Balkon-Konflikt der Kulturen in Stade-Bützfleth

Kurt Stacks ist stolz auf seinen Balkon: Bei seinen Nachbarn sieht er Verbesserungsbedarf
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Deutsche Reinlichkeit gegen Chaos auf Freisitzen: Rentner startet Vorbild-Wettbewerb

tp. Stade-Bützfleth. Im optischen Spannungsfeld zwischen Begonien im Blumenkasten und Orientteppichen an Balkon-Balustraden leben die Bewohner der Großwohnanlage am Mühlenweg in der Stader Ortschaft Bützfleth. Das Wirrwarr auf den Freisitzen aus zum Trocknen und Lüften ausgehängter Bettwäsche, Bekleidung, Satellitenschüsseln, Sonnenschirmen, Grills, Möbeln, Pflanzen, Elektrogeräten und Co. ist offenbar Ausdruck der kulturellen und materiellen Unterschiedlichkeit der Nachbarn: In den mehr als 200 Wohnungen leben neben Deutschen vor allem Türken, Polen, Russlanddeutsche und Bulgaren - vom Hartz-IV-Empfänger zur Miete bis zum Wohnungseigentümer. Nicht zuletzt angesichts der Flüchtlingszuwanderung will Quartiersbewohner Kurt Stacks (77) preußische Ordnung in Fassaden-Chaos bringen und plant einen Wettbewerb "Unser Balkon soll schöner werden".

Der Wettbewerb könnte beispielgebend für weitere Wohngegenden im Landkreis Stade mit internationaler Bevölkerung sein, wie das Altländer Viertel in Stade oder die Sagekuhle in Buxtehude, findet der ordnungsliebende Rentner Kurt Stacks, der sich selbst zugleich als "gut deutsch" und fremden Kulturen gegenüber aufgeschlossen beschreibt. Der Schrebergarten-Besitzer ist Vorsitzender des örtlichen Kleingärtnervereins, in dessen Vorstand auch Türken und Russlanddeutsche sind. Die Hobbygärtner wollen die Wettbewerbsteilnehmer bei der floralen Balkongestaltung mit Know-how unterstützen.

Stacks' großes Ziel ist ein gepflegtes, einheitliches Erscheinungsbild zur Wertsteigerung der Immobilien und die Verbesserung der Lebensqualität aller Nachbarn. Der ehemalige DDR-Bürger, der in Erfurt in einem Plattenbau wohnte, gewann in seiner Heimat zahlreiche Städte- und Gemeindewettbewerbe unter dem Motto "Unser schöner Balkon".

Stacks strebt eine akkurate Balkongestaltung mit Pflanzkästen, Markisen, Sonnenschirmen und Blumenampeln an. Er lobt den typisch-deutschen Balkon in höchsten Tönen, da er seinem Besitzer den größten Erholungsnutzen erweise. Stacks, der als Vertriebsingenieur beruflich viel reiste, hat internationalen Vergleich: Auf der Zuckerrohrinsel Kuba hielten Mieter auf den Balkonen Schweine und Hühner und nutzten sie als Gemüsegarten. In sowjetischen Großstädten dienten sie als Abstellfläche für Kühlschränke.

Beim WOCHENBLATT-Ortstermin in Bützfleth gaben sich einige türkische Hausfrauen aus der Nachbarschaft gegenüber der Wettbewerbsidee aufgeschlossen: "Wir würden mitmachen." Sie gaben allerdings ein Platzproblem zu bedenken: In dem Wohnblöcken gebe es außer an den Balkongeländern keine Gelegenheit, die Teppiche, die sie vor Festen mit Seifenwasser waschen, zum Trocknen aufzuhängen. In der Türkei sei dies übrigens üblich.

Zwar stehen am Mühlenweg Trockenräume auf den Dachböden zur Verfügung, wegen der vielen Treppen und fehlenden Tageslichts werden die Wäscheböden jedoch gemieden. Das räumt auch Elke Blohm, Verantwortliche der zuständigen Hausverwaltung HGV aus Cuxhaven, ein. Bauliche Veränderungen, wie Stacks sie in seinem Haus durchsetzte, seien aus Kostengründen jedoch nur in Einzelfällen möglich. Ansonsten wolle die HGV den Wettbewerb mit dem Vorbild-Charakter finanziell und organisatorisch unterstützen.

Auch Bützfleths Ortsbürgermeister Sönke Hartlef ist von Stacks' Offensive angetan: "Bürgerschaftliches Engagement finde ich immer gut." Er schlägt als Wettbewerbspartner den Bürgerverein Bützfleth vor und will Kontakt zu den Mitgliedern aufnehmen. "Für eine Siegerehrung stünde ich auch zur Verfügung."
Kurt Stacks schärft schon ungeduldig die Rosenschere: "Dann kann's ja bald losgehen."

• Kontakt: Tel. 04146 - 928974.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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