Sanierungsprogramm nimmt Fahrt auf
Landkreis Stade nimmt marode Straßen ins Visier
- Der Landkreis Stade will in diesem Jahr mehrere marode Kreisstraßen sanieren
- Foto: KI-generiert
- hochgeladen von Jörg Dammann
Viele Kreisstraßen im Landkreis Stade befinden sich in einem desolaten Zustand. Doch das Sanierungsprogramm für dieses Jahr zeigt, dass der Landkreis den Kampf gegen Schlaglöcher, ausgefahrene Ränder und bröckelnden Asphalt systematisch angehen will. Bereits in den vergangenen beiden Jahren wurde damit begonnen, den Sanierungsstau endlich abzubauen. Die Umsetzung vieler Maßnahmen scheiterte bisher nicht nur am Geld, sondern auch an fehlenden Planungskapazitäten. Dieses Nadelöhr ist inzwischen weitgehend beseitigt, sodass nun deutlich mehr Projekte parallel vorbereitet und realisiert werden können.
Im Mittelpunkt stehen dabei klassische Fahrbahnerneuerungen auf besonders maroden Strecken. Dort, wo der Asphalt über Jahre hinweg gelitten hat, werden die Deckschichten großflächig erneuert oder – wie in einzelnen Ortsdurchfahrten – im sogenannten Tiefeinbau sogar grundlegend neu aufgebaut. Ergänzt wird das durch gezielte Oberflächenbehandlungen, die vor allem dazu dienen, beginnende Schäden frühzeitig zu stoppen und die Lebensdauer der Straßen zu verlängern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Infrastruktur für den nicht-motorisierten Verkehr. Zahlreiche Rad- und Gehwege werden erneuert oder erstmals umfassend instand gesetzt.
Dass der Handlungsbedarf groß ist, zeigt nicht zuletzt der Blick auf jene Strecken, die von den WOCHENBLATT-Lesern als besonders schlimme Schlagloch-Pisten gemeldet wurden (Link zum Artikel: bitte hier klicken). So soll die berüchtigte K9 in Nordkehdingen saniert werden. Und auch die K53 zwischen Griemshorst und Kammerbusch, die mit ihren tiefen Schlaglöchern bereits für teure Reifenschäden am Auto eines Lesers gesorgt hat, steht im Programm.
Hier eine Auswahl der für dieses Jahr vorgesehenen Maßnahmen (Fahrbahnsanierungen und Straßenerneuerung) :
- K9 bei Krummendeich (Fahrbahnsanierung)
- K53 zwischen Griemshorst und Kammerbusch (Fahrbahnsanierung)
- K72 zwischen Oldendorf und Heinbockel (Fahrbahnsanierung)
- K81 bei Burweg (Fahrbahnsanierung)
- K10 in Hohenlucht (grundhafte Erneuerung mit Grabenverlegung)
- K26 in Grundoldendorf (Fahrbahnsanierung im Tiefeinbau)
- Strecke Goldbeck – Nindorf – Rahmstorf (Sanierung der Fahrbahn)
- Abschnitt Horneburg – Neuenkirchen (Fahrbahnerhaltung)
- Ortsdurchfahrt Drochtersen (Ausbau der Straße)
KOMMENTAR: Erinnerungen an die DDR
Manchmal muss man nur ein paar Kilometer auf einer Kreisstraße unterwegs sein, um sich gedanklich auf eine kleine Zeitreise zu begeben. Beim Fahren über manche dieser „Holperpisten“ drängen sich dem Autor dieser Zeilen Erinnerungen an Verwandtenbesuche vor rund 40 Jahren in der damaligen DDR auf. Selbst in touristischen Regionen wie dem Harz waren die Straßen damals oft in einem elenden Zustand. Auf einer Tour durch den Ostharz verabschiedete sich bei einem eigentlich als unverwüstlich geltenden Pkw eines japanischen Herstellers kurzerhand die Auspuffhalterung – begleitet von einem infernalischen Scheppern. Die Rettung kam in Form eines improvisationsfreudigen Onkels aus dem Osten, der mit einer Rolle Leukoplast das lose Bauteil notdürftig fixierte. Eine Lösung, die immerhin bis zum nächsten Grenzübergang in den Westen hielt.
Vor dem Hintergrund solcher Erlebnisse löste das Befahren mancher Streckenabschnitte im Landkreis Stade bisweilen emotionale Irritationen aus: Fast vier Jahrzehnte nach dem Ende der DDR möchte man sich an solche Zustände eigentlich nicht mehr erinnert fühlen. Umso dringlicher erscheint das, was der Landkreis nun auf den Weg bringt: endlich wieder hin zu Straßen, die wieder ihren Zweck erfüllen, ohne dass man innerlich schon die nächste Notreparatur - womöglich wie anno dazumal mit Klebeband - einplant.
Für Autofahrer, Radfahrer und Anwohner bedeutet das mehr als nur ein wenig mehr Fahrkomfort. Es ist die leise, aber berechtigte Hoffnung, dass das Befahren der Kreisstraßen künftig wieder unspektakulär wird – und bei mir keine verstörenden Erinnerungen hervorruft.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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