrin Pahlhammer geben ihr Ladengeschäft auf, unter anderem wegen der Baustellen Foto: as
  • hochgeladen von Anke Settekorn

as. Jesteburg. Erst war "tikkaliebe" in Jesteburg monatelang durch eine Baustelle in der Lüllauer Straße nur eingeschränkt erreichbar, jetzt wurde mit dem Kreisverkehr eine weitere Großbaustelle vor der Haustür mit erheblichen Einschränkungen auf den Verkehr angekündigt. Zu viel für die Inhaberinnen des auf indische Produkte spezialisierten Geschäfts, Nadine Schröder und Katrin Pahlhammer. Ende April schließen sie nach nur zwei Jahren den Standort in Jesteburg endgültig und werden "tikkaliebe" vorerst als Online-Handel weiterführen.

"Die vergangenen Jahre in der Corona-Pandemie waren für uns schon hart. Aber die Baumaßnahmen haben uns den Rest gegeben", sagt Nadine Schröder. Ihre Kritik: Die Gewerbetreibenden seien weder frühzeitig noch ausreichend über die Baustelle und Sperrungen informiert worden. Auch der Abriss des gegenüberliegenden Geschäftshauses sei nicht kommuniziert worden. "Wir fühlen uns hilflos und von der Gemeinde alleingelassen", so Schröder. Es sei zu unsicher, weiter in den Standort zu investieren, wenn in Kürze die nächste Straßensperrung für die Kreiselbaustelle Kunden von ihrem Besuch im Geschäft abhalte.

Auch hier wünschen sich die Geschäftsfrauen eine bessere Kommunikation. Es scheint, als ob Nadine Schröder und Katrin Pahlhammer mit ihrer Sorge nicht allein sind. Erst vergangene Woche berichtete das WOCHENBLATT von erheblichen Einschränkungen, die die Bäckerei Schwichtenberg in Holm-Seppensen durch eine Baustelle hat. Und in Jesteburg schließt nicht nur "tikkaliebe": In wenigen Wochen geben auch die benachbarte Parfümerie und das Bekleidungsgeschäft "Berg und Tal" ihre Läden auf.

"Diese Maßnahme des Wasserbeschaffungsverbands hat für uns erhebliche Einschränkungen zur Folge. Ca. ein Drittel der Kunden hat uns das gekostet", schätzt Raphael Cordes, Co-Inhaber der Landschlachterei Cordes an der Lüllauer Straße. Die Einbahnstraßenregelung sei äußerst bürgerunfreundlich, zudem habe der Wasserbeschaffungsverband die Anlieger auch sehr kurzfristig, erst eine Woche vor Beginn der Bauarbeiten, informiert. "Zwar hätte eine frühere Information nichts an dem Umstand geändert, aber man hätte sich besser darauf einstellen können", so Cordes.

Jesteburgs Gemeindedirektorin und Samtgemeinde-Bürgermeisterin Claudia von Ascheraden weist den Vorwurf der mangelnden Kommunikation zurück. "Wir bedauern es außerordentlich, wenn ein Geschäft seine Türen für immer schließen muss. Gleichzeitig sind wir aber auch irritiert, wenn als ein Grund fehlende Informationen zu den aktuellen und geplanten Baustellen in der Gemeinde angeführt werden", so die Gemeindedirektorin. Über die Baustelle in der Lüllauer Straße habe der zuständige Wasserbeschaffungsverband informiert. Bis heute ist auf der Internetseite des WBV ein Hinweis samt Ansprechpartner zu der Maßnahme aufgeführt.

Was den Kreisverkehr angeht, so habe die Verwaltung bereits im vergangenen Jahr auf der Gemeinde-Homepage informiert sowie über die Presse eine Info-Veranstaltung zur Kreisel-Baustelle und den groben Zeitplan angekündigt. "Detaillierte Informationen gab es am vergangenen Dienstag im Schützenhaus. Zu unserem Erstaunen wurde diese Veranstaltung so gut wie gar nicht von Gewerbetreibenden angenommen", sagt von Ascheraden. Darüber hinaus biete die Gemeinde auf www.jesteburg.de/kreisverkehr bis zum Ende der Bauphase immer wieder aktualisierte Informationen sowie Beteiligungsprozesse und Kontaktmöglichkeiten an. Außerdem verweisen wir auf der Gemeinde-Homepage auf den „Baustellenatlas“, in dem alle Baustellen des Landkreises Harburg aufgeführt sind. Auch persönliche Gespräche mit Betroffenen habe es frühzeitig gegeben.

Claudia von Ascheraden: "Besonders vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde auf verschiedenen Wegen möglichst transparent über große Bauprojekte wie den Kreisverkehr informieren möchte, ist es schade, dass sich Einzelne dennoch nicht ausreichend mitgenommen fühlen. Wir können daher nur dazu aufrufen, unsere Angebote zum Dialog anzunehmen.“ "Informationsabend wurde von Gewerbetreibenden nicht angenommen"

Nadine Schröder (li.) und Kathrin Pahlhammer geben ihr Ladengeschäft auf, unter anderem wegen der Baustellen Foto: as
Gemeindedirektorin und Samtgemeinde-Bürgermeisterin Claudia von Ascheraden weist die Vorwürfe zurück Foto: as
Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.