Viele Fragen sind noch unbeantwortet
Stader Sechsfachmord im Landtags-Innenausschuss: Was wusste der Staat über Fatih G.?

Auch mehr als zwei Monate nach der entsetzlichen Bluttat von Stade sind noch viele Fragen offen, wie sich jetzt im Innenausschuss des niedersächsischen Landtages herausstellte | Foto: jd
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Blaulicht-Meldungen der letzten Tage

Blaulicht
Im Rüstjer Forst werden im Rahmen der Übung auch aufwendige technische Hilfeleistungen – wie die Rettung von Verletzten aus unter Bäumen begrabenen Fahrzeugen – geprobt

  | Foto: Landkreis Stade / Daniel Beneke
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500 Helfer bei Katastrophenschutz-Großübung
Waldbrand im Rüstjer Forst und Stromausfall in Stade

Ein schweres Unwetter zieht über die Region, ein Waldbrand breitet sich rasant aus, große Teile der Stadt Stade sind ohne Strom. Gleichzeitig muss das Elbe Klinikum Patienten in andere Krankenhäuser verlegen. Was wie ein Katastrophenszenario klingt, war am Samstag Teil einer umfangreichen Übung des Landkreises Stade. Unter dem Namen „Cascadia“ trainierten rund 500 überwiegend ehrenamtliche Einsatzkräfte vom frühen Morgen bis in den Nachmittag hinein die Bewältigung einer außergewöhnlichen...

Blaulicht

Körperverletzung in Winsen
Zwei 13-Jährige in Deichstraße angegriffen – Zeugen gesucht

Zwei 13-Jährige sind am Sonntagabend in Winsen (Luhe) von einer Gruppe Jugendlicher verfolgt und angegriffen worden. Die Täter flüchteten in Richtung Innenstadt. Die Polizei bittet um Hinweise. Winsen (Luhe). Am Sonntag, 25. Oktober, kam es gegen 19 Uhr in Winsen zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Nach Angaben der Polizei verfolgten vier bis fünf Jugendliche zwei 13-Jährige und griffen sie anschließend in der Deichstraße an. Die beiden Minderjährigen wurden unter anderem im Gesicht...

Blaulicht

Jesteburg
Zeuge überführte den Unfallverursacher - Polizei schnappte zu

Am Samstagnachmittag, 24. Oktober, beschädigte gegen 16.55 Uhr ein 44-jähriger Fahrzeugführer im Kleckerwaldweg zwei Verkehrspoller und entfernte sich anschließend unerlaubt von der Unfallstelle. Ein Zeuge folgte der durch den Unfall verursachten Ölspur, die zu einem beschädigten, abgestellten Pkw führte. Im Rahmen der anschließenden Unfallaufnahme wurde bei dem 44-Jährigen eine Atemalkoholkonzentration von 1,65 Promille festgestellt. Zudem war der Mann nicht im Besitz einer gültigen...

Blaulicht
Die Feuerwehrleute beseitigten den umgestürzten Baum, während die Fahrgäste in der S-Bahn ausharren mussten | Foto: Feuerwehr Stade
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Sturmtief „Maja“ hielt Feuerwehren auf Trab
S-Bahn prallt in Stade gegen Baum: 145 Fahrgäste saßen im Zug fest

Sturmtief „Maja“ hat am Wochenende im Landkreis Stade zahlreiche Feuerwehreinsätze ausgelöst. Besonders brenzlig wurde es am Sonntagabend: Eine S-Bahn kollidierte auf dem Weg nach Hamburg mit einem umgestürzten Baum. Alle 145 Fahrgäste blieben unverletzt. Gegen 19 Uhr wurde im Bereich der Vorwerkstraße in Stade ein großer Baum entwurzelt. Er stürzte über einen Fußweg, durchschlug einen Absperrzaun und blieb mit seiner Krone auf den Bahngleisen liegen. Der Lokführer einer herannahenden S-Bahn...

Blaulicht

Buchholz
Verkehrsunfall mit drei Leichtverletzten

Am Sonntagmorgen, 25. Oktober,  kam es gegen 10.15 Uhr auf der B 75 an der Einmündung Fasanenstieg in Buchholz zu einem Verkehrsunfall zwischen zwei Pkw. Als der 36-jährige Fahrzeugführer eines Volvos aus dem Fasanenstieg kommend auf der B75 wendete, missachtete er die Vorfahrt des in Norden auf der B75 fahrenden VW Lupo. Durch den Zusammenstoß wurden die insgesamt drei Fahrzeuginsassen leicht verletzt. Im Rahmen der Unfallaufnahme ergaben sich Hinweise auf eine mögliche Alkoholisierung des...

Blaulicht

Winsen
Pkw brannte an der Osttangente

Am Samstagmorgen, 24. Oktober, wurden gegen 6 Uhr Polizei und Feuerwehr zu einem brennenden Pkw an der Osttangente alarmiert. Der Fahrzeugführer war auf der BAB 39 unterwegs, als er bemerkte, dass sein Pkw kein Gas mehr annahm. Nachdem er die Autobahn verlassen und seinen Pkw am Fahrbahnrand abgestellt hatte, bemerkte er Flammen im Bereich des Motorraums. Als Brandursache wird ein technischer Defekt vermutet.

Blaulicht

Heidenau
Einbruch in Einfamilienhaus

Im Zeitraum von Samstag, 17. Oktober, bis Freitag, 23. Oktober, kam es im Heidenauer Eichenweg zu einem Einbruch in ein Einfamilienhaus. Die bislang unbekannten Täterschaft verschafften sich durch das Aufhebeln eines Fensters Zutritt zum Gebäude und durchsuchte anschließend die Räumlichkeiten. Personen, die Hinweise zu der Tat oder dem Täter geben können, werden gebeten, sich bei der Polizei in Buchholz unter Tel. 04181-2850 zu melden.

Blaulicht
Für den heutigen Montagnachmittag wird erneut vor einer Sturmflut gewarnt | Foto: Daniel Beneke
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Sturmflutwarnung für den Landkreis Stade
Die erste Herbst-Sturmflut in diesem Jahr an der Unterelbe

Auch wenn an den meisten Bäumen noch das Laub hängt: Der Herbst ist da – und er hat sich am vergangenen Wochenende auch deutlich zu Wort gemeldet: Über den Norden fegte das Sturmtief "Maja" hinweg. Mit im Gepäck hatte die stürmische Maja die erste Sturmflut in dieser Saison. An der Küste hieß es im Vordeichgelände überall "Land unter". Auch entlang der Elbe und damit auch im Landkreis Stade kletterten die Pegel in der Nacht von Sonntag auf Montag auf Werte jenseits der Sturmflutmarke. Das...

Blaulicht

Seevetal
Jugendlicher ohne Führerschein im Pkw gestoppt

Am frühen Sonntagmorgen, 25. Oktober,  kontrollierten gegen 5.00 Uhr Polizeibeamte in Seevetal-Ramelsloh auf der Horster Landstraße einen Pkw, der von einem erst 16-Jährigen geführt wurde. Die Weiterfahrt wurde untersagt und der Jugendliche an seine Erziehungsberechtigen übergeben. Gegen ihn wurde ein Strafverfahrenwegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis eingeleitet.

Blaulicht

Verkehrskontrolle in Stade
Polizei beschlagnahmt 240 Liter Diesel

Zwölf Kanister mit insgesamt 240 Litern Diesel haben Polizisten am Freitagabend, 23. Oktober, bei einer Verkehrskontrolle in Stade entdeckt. Weil die Herkunft des Kraftstoffs unklar ist, besteht der Verdacht, dass es sich um Diebesgut handeln könnte. Gegen 18 Uhr stoppte eine Stader Streifenwagenbesatzung auf der Buxtehuder Straße (L111) einen Ford Transit mit Verdener Kennzeichen, der in Richtung Autobahn 26 unterwegs war. Am Steuer saß ein 23-jähriger Mann aus Bremen. Bei der Kontrolle fanden...

Mehr als zwei Monate nach den tödlichen Schüssen in einer Stader Mutter-Kind-Einrichtung hat sich in der vergangenen Woche auch der Innenausschuss des Niedersächsischen Landtages mit dem Fall beschäftigt. Dem WOCHENBLATT liegen Informationen aus der Unterrichtung vor, die neue Fragen zur Vorgeschichte des mutmaßlichen Täters Fatih G. aufwerfen. Das WOCHENBLATT hat in diesem Zusammenhang die örtlichen CDU-Landtagsabgeordneten Birgit Butter und Melanie Reinecke um eine Stellungnahme gebeten. Beide Politikerinnen nahmen an der Ausschusssitzung teil, auf der Innenministerin Daniela Behrens (SPD) über die bisherigen Erkenntnisse der Behörden informierte. Sie gingen mit einer klaren Forderung in die Sitzung: „Wir müssen Spekulationen durch Fakten ersetzen und brauchen endlich belastbare Antworten darauf, warum sechs Menschen sterben mussten – und warum der Staat vorher nicht genauer hingeschaut hat.“

Sechs Menschen starben am 29. Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung an der Dankersstraße in Stade. Der 45-jährige Fatih G. soll während eines Hilfeplangesprächs drei Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover sowie drei Mitarbeiter der Einrichtung erschossen haben. Wenige Wochen später beging der Tatverdächtige in der JVA Bremervörde Suizid. Die Ermittlungen zu den Hintergründen laufen weiter.

Mutmaßlicher Stader Sechsfachmörder begeht Suizid

Wie finanzierte Fatih G. seinen Lebensunterhalt?
Nach Informationen des WOCHENBLATT soll Fatih G. zu keiner Zeit staatliche Sozialleistungen bezogen haben. Damit stellt sich die Frage, wie er seinen Lebensunterhalt finanzierte und mit welchem Geld er das Fluchtauto, einen 400 PS starken Mercedes AMG, erwerben konnte. Wenige Tage vor der Tat hat er zudem in Berlin die später verwendete Tatwaffe samt Munition für rund 4.000 Euro gekauft. „Die Eigentumsverhältnisse rund um das Fluchtauto sowie die Bezahlung der Tatwaffe werfen weitere Fragen auf“, erklärte Butter auf Anfrage.

Mutmaßlicher Täter war ausreisepflichtig
Auch der Aufenthaltsstatus des mutmaßlichen Sechsfach-Mörders beschäftigt die Politik. Aus einer früheren Antwort der Landesregierung war bereits hervorgegangen: Fatih G., der in Goslar geboren wurde und türkischer Staatsangehöriger war, besaß zum Zeitpunkt der Tat keinen Aufenthaltstitel und war ausreisepflichtig. Von einer Prüfung aufenthaltsbeendender Maßnahmen hatte die Landesregierung keine Kenntnis. Zwischenzeitlich hielt er sich auch außerhalb Deutschlands auf. Bekannt geworden sind mittlerweile Aufenthalte in der Türkei. Nach Angaben der Landesregierung hatte die Polizei in Goslar bereits 2017 einen Hinweis darauf erhalten, dass Fatih G. aus einem türkischen Gefängnis geflohen sein soll. Eine Anfrage bei türkischen Behörden führte damals zu keinem Ergebnis.

Bluttat in Stade: Gericht erlässt Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes

Behörden wussten nicht, wo Fatih G. sich aufhielt
„Der mutmaßliche Täter von Stade war nicht unsichtbar“, sagt Butter. „Es gab verschiedene behördliche Berührungspunkte, aber offenbar keinen roten Faden. Wir müssen wissen, welche Informationen wann vorlagen, wie sie bewertet wurden und warum daraus keine Konsequenzen entstanden.“ Nach Angaben der CDU lebte Fatih G. ab Mai 2025 in Garbsen, ohne dort gemeldet zu sein. Die zuständige Ausländerbehörde soll davon erst nach der Tat erfahren haben. „Warum hat sein Aufenthaltsstatus offenbar keine weiteren Schritte ausgelöst?", wundert sich Butter. "Diese Frage muss beantwortet werden.“

Im Ausschuss ging es auch um die deutsche Staatsangehörigkeit seiner wenige Monate alten Tochter. Behrens soll darauf hingewiesen haben, dass sich daraus für die aktuelle Situation von Fatih G. eine aufenthaltsrechtliche Perspektive ergeben hätte. Offen bleibt damit jedoch die Frage nach den Jahren zuvor: Welchen Status hatte Fatih G. zu welchem Zeitpunkt – und welche Behörde wusste wann davon?
Hinweise gibt es zudem darauf, dass Fatih G. bereits als Jugendlicher in Goslar strafrechtlich in Erscheinung getreten sein könnte. Auch hier stellt sich die Frage, warum diese Vorgänge nicht eindeutig seiner Person zugeordnet werden konnten. Angeblich soll er damals einen anderen Nachnamen getragen haben. 

Sechs Tote in Stade: Täter neigte schon vorher zu Gewaltausbrüchen

Behörden kannten Fatih G.
Fatih G. war bereits vor der Stader Bluttat polizeibekannt. Im Mittelpunkt des Konflikts stand seine wenige Monate alte Tochter. Das Kind war nach einer schweren Hirnverletzung in der Uniklinik Hannover behandelt worden. Ärzte gingen von einem Schütteltrauma aus. Daraufhin wurde das Jugendamt eingeschaltet, Mutter und Kind kamen in die Stader Einrichtung. Fatih G. soll im Krankenhaus aggressiv aufgetreten sein und Personal bedroht haben. Zugleich führte er familiengerichtliche Verfahren um das Sorge- und Umgangsrecht für seine Tochter. Auch deshalb stellt sich die Frage, ob Informationen zwischen den beteiligten Behörden ausreichend zusammenliefen.

CDU fordert Antworten
Butter und Reinecke kritisieren, dass die Unterrichtung kaum Klarheit über das Tatmotiv gebracht habe. „Wir wissen bis heute nicht, was den Täter zu dieser unfassbaren Tat bewegt hat. Gerade bei sechs getöteten Menschen darf diese Frage nicht im Raum stehen bleiben“, erklären die beiden CDU-Politikerinnen. Sie sind der Ansicht, dass die Angehörigen der sechs Opfer ein Recht auf Antworten haben: "Was war das Motiv für diese Tat? Was ist in ihrem Vorfeld geschehen? Und wo hätte der Staat genauer hinschauen müssen?"

Ermittlungen gegen zwei Frauen laufen weiter
Weiterhin wird gegen die Kindsmutter Enise Ö. sowie gegen die "Patentante", die 65-jährige Sylvia S. aus Bremen, ermittelt. Letztere hat den Mercedes gefahren, mit dem Fatih G. vom Tatort flüchtete. Beide Frauen waren zunächst festgenommen, anschließend aber wieder freigelassen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bestand kein dringender Tatverdacht, der Untersuchungshaft gerechtfertigt hätte.

Deniz Kurku gibt Amt auf 
Sylvia S. ist die Schwiegermutter des SPD-Landtagsabgeordneten Deniz Kurku, der bislang ehrenamtlicher Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe war. Kurku nahm an der Ausschusssitzung nicht teil und gab einen Tag später sein Amt als Landesbeauftragter auf. Sein Landtagsmandat behält er. Als Grund nannte er massive Anfeindungen, Falschbehauptungen und Morddrohungen.

Wichtig: Bislang gibt es keine öffentlich belegten Erkenntnisse, wonach Kurku selbst an der Tat beteiligt war oder von Tatplänen wusste. Nach Angaben des Innenministeriums spielt er in dem Ermittlungsverfahren weder als Beschuldigter noch als Zeuge eine Rolle.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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