Viele Fragen sind noch unbeantwortet
Stader Sechsfachmord im Landtags-Innenausschuss: Was wusste der Staat über Fatih G.?

Auch mehr als zwei Monate nach der entsetzlichen Bluttat von Stade sind noch viele Fragen offen, wie sich jetzt im Innenausschuss des niedersächsischen Landtages herausstellte | Foto: jd
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Blaulicht-Meldungen der letzten Tage

Blaulicht

A7 - Elbtunnel
Sperrung der Richtungsfahrbahn Süd

Der Ausbau der K20 Hochstraße Elbmarsch steht kurz vor dem Abschluss. Aktuell werden finale Sanierungsarbeiten der Bestandsfahrbahn Richtung Süden durchgeführt. Ende September 2026 kann die Brücke für den Verkehr freigegeben werden. Am ersten September Wochenende wird die Hauptabnahmeprüfung der K20 im Abschnitt Elbtunnel bis zur AS HH-Hausbruch durchgeführt sowie die Verkehrsführung südlich des Elbtunnels umgebaut. Gleichzeitig nutzen die Autobahnmeisterei Othmarschen und die...

Blaulicht

Tostedt
Streit: Gefährliche Körperverletzung und Pfefferspray

Am Donnerstag, 3. September, wurde die Polizei in Tostedt gegen 13.30 Uhr zu einem Mehrfamilienhaus an der Berliner Straße gerufen, weil es dort zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen gekommen war. Vor Ort trafen die Beamten auf zwei Gruppen einer Familie, insgesamt etwa 15 Personen. Diese waren offenbar wegen zurückliegender Beleidigungen in Streit geraten. In dessen Verlauf war aus einer Gruppe heraus Pfefferspray versprüht worden. Mehrere Personen erlitten dadurch...

Blaulicht
Hier zwischen den Markierungen darf geparkt werden | Foto: Axel-Holger Haase
3 Bilder

Straße wird "dicht" geparkt
Parkplätze in Fahrradstraße wurden markiert

Die Buchholzer Straße "Am Radeland" ist seit 2015 zur Fahrradstraße von der Stadt Buchholz umgewandelt worden. Die Pkw-Fahrer haben verstärkt auf die Fahrradfahrer Rücksicht zu nehmen. Es wurden zudem Fahrbahnverengungen eingerichtet. Doch an diesen und an den Einmündungen gibt es Ärger. Pkw-Fahrer, die morgens für ihre Fahrzeuge Parkplätze suchen, parken bis zu diesen Verengungen. Somit ist für den motorisierten Durchgangsverkehr kaum eine Wartemöglich gegeben, wenn Fahrräder oder andere...

Blaulicht

Autobahn A7
55-Stunden-Sperrung hinter dem Elbtunnel

Autofahrer die zwischen Hamburg und Niedersachsen pendeln, müssen mit Umleitungen und mehr Zeit rechnen: Die Autobahn A7 wird hinter dem Elbtunnel für 55 Stunden gesperrt. Dies betrifft die Strecken bis  Schnelsen sowie Stellingen von Freitag, 11. September, 22 Uhr, bis Montag, 14. September, 5 Uhr. Diese Sperrungen erfolgen aufgrund von Asphaltierungsarbeiten sowie Bauwerksprüfungen und betreffen die Tunnel Schnelsen und Stellingen. Die Arbeiten sind zum Teil witterungsabhängig und können...

Blaulicht

Buchholz
Fensterscheiben des Rathauses eingeschlagen

Am Samstagabend meldete eine Zeugin, gegen 20 Uhr der Polizei, dass soeben mehrere Personen am Rathaus Buchholz zwei Fensterscheiben eingeschlagen hätten. Im Rahmen der Fahndung konnten in Tatortnähe zwei tatverdächtige junge Männer angetroffen werden. Durch Schnittverletzungen an den Händen, erhärtete sich der Tatverdacht. Gegen die beiden Heranwachsenden wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Blaulicht

Rosengarten
Explosion in Gartenhütte und Brand

Im Ortsteil Eckel (Rosengarten) kam es am Samstagabend um 21.06 Uhr in der Eichenstraße zu einer Explosion in einer Gartenhütte. Nach ersten Ermittlungen vor Ort könnte eine undichte Gasflasche ursächlich sein. Das Gasgemisch in der Hütte entzündete sich und es kam zum Knall. Durch den anschließenden Brand entstand ein Sachschaden an der Holzhütte. Die Feuerwehren Eckel, Klecken, Nenndorf und der Einsatzleitwagen aus Leversen waren eingesetzt und konnten eine Ausbreitung verhindern.

Blaulicht

Neu Wulmstorf
Tödlicher Sturz mit Kopfverletzung: Polizei sucht Ersthelfer

Am Samstagmorgen gegen 6.30 Uhr entdeckten Ersthelfer einen schwer verletzten Mann, der leblos in der Fußgängerunterführung am Bahnhof Neu Wulmstorf lag. Mehrere Ersthelfer kümmern sich bis zum Eintreffen der Rettungskräfte um die Person und versuchten auch, ihn zu reanimieren. Letztlich erlag der 46-jährige Mann aber seinen schweren Kopfverletzungen. Wie die Polizei ermitteln konnte, hatte der Mann gegen kurz vor 6 Uhr mit dem Zug Richtung Buxtehude den Bahnhof erreicht und sich dann auf die...

Blaulicht

Tostedt
Töster Flohmarkt verlief friedlich - aber Streit in der Familie

Der Töster Flohmarkt fand in diesem Jahr am Samstag, 5. September, ab 6 Uhr statt. Die beliebte Veranstaltung wurde von rund 35.000 Besuchern aufgesucht. Der Verlauf war insgesamt friedlich. Unabhängig vom Flohmarktgeschehen kam es auf dem Gelände zu Streitigkeiten innerhalb einer Familie. Es wurden mehrere Strafverfahren eingeleitet. Sämtliche Familienmitglieder wurden der Örtlichkeit verwiesen. Aufgrund der Wetterlage mit Starkregen und Windböen wurde die Veranstaltung gegen 15.30 Uhr...

Blaulicht

Buchholz
Mehrere Pkw-Scheiben durch Steinwürfe zerstört

Im Innenstadtbereich von Buchholz wurden am Sonntagmorgen, gegen 0.30 Uhr, Sachbeschädigungen gemeldet. Ein Anwohner beobachtete, wie eine männliche Person mit aufgefundenen Steinen die Heckscheiben mehrerer geparkter PKW einwarf. Anhand der Personenbeschreibung sowie am Tatort zurückgelassener, persönlicher Gegenstände, ergab sich ein Tatverdacht. Der Tatverdächtige konnte kurz darauf im Nahbereich festgestellt werden. Gegen ihn wurden mehrere Strafverfahren eingeleitet.

Blaulicht

Samtgemeinde Hanstedt
Feuerwehreinsatz: Woher kam die Rauchentwicklung?

Zu einer unklaren Rauchentwicklung im Gebäude in der Hauptstraße in Marxen rückten am Donnerstag, 3. September, um 17.50 Uhr die Feuerwehren Marxen und Brackel sowie der Einsatzleitwagen der Samtgemeindefeuerwehr aus. Vor Ort konnte ein deutlicher Brandgeruch festgestellt werden. Die Feuerwehrkräfte erkundeten das Gebäude, um die Ursache für den Brandgeruch zu ermitteln. Trotz intensiver Suche konnte keine Brandquelle ermittelt werden. Als weitere Maßnahme wurde das Gebäude stromlos geschaltet....

Mehr als zwei Monate nach den tödlichen Schüssen in einer Stader Mutter-Kind-Einrichtung hat sich in der vergangenen Woche auch der Innenausschuss des Niedersächsischen Landtages mit dem Fall beschäftigt. Dem WOCHENBLATT liegen Informationen aus der Unterrichtung vor, die neue Fragen zur Vorgeschichte des mutmaßlichen Täters Fatih G. aufwerfen. Das WOCHENBLATT hat in diesem Zusammenhang die örtlichen CDU-Landtagsabgeordneten Birgit Butter und Melanie Reinecke um eine Stellungnahme gebeten. Beide Politikerinnen nahmen an der Ausschusssitzung teil, auf der Innenministerin Daniela Behrens (SPD) über die bisherigen Erkenntnisse der Behörden informierte. Sie gingen mit einer klaren Forderung in die Sitzung: „Wir müssen Spekulationen durch Fakten ersetzen und brauchen endlich belastbare Antworten darauf, warum sechs Menschen sterben mussten – und warum der Staat vorher nicht genauer hingeschaut hat.“

Sechs Menschen starben am 29. Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung an der Dankersstraße in Stade. Der 45-jährige Fatih G. soll während eines Hilfeplangesprächs drei Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover sowie drei Mitarbeiter der Einrichtung erschossen haben. Wenige Wochen später beging der Tatverdächtige in der JVA Bremervörde Suizid. Die Ermittlungen zu den Hintergründen laufen weiter.

Mutmaßlicher Stader Sechsfachmörder begeht Suizid

Wie finanzierte Fatih G. seinen Lebensunterhalt?
Nach Informationen des WOCHENBLATT soll Fatih G. zu keiner Zeit staatliche Sozialleistungen bezogen haben. Damit stellt sich die Frage, wie er seinen Lebensunterhalt finanzierte und mit welchem Geld er das Fluchtauto, einen 400 PS starken Mercedes AMG, erwerben konnte. Wenige Tage vor der Tat hat er zudem in Berlin die später verwendete Tatwaffe samt Munition für rund 4.000 Euro gekauft. „Die Eigentumsverhältnisse rund um das Fluchtauto sowie die Bezahlung der Tatwaffe werfen weitere Fragen auf“, erklärte Butter auf Anfrage.

Mutmaßlicher Täter war ausreisepflichtig
Auch der Aufenthaltsstatus des mutmaßlichen Sechsfach-Mörders beschäftigt die Politik. Aus einer früheren Antwort der Landesregierung war bereits hervorgegangen: Fatih G., der in Goslar geboren wurde und türkischer Staatsangehöriger war, besaß zum Zeitpunkt der Tat keinen Aufenthaltstitel und war ausreisepflichtig. Von einer Prüfung aufenthaltsbeendender Maßnahmen hatte die Landesregierung keine Kenntnis. Zwischenzeitlich hielt er sich auch außerhalb Deutschlands auf. Bekannt geworden sind mittlerweile Aufenthalte in der Türkei. Nach Angaben der Landesregierung hatte die Polizei in Goslar bereits 2017 einen Hinweis darauf erhalten, dass Fatih G. aus einem türkischen Gefängnis geflohen sein soll. Eine Anfrage bei türkischen Behörden führte damals zu keinem Ergebnis.

Bluttat in Stade: Gericht erlässt Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes

Behörden wussten nicht, wo Fatih G. sich aufhielt
„Der mutmaßliche Täter von Stade war nicht unsichtbar“, sagt Butter. „Es gab verschiedene behördliche Berührungspunkte, aber offenbar keinen roten Faden. Wir müssen wissen, welche Informationen wann vorlagen, wie sie bewertet wurden und warum daraus keine Konsequenzen entstanden.“ Nach Angaben der CDU lebte Fatih G. ab Mai 2025 in Garbsen, ohne dort gemeldet zu sein. Die zuständige Ausländerbehörde soll davon erst nach der Tat erfahren haben. „Warum hat sein Aufenthaltsstatus offenbar keine weiteren Schritte ausgelöst?", wundert sich Butter. "Diese Frage muss beantwortet werden.“

Im Ausschuss ging es auch um die deutsche Staatsangehörigkeit seiner wenige Monate alten Tochter. Behrens soll darauf hingewiesen haben, dass sich daraus für die aktuelle Situation von Fatih G. eine aufenthaltsrechtliche Perspektive ergeben hätte. Offen bleibt damit jedoch die Frage nach den Jahren zuvor: Welchen Status hatte Fatih G. zu welchem Zeitpunkt – und welche Behörde wusste wann davon?
Hinweise gibt es zudem darauf, dass Fatih G. bereits als Jugendlicher in Goslar strafrechtlich in Erscheinung getreten sein könnte. Auch hier stellt sich die Frage, warum diese Vorgänge nicht eindeutig seiner Person zugeordnet werden konnten. Angeblich soll er damals einen anderen Nachnamen getragen haben. 

Sechs Tote in Stade: Täter neigte schon vorher zu Gewaltausbrüchen

Behörden kannten Fatih G.
Fatih G. war bereits vor der Stader Bluttat polizeibekannt. Im Mittelpunkt des Konflikts stand seine wenige Monate alte Tochter. Das Kind war nach einer schweren Hirnverletzung in der Uniklinik Hannover behandelt worden. Ärzte gingen von einem Schütteltrauma aus. Daraufhin wurde das Jugendamt eingeschaltet, Mutter und Kind kamen in die Stader Einrichtung. Fatih G. soll im Krankenhaus aggressiv aufgetreten sein und Personal bedroht haben. Zugleich führte er familiengerichtliche Verfahren um das Sorge- und Umgangsrecht für seine Tochter. Auch deshalb stellt sich die Frage, ob Informationen zwischen den beteiligten Behörden ausreichend zusammenliefen.

CDU fordert Antworten
Butter und Reinecke kritisieren, dass die Unterrichtung kaum Klarheit über das Tatmotiv gebracht habe. „Wir wissen bis heute nicht, was den Täter zu dieser unfassbaren Tat bewegt hat. Gerade bei sechs getöteten Menschen darf diese Frage nicht im Raum stehen bleiben“, erklären die beiden CDU-Politikerinnen. Sie sind der Ansicht, dass die Angehörigen der sechs Opfer ein Recht auf Antworten haben: "Was war das Motiv für diese Tat? Was ist in ihrem Vorfeld geschehen? Und wo hätte der Staat genauer hinschauen müssen?"

Ermittlungen gegen zwei Frauen laufen weiter
Weiterhin wird gegen die Kindsmutter Enise Ö. sowie gegen die "Patentante", die 65-jährige Sylvia S. aus Bremen, ermittelt. Letztere hat den Mercedes gefahren, mit dem Fatih G. vom Tatort flüchtete. Beide Frauen waren zunächst festgenommen, anschließend aber wieder freigelassen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bestand kein dringender Tatverdacht, der Untersuchungshaft gerechtfertigt hätte.

Deniz Kurku gibt Amt auf 
Sylvia S. ist die Schwiegermutter des SPD-Landtagsabgeordneten Deniz Kurku, der bislang ehrenamtlicher Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe war. Kurku nahm an der Ausschusssitzung nicht teil und gab einen Tag später sein Amt als Landesbeauftragter auf. Sein Landtagsmandat behält er. Als Grund nannte er massive Anfeindungen, Falschbehauptungen und Morddrohungen.

Wichtig: Bislang gibt es keine öffentlich belegten Erkenntnisse, wonach Kurku selbst an der Tat beteiligt war oder von Tatplänen wusste. Nach Angaben des Innenministeriums spielt er in dem Ermittlungsverfahren weder als Beschuldigter noch als Zeuge eine Rolle.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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