Großbaustelle im Industriegebiet Bützfleth
Stader LNG-Terminal: Ein Energieprojekt von europäischer Dimension
- CDU-Besuch auf der HEH-Baustelle für das Stader LNG-Terminal (v.li.): Jan Themlitz (HEH), Landrat Kai Seefried, Bürgermeisterkandidat Arne Kramer, EU-Parlamentarier David McAllister, CDU-Kreisvorsitzende Melanie Reinecke und Wahlkampfmanagerin Elif Aydin
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Wo derzeit hohe Kräne das weitläufige Industriegebiet in Stade-Bützfleth überragen, wird eines der größten Energieprojekte Deutschlands realisiert: das landseitige LNG-Terminal des Unternehmens Hanseatic Energy Hub (HEH). Landrat Kai Seefried, der Stader CDU-Bürgermeisterkandidat Arne Kramer, der frühere niedersächsische Ministerpräsident und heutige Europaabgeordnete David McAllister, die CDU-Kreisvorsitzende Melanie Reinecke sowie Kramers Wahlkampfmanagerin Elif Aydin machten sich jetzt vor Ort ein Bild vom Fortschritt des Projekts, dessen Investitionsvolumen sich auf rund 1,5 Milliarden Euro beläuft. Wenn das Terminal nach aktueller Planung 2029 seinen Betrieb aufnimmt, sollen dort bis zu 100 Arbeitsplätze entstehen –-zuzüglich rund 300 weiterer Jobs bei Zulieferern und Dienstleistern.
- Die Visualisierung zeigt einen LNG-Tanker vor dem künftigen Terminal
- Foto: HEH
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Begrüßt wurden die Gäste von Jan Themlitz, der bei HEH für die strategische Entwicklung des Terminals zuständig ist. Dass es sich bei der Anlage in Stade um weit mehr als ein regionales Infrastrukturprojekt handelt, hob Themlitz im Gespräch mit den CDU-Politikern hervor. Einer der Gesellschafter ist der spanische Energiekonzern Enagás, der über jahrzehntelange Erfahrungen mit LNG-Infrastruktur verfügt und später auch beim Betrieb des Terminals eine entscheidende Rolle spielen wird.
- Das Luftbild macht die Dimensionen der Großbaustelle im Industriegebiet Bützfleth deutlich
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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Terminal ersetzt 20 Prozent der russischen Importe
Auch die Kundenstruktur ist europäisch. Neben den deutschen Energieunternehmen EnBW und SEFE hat sich der tschechische Energiekonzern ČEZ langfristige Kapazitäten gesichert. Für Tschechien als Land ohne Meereszugang ist Stade künftig ein wichtiger Baustein bei der Gasversorgung. Das Terminal soll jährlich bis zu 13,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas in das deutsche Gasnetz einspeisen können. Das entspricht ungefähr einem Fünftel der früheren deutschen Erdgasimporte aus Russland. Die beiden in Bau befindlichen LNG-Tanks fassen später jeweils 240.000 Kubikmeter und werden die größten ihrer Art in Europa sein. Die Anlage soll später auch für Ammoniak genutzt werden, das künftig als Träger für grünen Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen dürfte.
Die größten LNG-Tanks Europas
Herzstück des Terminals werden zwei LNG-Tanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils 240.000 Kubikmetern. Mit einem Durchmesser von rund 90 Metern und einer Höhe von etwa 70 Metern werden sie die größten LNG-Tanks Europas sein. Allein ihre Bodenplatten ruhen jeweils auf rund 800 Pfählen, die etwa 25 Meter tief in den Stader Untergrund gerammt wurden. Insgesamt wurden auf der Baustelle bereits rund 1.800 Pfähle gesetzt.
Die Tanks erhalten eine massive Betonaußenhülle, Isolierungen und mehrschichtige Innenhüllen. Das ist notwendig, weil LNG – verflüssigtes Erdgas – auf minus 163 Grad Celsius heruntergekühlt wird. Dadurch schrumpft sein Volumen enorm: Aus einem Liter LNG entstehen nach der Regasifizierung rund 600 Liter Erdgas. Eine technische Besonderheit ist auch die Montage der Tankdächer. Sie werden zunächst am Boden zusammengesetzt und später allein mit Hilfe von Luftdruck auf rund 70 Meter Höhe angehoben.
Aktuell arbeiten nach Angaben von Themlitz rund 150 Menschen auf der Baustelle. Mit dem Hochlaufen der Arbeiten soll ihre Zahl deutlich steigen, in Spitzenzeiten auf bis zu 1.200 Beschäftigte.
Größtes Bauprojekt in der Region
Landrat Kai Seefried bezeichnete den Bau des Stader LNG-Terminals als das derzeit größte Investitionsprojekt der Region. Besonders bemerkenswert sei, dass das Milliardenprojekt privatwirtschaftlich finanziert werde. „Hier hat die Wirtschaft eine Entscheidung getroffen, die gut und wichtig für die Region ist“, betonte Seefried. Arne Kramer hob hervor, dass die weitere Entwicklung des Terminals marktwirtschaftlich geprägt sein müsse. Welche grünen Gase oder Energieträger sich langfristig durchsetzen, solle nicht die Politik festlegen. „Das ist Sache der Unternehmen“, sagte Kramer. Der Markt müsse entscheiden, welche Lösungen wirtschaftlich tragfähig seien. Kramer hatte angekündigt, dass er die Entwicklung des Industriestandorts Stade zur Chefsache machen werde, sollte er zum Bürgermeister gewählt werden.
- CDU-Bürgermeisterkandidat Arne Kramer will die Entwicklung des Industriestandortes Stade zur Chefsache machen
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Abwärme von Dow wird sinnvoll genutzt
Ein großer Standortvorteil ist die direkte Nachbarschaft zum Chemieunternehmen Dow. Bei der Regasifizierung muss das minus 163 Grad kalte LNG wieder erwärmt werden. Dafür kann Wärme aus den Produktionsprozessen von Dow genutzt werden. Diese Verbindung von Chemie- und Energiewirtschaft soll den Betrieb besonders effizient machen. Schon früh hatte HEH diesen Synergieeffekt als einen der entscheidenden Vorteile des Stader Standorts bezeichnet.
Unmittelbar vor dem Terminal liegt außerdem der neue Stader Energiehafen, den die landeseigene Hafengesellschaft NPorts in einem Kraftakt errichtet hat. Mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Millionen Euro war der Anleger das größte Bauprojekt in der Geschichte von NPorts.
McAllister weitet Blick auf Europa
David McAllister weitete den Blick auf die Ebene der EU. „Ihr Projekt mit dem LNG-Terminal hat europäische Dimensionen“, sagte der CDU-Europaabgeordnete. Stade werde dazu beitragen, die deutsche und europäische Gasversorgung breiter aufzustellen und unabhängiger von einzelnen Lieferländern zu machen. Die EU müsse nun für einen grenzüberschreitenden, europaweiten Ausbau der Energie-Infrastruktur sorgen. „Energie muss problemlos über die Grenzen hinweg transportiert werden können“, sagte McAllister. Dazu gehörten Stromkabel ebenso wie Gasrohre, durch die später auch Wasserstoff strömen kann. Zudem brauche Europa dringend wettbewerbsfähige Energiepreise, betonte McAllister. Gerade im Vergleich mit Ländern wie China müssten die europäischen Unternehmen zu Bedingungen produzieren können, die industrielle Wertschöpfung auch künftig ermöglichten. Das Stader Terminal sei deshalb ein wichtiger Baustein einer europäischen Energiepolitik.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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