Siegel "Kinderfreundliche Kommune" verliehen
Kinder sollen mitreden: Kreis Stade erhält Auszeichnung als bundesweit erster Landkreis
- Landrat Kai Seefried und die Buxtehuder Stieglitze präsentieren das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ für den Landkreis Stade. Im Hintergrund: Vereinsgründerin Dr. Heide-Rose Brückner, Kreisschülerratssprecher Hauke Ilsemann und Elias Scherzinger sowie die Parlamentarische Staatssekretärin Mareike Wulf
- Foto: Landkreis Stade / Daniel Beneke
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Was wünschen sich Kinder und Jugendliche für die Orte, in denen sie mit ihrer Familie leben? Wo fehlen Treffpunkte? Wie kommen sie sicher zum Sport, zu Freunden oder zur Schule? Und vor allem: Wer hört eigentlich zu, wenn junge Menschen eigene Ideen haben? Im Landkreis Stade sollen solche Fragen künftig noch stärker in politische und administrative Entscheidungen einfließen. Dafür gibt es jetzt eine besondere Auszeichnung: Als erster Landkreis in Deutschland trägt Stade das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“.
Auszeichnung am Weltkindertag
Passender hätte der Termin kaum sein können: Am Weltkindertag wurde dem Landkreis Stade das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ verliehen. Dahinter steckt allerdings weit mehr als eine Plakette für das Kreishaus. Mit der Auszeichnung verpflichtet sich der Landkreis, die Rechte von Kindern und Jugendlichen systematisch zu stärken und konkrete Maßnahmen umzusetzen.
Grundlage dafür ist ein vom Kreistag beschlossener Aktionsplan. Er soll dafür sorgen, dass die UN-Kinderrechtskonvention auch auf kommunaler Ebene stärker mit Leben gefüllt wird. Das Siegel wird vom Verein Kinderfreundliche Kommunen vergeben, der von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk getragen wird.
- Die Buxtehuder Stieglitze begleiten die Veranstaltung im Stader Kreishaus musikalisch
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Wenn die Jüngsten eine Stimme bekommen
Für Kinder und Jugendliche soll das Vorhaben im Alltag spürbar werden. Geplant sind unter anderem neue Möglichkeiten zur Beteiligung, ein kreisweites Beteiligungskonzept und eine Stärkung des Kreisschülerrats. Auch die offene Jugendarbeit im Landkreis, bessere Zugänge zu Freizeitorten und Möglichkeiten einer aktiven Mobilität gehören zu den Themen des Aktionsplans. Aus Sicht eines Kindes könnte das ganz einfach heißen: Ich darf sagen, was mir in meinem Ort fehlt – und Erwachsene beschäftigen sich ernsthaft damit.
Genau diesen Gedanken hebt auch Landrat Kai Seefried hervor. Der Landkreis wolle die Kinderrechte ins Zentrum seines Handelns rücken und die Anliegen und Ideen junger Menschen bei Entscheidungen berücksichtigen. „Unser Anspruch ist es, die Perspektiven von jungen Menschen kontinuierlich und konsequent zu berücksichtigen“, erklärte Seefried anlässlich der Auszeichnung.
- Landrat Kai Seefried freut sich mit Dominik Bär, Geschäftsführer des Vereins Kinderfreundliche Kommunen, und der Parlamentarischen Staatssekretärin Mareike Wulf aus dem Bundesfamilienministerium über die Auszeichnung
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„Ihr seid wichtig und ihr werdet gehört“
Zur Siegelverleihung war Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Kinderchancen-Koordinatorin der Bundesregierung, nach Stade gekommen. Kinderrechte müssten dort sichtbar und wirksam werden, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen – etwa in der Familie, in Kita und Schule, im Verein oder in der Kommunalpolitik, betonte Wulf. Ihre Botschaft an Kinder und Jugendliche: „Ihr seid wichtig und ihr werdet gehört! Eure Ideen, eure Meinungen und euer Engagement zählen.“
Drei Jahre Zeit für konkrete Veränderungen
Mit der Verleihung des Siegels beginnt nun die entscheidende Phase. Das gesamte Programm „Kinderfreundliche Kommune“ erstreckt sich zunächst über vier Jahre. Im ersten Jahr werden die Situation vor Ort untersucht sowie Kinder und Jugendliche beteiligt. Daraus entsteht der Aktionsplan. Nach dessen politischer Verabschiedung und Prüfung durch den Verein wird das Siegel für die folgenden drei Jahre vergeben. In dieser Zeit sollen die vereinbarten Ziele umgesetzt werden. Der Landkreis stellt sich dabei zugleich einer regelmäßigen Überprüfung.
- Die Gründerin des Vereins Kinderfreundliche Kommunen, Dr. Heide-Rose Brückner, stellt zusammen mit Chorkindern die Bedeutung des vom Kreistag des Landkreises Stade beschlossenen Aktionsplans heraus
- Foto: Landkreis Stade / Daniel Beneke
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Dominik Bär, Geschäftsführer des Vereins Kinderfreundliche Kommunen, sieht insbesondere in den geplanten Beteiligungsmöglichkeiten einen wichtigen Schritt. Kinderrechte könnten auch auf Landkreisebene verbindlich umgesetzt werden. Neue Beteiligungsformate, das kreisweite Konzept und die Stärkung des Kreisschülerrats sollen jungen Menschen dauerhaft Möglichkeiten zur Mitbestimmung eröffnen.
Stade übernimmt bundesweit eine Vorreiterrolle
Mehr als 60 Städte, Gemeinden und Landkreise haben sich nach Angaben des Vereins inzwischen dem Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ angeschlossen. Dazu zählen unter anderem Köln, Potsdam, Regensburg, Stuttgart und Wolfsburg. Der Landkreis Stade betritt dennoch Neuland: Er ist der erste Landkreis bundesweit, der das Siegel erhält.
Damit wird aus der Auszeichnung zugleich eine Aufgabe. Denn ob ein Landkreis wirklich kinderfreundlicher wird, entscheidet sich nicht bei der Übergabe eines Siegels. Entscheidend ist, was Kinder und Jugendliche in den kommenden Jahren davon merken – auf dem Schulweg, in ihrer Freizeit, in ihren Gemeinden und immer dann, wenn Entscheidungen getroffen werden, die ihre Zukunft betreffen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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