Baustelle Ehestorfer Heuweg
Loch in der Straße in Rosengarten: Erneut ist ein Stollen eingebrochen

Laut Rolf Weiß, Vorsitzender des Vereins Bergwerk Robertshall, wurden die Stollen des Bergwerks Robertshall nach Ende des Kohleabbaus so gut wie gar nicht verfüllt - und brechen jetzt ein
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  • Laut Rolf Weiß, Vorsitzender des Vereins Bergwerk Robertshall, wurden die Stollen des Bergwerks Robertshall nach Ende des Kohleabbaus so gut wie gar nicht verfüllt - und brechen jetzt ein
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as. Ehestorf. Es ist bislang der größte Stollenbruch im Bereich des ehemaligen Bergwerks Robertshall: In der Straße Emmetal in Rosengarten-Ehestorf hat sich am heutigen Donnerstagvormittag ein drei mal drei Meter breites und zwei Meter tiefes Loch aufgetan. "Die 15 Zentimeter dicke Asphaltschicht ist einfach weggebrochen, die Fahrbahn zusammengesackt", berichtet Ehestorfs Bürgermeister Axel Krones. "Zum Glück ist kein Auto darüber gefahren, als es passierte!" Es rumore weiterhin an dem Stollenbruch, sagt Krones. 

Grund für den Einsturz ist laut Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) höchstwahrscheinlich ein Hohlraum, der durch das ehemalige Braunkohlebergwerk Robertshall entstanden ist. Die ehemaligen Grubenbaue werden derzeit durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) im Rahmen der Gefahrenabwehr im Nachbergbau saniert.

Die Straße Emmetal, in die der Ehestorfer Heuweg übergeht, wird laut dem Ortsbürgermeister im Abschnitt Rehwechsel bis Hohlredder voraussichtlich bis Freitag, 8. April, voll gesperrt. Das betrifft auch den ÖPNV der Buslinie 340 und den gerade neu eingesetzten Schulbus zur Rudolf-Steiner-Schule. Der zulässige Anliegerverkehr kann die Sperrung über die Straßen Hohlredder, Auf dem Schwarzen Berge und Rehwechsel umfahren. 

Es werden jetzt weitere Untersuchungen durchgeführt, um zu erkunden, wie es zu diesem Bruch kommen konnte. Das LEBG erklärt: Für die Sicherung des einstigen Braunkohlebergwerks Robertshall wird mit Bohrungen erkundet, ob es in den ehemaligen Stollen noch Hohlräume gibt, die dann durch Betoninjektion stabilisiert werden. Bei einer solchen Erkundungsbohrung ist heute Mittag der Tagesbruch gefallen.
Nun wird zunächst das Bohrgerät geborgen und der Tagesbruch erstgesichert. Danach soll
das Loch verfüllt und die Straße wieder befahrbar gemacht werden. Nach ersten Schätzungen dauern diese Arbeiten rund zehn Tage bis Ende kommende Woche.

Bereits 2019 hatte sich bei den Bauarbeiten am Ehestorfer Heuweg ein sogenannter Tagesbruch gebildet. Die Arbeiten wurden damals wegen einer etwa 50 bis 80 Zentimeter großen und fünf Meter tiefen Versackung im Untergrund sofort eingestellt und der Bereich großräumig gesichert. Auch der erste Tagesbruch befand sich unweit des Denkmals, das mit einer Lore und einer großen Schautafel, auf der auch ein Teil der Stollen verzeichnet ist, auf das Bergwerk hinweist. Zudem hatte Rolf Weiß, Vorsitzender des Vereins Bergwerk Robertshall, bereits damals über nicht verfüllte Stollen informiert.

Seither wird das Gebiet rund um das ehemalige Bergwerk auf weitere Stollen untersucht. Eigentlich sollte die Überprüfung bis August abgeschlossen sein - das wird sich jetzt vermutlich verzögern. "Die Anwohner der umliegenden Straßen sind sehr aufgeregt. Sie machen sich große Sorgen, wie es weitergeht und ob auch ihr Grundstück absacken könnte", schildert Krones.

Wie mehrfach berichtet, wurde mit dem Bergwerk Robertshall zu Beginn der 1920er Jahre Kohle in Hamburg-Hausbruch und Rosengarten-Ehestorf gefördert. Der Abbau der Kohle erfolgte unter Tage in Tiefen von 13 und 17 Metern. Der überwiegende Teil der Grubenbaue (untertägige Strecken) des Bergwerkes liegt unter einem Waldgebiet auf Hamburger Seite. Auf niedersächsischer Seite, in Ehestorf, befindet sich der kleinere Teil des Bergwerks - zumindest nahm man das bisher an. Allerdings werden bei den Untersuchungen immer wieder neue Stollen gefunden. Zuletzt entdeckte man einen Stollen, der bis zur Straße "Im Uhlenbusch" führt.
Die Bergwerksanlage wird seit 2019 verfüllt. Erschwerend ist, dass es keine richtigen Streckenpläne gibt.

Laut Rolf Weiß, Vorsitzender des Vereins Bergwerk Robertshall, wurden die Stollen des Bergwerks, anders als vorgeschrieben, nach Ende der Braunkohleförderung so gut wie gar nicht verfüllt.  "Etliche Häuser im Umfeld haben Bergschäden, und es bricht immer wieder mal etwas ein", so Weiß. Dieser Einsturztrichter sei der größte ihm bekannte der vergangenen fünf Jahre. 

Seit Sommer 2018 saniert die Stadt Hamburg den Ehestorfer Heuweg. Die Baumaßnahme wurde bereits mehrfach verzögert, u.a. durch nicht kartierte Wasserleitungen und einen Tagesbruch, und hat gravierende Auswirkungen auf die Kiekeberg-Dörfer.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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