Ehrenamt: Früher selbstverständlich?
Warum das immer weniger wird
- hochgeladen von Luisa Weber
Warum das Ehrenamt immer weniger wird
Ob Feuerwehr, Sportverein, DRK, Kirchengemeinde oder Nachbarschaftshilfe – viele Vereine und Organisationen suchen heute händeringend nach Ehrenamtlichen. Während früher zahlreiche Menschen bereit waren, ihre Freizeit freiwillig für andere einzusetzen, scheint das Interesse heute vielerorts zu sinken.
Doch woran liegt das?
Auffällig ist vor allem, dass sich viele Menschen heute weniger mit Vereinen, Verbänden oder Organisationen verbunden fühlen. Das Gefühl von Zugehörigkeit scheint sich verändert zu haben. Früher blieb man oft über viele Jahre Mitglied in einem Verein, engagierte sich gemeinsam und übernahm Verantwortung. Heute wirken viele Lebensbereiche schnelllebiger.
Damals war das Ehrenamt zudem häufig generationsübergreifend. Nicht selten engagierten sich ganze Familien über Jahre hinweg gemeinsam in Vereinen oder Organisationen. Der Vater gab das Ehrenamt an den Sohn weiter, die Großeltern an die Enkelkinder. Das Ehrenamt war oft nicht nur eine Aufgabe, sondern Teil des familiären Zusammenhalts und der eigenen Identität.
Hinzu kommt, dass immer weniger Menschen bereit sind, dauerhaft Verantwortung zu übernehmen. Ehrenamt bedeutet oft Zeit, Organisation und Verlässlichkeit – etwas, das neben Beruf, Familie und Alltag nicht immer leicht umzusetzen ist.
Auch finanzielle Fragen spielen möglicherweise eine größere Rolle als früher. Immer häufiger wird gefragt, ob ein Ehrenamt vergütet wird oder welche Aufwandsentschädigung es gibt. Dabei geht es nicht unbedingt um fehlende Hilfsbereitschaft, sondern oft auch um steigende Lebenshaltungskosten und den Druck des Alltags.
Viele Ehrenamtliche berichten zudem, dass ihnen die gesellschaftliche Wertschätzung für ihren Einsatz fehle. Während Menschen im Ehrenamt früher oft großen Respekt erfuhren, habe sich auch dies verändert. Gerade Einsatzkräfte wie Feuerwehrleute oder Rettungskräfte sehen sich heute teilweise nicht nur mit mangelnder Anerkennung, sondern sogar mit Beschimpfungen oder Angriffen konfrontiert.
Früher blickten viele Menschen zu Feuerwehrleuten oder anderen Helfenden auf, dankten ihnen für ihren Einsatz und begegneten ihnen mit großem Respekt. Heute berichten Einsatzkräfte immer häufiger davon, bei Einsätzen beleidigt, bedrängt oder sogar körperlich angegriffen zu werden. Für manche Ehrenamtliche sorgt dies zunehmend für Frustration und die Frage, ob sich ihr Einsatz überhaupt noch lohnt.
Dennoch zeigt sich: Ohne Ehrenamt würde vieles in unserer Gesellschaft nicht funktionieren. Veranstaltungen, Vereine, soziale Hilfen oder Rettungsorganisationen leben von Menschen, die freiwillig Verantwortung übernehmen.
Vielleicht stellt sich deshalb nicht nur die Frage, warum immer weniger Menschen ein Ehrenamt ausüben – sondern auch, wie das Ehrenamt wieder mehr Wertschätzung erfahren kann.
Leserreporter:Luisa Weber aus Stade |
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