Vom Sammeltaxi bis zum Bus ohne Lenkrad
Mobilität der Zukunft: Landkreis Stade setzt auf innovative Konzepte
- "Selbst ist der Bus“ lautet das Motto eines Projektes für ein autonomes Busangebot in Bad Bederkesa, über das Laura Kottsieper, „Smart City“-Projektmanagerin in der Stadt Geestland (Landkreis Cuxhaven) berichtete.
- Foto: Christian C. Schmidt/LK Stade
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Wie kann die Mobilität im Landkreis Stade in den kommenden 20 Jahren verbessert werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des öffentlichen Fachtags „Mobilität“ im Stader Kreishaus. Es wurden aktuelle und zukunftsweisende Projekte diskutiert, die zeigen, wie die Mobilität insbesondere im ländlichen Raum nachhaltiger und bedarfsgerechter gestaltet werden kann.
Sebastian Schröder-Dickreuter vom Bremer Büro Planersocietät, das den Landkreis bei der Entwicklung eines „Integrierten Gesamtverkehrskonzepts“ unterstützt, moderierte die Veranstaltung und setzte dabei auf interaktive Umfragen per Smartphone. So wurden die Gäste beispielsweise gefragt, ob sie bereits ein vollautomatisches Verkehrsmittel genutzt haben. Überraschend: Mehr als ein Drittel der Anwesenden antworteten mit „Ja“. Die Umfragen zeigten aber auch: Nicht alle können oder möchten auf digitale Lösungen zugreifen, ein wichtiger Punkt bei der Gestaltung zukünftiger Mobilitätsangebote.
Anruf-Sammel-Taxis: Erfolgsgeschichte mit Potenzial
Ein Beispiel für erfolgreiche Mobilität im Landkreis Stade ist das Anruf-Sammel-Taxi (AST), das seit 1999 das bestehende Bus- und Bahnnetz ergänzt. Verkehrsplaner Kevin von Wissel von der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen präsentierte die Bilanz des AST: Im Jahr 2023 nutzten 6.500 Fahrgäste das Angebot, vor allem abends oder für Freizeitaktivitäten. Mit 27 Linien schließt das AST Lücken im Fahrplan und ermöglicht flexible Mobilität. So könne von Fahrgästen auch außerhalb der Hauptverkehrszeit „der letzte Zipfel des Landkreises Stade erreicht werden“, sagt von Wissel. Das AST verkehrt allerdings nicht immer und überall wie ein normales Taxi. Es ist auf seinen 27 Linien an Fahrpläne gebunden, um möglichst mehrere Fahrgastanfragen zu bündeln und die Verflechtung mit dem übrigen ÖPNV zu gewährleisten.
- Der Erste Kreisrat Thorsten Heinze begrüßte beim Fachtag Mobilität im Stader Kreishaus die Gäste: „Auf dem Weg zum Verkehrskonzept für die nächsten 20 Jahre spielt die Beteiligung der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle“.
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Fahrtwünsche müssen angemeldet werden
Der Einstieg ins AST erfolgt immer an einer der Bushaltestellen. Der Ausstieg kann ebenfalls dort, aber auch ganz individuell vor der Haustür oder einer anderen Einrichtung erfolgen. Als Faustregel gilt, dass das Ziel nicht mehr als 1.000 Meter vom vorgesehenen Linienweg entfernt sein sollte. Fahrtwünsche müssen 45 Minuten vor der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit an der gewünschten Haltestelle angemeldet werden. „Das ging lange nur telefonisch – ist seit Sommer 2022 aber online möglich“, so von Wissel und berichtete über weitere Optimierungsmöglichkeiten: Die Zahlung des Fahrpreises, die im AS-Taxi erfolgen muss, sei zum Beispiel nicht immer digital möglich und auch die Bindung an einen Fahrplan störe viel Fahrgäste. Es gebe einige Ideen zur Verbesserung des AST-Angebotes, doch die Umsetzung sei mit einem höheren Zuschussbedarf verbunden, der jetzt bereits bei 76 Prozent liegt.
Pilotprojekte in Hamburg und Geestland
Neue Technologien eröffnen zusätzliche Perspektiven. In Hamburg-Harburg testet der Verkehrsverbund Hamburg-Holstein (VHH) im Rahmen des Projekts „AHOI“ autonom fahrende On-Demand-Shuttles. Projektleiter Fabian Zimmer berichtete über die Herausforderungen: Neben technischen Fragen geht es auch um die Akzeptanz der Fahrgäste. „Nehmen die Menschen das Angebot an?“ Diese Frage soll bis 2027 geklärt werden, wenn das Forschungsprojekt abgeschlossen ist. Ein weiteres Pilotprojekt findet im benachbarten Geestland statt. Dort sollen autonome Busse eine Verbindung zwischen der "rad+bus.STATION" in Bad Bederkesa und einem Gewerbegebiet schaffen. Ziel ist es, die Mobilität im ländlichen Raum zu verbessern und gleichzeitig innovative Technologien zu erproben.
- Verkehrsplaner Kevin von Wissel von der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen warb für das seit 1999 im Landkreis Stade bestehende „Anruf-Sammel-Taxi“, das allerdings digital aufgerüstet werden müsste.
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Zukunftsperspektiven für den Landkreis Stade
Erster Kreisrat Thorsten Heinze unterstrich zum Abschluss des Fachtags die Bedeutung neuer Mobilitätskonzepte: „Ein optimiertes AST-Angebot und weitere On-Demand-Lösungen werden entscheidend sein, um Lücken im Nahverkehr zu schließen.“ Insbesondere in ländlichen Gebieten müsse der ÖPNV flexibler und besser mit anderen Verkehrsmitteln abgestimmt werden, um die „letzte Meile“ effizient abzudecken.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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