Umstrittene Aufschrift "NOTÄRZT:IN"
Gender-Schriftzug beim Stader DRK: Im Netz wird weiter gestritten
- Der Schriftzug "NOTÄRZT:IN" löste eine heftige Diskussion in den sozialen Medien aus
- Foto: Screenshot Instagram
- hochgeladen von Jörg Dammann
Ein neuer Schriftzug auf zwei Einsatzfahrzeugen des DRK-Rettungsdienstes im Landkreis Stade hat im Netz hohe Wellen geschlagen. Auf einem Notarztwagen prangte der Schriftzug „NOTÄRZT:IN“ – mit farblich hervorgehobenem Doppelpunkt und „IN“ als sichtbares Zeichen gendergerechter Sprache. Nach einem regelrechten Shitstorm in den sozialen Medien entfernte das DRK die Beschriftung. Die Fahrzeuge tragen nun die Begriffe „NOTARZT“ und „NOTÄRZTIN“ nebeneinander (das WOCHENBLATT berichtete). Damit ist die Debatte um die Verwendung von Gender-Doppelpunkt, Binnen-I und Co. aber nicht - wie vom DRK-Kreisverband erhofft - beendet. Auf Facebook wird munter weiterdiskutiert. Die mehr als 2.000 Kommentare zeigen, wie tief das Thema Gendern spaltet.
Die Kritiker dominieren
Viele Nutzer äußerten ihr Unverständnis über den in ihren Augen merkwürdigen Schriftzug. So schrieb Frank P.: „Solche Diskussion kommt zustande, wenn fünf Prozent der Deutschen 95 Prozent vorschreiben wollen, wie richtig gesprochen wird.“ Michael R. findet es „traurig, was aus der deutschen Sprache gemacht wird“. Und Dennis W. bezeichnet die Beschriftungs-Aktion des DRK als „ideenloses, hilfloses Getänzel um die echten Probleme“. Schärfer formuliert Johannes K. seine Kritik. Er spricht von "einem gewaltigen Wackelkontakt im Kronleuchter" bei den Verantwortlichen des DRK-Rettungsdienstes.
Drastische Sprüche, bissige Ironie
Noch drastischer werden Norbert K. ("Wir sind am Arsch!"), Peter E. (Nur noch krank!") oder Jürgen H., der meint: „Die Welt versinkt im Chaos und wir beschäftigen uns mit so einem Scheiß.“ Andere reagieren mit bissiger Ironie - wie Bianka L., die folgende Beschriftungs-Varianten empfiehlt: „Ein Fahrzeug Notarzt, ein Fahrzeug Notärztin, ein Fahrzeug Divers, ein Fahrzeug Mischmasch.“ Wolfgang S. wiederum schlägt augenzwinkernd den Begriff „Humanhilfe“ vor. Volker W. stellt letztlich die Frage nach den Kosten: „Welche finanziellen Mittel werden für solche Aktionen verbrannt?“
Es gibt auch positive Stimmen
Es gibt aber nicht nur ablehnende Stimmen, auch Befürworter melden sich zu Wort. „Persönlich finde ich es total okay, wenn Menschen gendern und damit alle einbeziehen“, erklärt Marcel S. Nach Ansicht von Tanja S. zeigt der Fall „dass es solche Beschriftungen braucht, solange Ärztinnen von Patienten gebeten werden, einen männlichen Arzt zu holen“. In die gleiche Kerbe haut Nicole R. mit ihrem Kommentar: „Wir leben seit Jahrhunderten in einem Patriarchat – jede Anstrengung, Männer und Frauen gleichberechtigt zu nennen, hat einen Shitstorm zur Folge.“ Den Spieß umdrehen möchte Pia A. Sie schlägt vor, grundsätzlich nur die weibliche Form zu verwenden, „dann fühlen sich die Männer auch mal mitgemeint“.
Plädoyer für Gelassenheit
Ob als „Sprachpolizei“, „Respektzeichen“ oder „unnötige Steuerverschwendung“ – das Spektrum der Kommentare ist gewaltig. Die Zitate können nur einen kleinen Ausschnitt aus der großen Bandbreite der Meinungen wiedergeben. Vielen aus der Seele sprechen dürften Nutzer wie Kevin Harms, der angesichts der heftigen Debatte schlichtweg für Gelassenheit plädiert: „Es gibt so viel Wichtigeres, worüber man sich den Kopf zerbrechen kann.“
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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