Gründung durch die britische Besatzungsmacht
1. November 1946: Aus vier Ländern entsteht Niedersachsen
- Die niedersächsische Landesfahne. Niedersachsen wurde am 1.11.1946 offiziell gegründet
- Foto: Nieders. Staatskanzlei
- hochgeladen von Jörg Dammann
Einige werden deutschlandweit begangenen, andere europaweit oder sogar weltweit: Gemeint sind die unzähligen Jahrestage und Gedenktage, die quer über den Kalender verteilt sind. Weitgehend unbekannt ist ein Tag, der an ein historisches Ereignis vor genau 79 Jahren erinnert und für Niedersachsen von elementarer Bedeutung ist: Am 1. November 1946 wurde Niedersachsen aus der Taufe gehoben - auf Veranlassung der damaligen britischen Militärregierung. Bis dahin hatte es Niedersachsen niemals als eigenständiges politisches Territorium gegeben - auch wenn der Name bereits in spätmittelalterlichen Chroniken auftauchte. Überlegungen, ein Land Niedersachsen zu gründen, gab es dann in der Weimarer Republik - im Zuge einer Neugliederung des Deutschen Reiches. Diese Pläne flossen 1928 in eine politische Denkschrift ein, wurden aber letztlich nicht umgesetzt.
Drei Freistaaten und eine Provinz
Bis zur Nazi-Herrschaft gab es auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Niedersachsen drei eigenständige Bundesstaaten des Deutschen Reiches sowie eine preußische Provinz. Diese vier Territorien hatten unterschiedliche historische Entwicklungen, kulturelle Prägungen und Verwaltungsstrukturen. Ihre Zusammenlegung war eine pragmatische Entscheidung der Besatzungsmacht, um eine effizientere Verwaltung in der britischen Zone zu ermöglichen. Entstanden ist Niedersachsen aus den vormaligen Freistaaten Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie aus der ehemals preußischen Provinz Hannover.
Hannover wurde annektiert
Hervorgegangen sind die drei Freistaaten aus ehemaligen Feudalstaaten, deren Herrscher nach der Abdankung des deutschen Kaisers im November 1918 ebenfalls auf ihren Thron verzichten mussten. Oldenburg war bis zum Ende des Kaiserreichs ein Großherzogtum, Braunschweig ein Herzogtum und der Zwergstaat Schaumburg-Lippe wurde von einem Fürsten regiert. Den größten territorialen Beitrag zum neuen Land Niedersachsen leistete die zu Preußen gehörende Provinz Hannover. Hier handelt es sich um das frühere Königreich Hannover, das 1866 nach einem verlorenen Krieg vom Königreich Preußen annektiert wurde.
Stade und Harburg waren preußisch
Zum Königreich Hannover bzw. zur späteren gleichnamigen preußischen Provinz gehörten seinerzeit auch die heutigen Landkreise Stade und Harburg. Zuvor hatte vor allem Stade eine besondere historische Entwicklung durchgemacht. Die Hansestadt stand mitsamt Umland von 1645 bis 1712 unter schwedischer Herrschaft. Danach fiel Stade an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, zu dem auch das jetzige Gebiet des Landkreises Harburg gehörte und das von den englischen Königen in Personalunion regiert wurde. Nach dem Wiener Kongress wurde daraus im Jahre 1814 das Königreich Hannover, das rund ein halbes Jahrhundert später dann zwangsweise an Preußen fiel.
Ein vielfältiges Bundesland
Mit der Gründung Niedersachsens am 1. November 1946 wurde ein Bundesland geschaffen, das landschaftlich und kulturell sehr vielfältig ist. Von der Nordsee bis zum Harz, von Cuxhaven bis Hannoversch Münden und von der Elbe bis zur Werra: Niedersachsen verbindet die unterschiedlichsten Regionen, die ganz eigene Traditionen, Dialekte und wirtschaftlichen Strukturen haben. Der 1. November erinnert nicht nur an eine Verwaltungsreform, sondern auch an den geglückten Versuch, aus vier einzelnen Territorien ein gemeinsames Ganzes zu formen. Obwohl der Tag nicht als gesetzlicher Feiertag begangen wird, ist er von historischer Bedeutung – auch als potenzieller Kandidat für einen zukünftigen Feiertag.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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