Kai Seefried: "Der Landkreis soll ein Ort der Ideen werden"
Einer der aktivsten Wahlkämpfer: Interview mit dem CDU-Politiker Kai Seefried

Entspannte Stunden am Deich sind für Kai Seefried in diesen Tagen eher eine Seltenheit  | Foto: Martin Elsen
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(jd). Es ist unübersehbar: Die Wahlen stehen vor der Tür. Überall hängen Plakate. Doch im Gegensatz zu anderen Jahren ist vor Ort von Wahlkampf nicht viel zu spüren. Die Kandidaten haben ihre Aktivitäten größtenteils ins Internet verlagert. Saal-Veranstaltungen sind passé, stattdessen wird via Zoom, Webex und Co. kommuniziert. Und wer als Politiker etwas auf sich hält, ist auch in den sozialen Medien präsent.
Ein Bewerber, der die gesamte Online-Klaviatur geradezu meisterlich bespielt, ist Kai Seefried. Der CDU-Politiker, der sich um den Posten als Landrat bewirbt, ist wahrscheinlich der aktivste Wahlkämpfer in der Region. Mit seinem Konzept der Zukunftswerkstätten ist es ihm zudem gelungen, eine Brücke zwischen virtuellem Meeting und Live-Veranstaltung zu schlagen. Das WOCHENBLATT sprach mit Seefried über seine Wahlkampf-Aktivitäten.

WOCHENBLATT: Herr Seefried, Sie sind gefühlt schon seit Wochen im Wahlkampf-Modus. Eine Veranstaltung jagte die nächste - wobei diese Corona-bedingt immer online abliefen. Dazu noch Ihr Job als Landtagsabgeordneter. Wie sah Ihr Arbeitstag in den vergangenen zwei Monaten aus? Und hatten sie wenigstens am Wochenende mal Zeit für sich und die Familie?
Kai Seefried: Die Corona-Pandemie hat uns dazu gezwungen, unser gewohntes Leben zu verändern, vor allem die persönlichen Begegnungen und Treffen haben darunter gelitten. Daher habe ich versucht, mit vielen Online-Angeboten die Kommunikation aufrechtzuerhalten und häufig auch den direkt durch diese Krise Betroffenen eine Stimme zu geben und ihre Anliegen nach Hannover oder Berlin zu transportieren. Der Alltag sah dabei in den letzten Monaten nicht so viel anders aus als sonst. Meine Familie ist es gewohnt, dass ich viel arbeite und unterstützt mich dabei. Ich möchte, dass die Menschen im Landkreis Stade spüren, dass ich wirklich mit ganzer Kraft dafür arbeite der nächste Landrat unseres schönen Landkreises zu werden.

WOCHENBLATT: Allein die fünf Zukunftswerkstätten, die Sie innerhalb von knapp drei Wochen über die Bühne brachten, müssen bei der Vorbereitung jede Menge Zeit in Anspruch genommen haben. Wie lange hat es im Vorfeld gedauert, so etwas auf die Beine zu stellen?
Kai Seefried: Das ist richtig. Veranstaltungen mit zum Teil zehn Referenten zu organisieren, sorgt für einen erheblichen Aufwand. Mir war es aber auch wichtig, viele verschiedene Positionen in den Zukunftswerkstätten zusammenzubringen, mit Experten aus der Region, aber auch externen Fachleuten, die auch mal von außen auf unseren Landkreis schauen und andere Impulse geben. Für die Vorbereitung und die anschließende Durchführung einer Zukunftswerkstatt kommen dann wohl schon vier bis fünf Arbeitstage zusammen.

WOCHENBLATT: Sie haben eine breite Palette an Themen für die Werkstätten ausgewählt. Es ging um Freizeit und Tourismus, lebendige Ortszentren und den Einzelhandel, Bildung und Soziales, Gesundheit sowie Wohnen, Leben und Arbeiten im Landkreis Stade. Bei welchem Themenkomplex ist aus Ihrer Sicht am meisten rumgekommen? Wo haben Sie den größten Input für sich mitnehmen können?
Kai Seefried: Erstmal freue ich mich, dass bei allen fünf Werkstätten deutlich wurde, dass sowohl die Gäste als auch die Referenten die Ergebnisse positiv gesehen haben. Alle Werkstätten waren voll mit konkreten Anregungen, für Politik und Verwaltung, aber auch für die Akteure selbst. Beispielsweise den Wanderurlaub zu stärken, Quartierskonzepte für Innenstädte zu entwickeln, die Digitalisierung in der Bildung voranzubringen, für ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum zu sorgen oder die Medizinerausbildung in den Blick zu nehmen – um nur einige Themen zu nennen.

WOCHENBLATT: Und welches Fazit ziehen Sie allgemein aus den Zukunftswerkstätten? Werden Sie das Projekt der Zukunftswerkstätten in irgendeiner Weise fortführen? Ist es nach Ihrer Ansicht auch ein Modell, wie Politik künftig Themen aufgreifen kann, die für die Bürger relevant sind?
Kai Seefried: Mein Ziel ist es, Netzwerke für den gesamten Landkreis zu schaffen, Diskussionen auszulösen, Impulse zu geben und neue Ideen zu entwickeln und dabei die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und einzubinden. Kurzum, ich möchte den Landkreis Stade zu einem richtigen Ort der Ideen machen. Der Start ist unter meinem Motto „Zukunft Landkreis Stade – Ort der Ideen“ meines Erachtens gelungen. In jedem Fall möchte ich dieses Format im Falle meiner Wahl zum Landrat fortsetzen und damit regelmäßig zentrale Themen für unseren Landkreis gemeinsam mit Experten und Bürgerinnen und Bürgern aufgreifen.

Kar Seefrieds Zehn-Punkte-Programm für den Landkreis Stade

WOCHENBLATT: Bleiben wir beim Stichwort Themen: Sie gehen bei Ihrer Kandidatur für den Landratsposten mit einem Zehn-Punkte-Katalog ins Rennen, der sich auch in dem 20-seitigen Wahlprogramm der Kreis-CDU widerspiegelt. Greifen Sie daraus doch mal drei Punkte heraus, die Sie vorrangig angehen wollen, sofern Sie zum Landrat gewählt werden.
Kai Seefried: Da reichen eigentlich drei Themen nicht aus. Aber ich versuche es mal. Für mich spielen die Themen Bildung und Kinderrechte eine große Rolle. Wir haben als Landkreis eine gut ausgebaute Schullandschaft, wir müssen aber dringend im Bereich der Digitalisierung aufholen. Besonders am Herzen liegen mir die Kinderrechte und der Kinderschutz. Ich möchte hierzu eine Stabsstelle Kinderrechte einrichten. Wir wären damit vermutlich der erste Landkreis in Deutschland, der dieses Thema so angeht. Das zweite Thema ist die Gesundheitsversorgung. Hier wissen wir um die Bedarfe bei Haus- und Fachärzten, aber auch in unseren Krankenhäusern. Hier möchte ich versuchen, Modelle für eine Medizinerausbildung in der Region zu entwickeln. Als drittes Thema das Ehrenamt. Hier möchte ich die Vernetzung und die Unterstützung im Landkreis noch stärker bündeln und zukünftig einmal jährlich einen Tag des Ehrenamtes im Landkreis Stade durchführen. Wir können den vielen ehrenamtlich engagierten in unserem Landkreis gar nicht genug für ihren Einsatz danken.

WOCHENBLATT: Die Grünen unterstützen Ihren Gegenkandidaten von der SPD. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe? Bei welchen Themen unterscheiden sich Ihre Positionen deutlich von denen der Grünen?
Kai Seefried: Es gibt meines Erachtens auch bei mir viele Gemeinsamkeiten mit den Grünen bei Umweltthemen wie Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz oder neuer Mobilität. Der größte Unterschied zu den Grünen wird sicherlich bei den aus meiner Sicht zentralen Zukunftsprojekten der Verkehrsinfrastruktur in unserer Region deutlich. Nach wie vor lehnen die Grünen, auch im Stader Kreistag, den Bau der Autobahnen ab und auch der Ausbau des Stader Seehafens zu einer Energiedrehscheibe des Nordens mit einem Terminal für verflüssigte Gase wird kritisch gesehen. Für mich dauern diese Projekte, insbesondere die Autobahnen, viel zu lange und ich würde als Landrat alles versuchen, diese Projekte zu beschleunigen.

WOCHENBLATT: Die FWG hat sich zu Kai Seefried als neuem Landrat bekannt. Wie stehen Sie zur Forderung der FWG nach einer Reform der Kreisverwaltung? “Bürgerfreundlich” und “serviceorientiert” lauten die Schlagwörter. Stimmen Sie mit der FWG überein, dass es Baustellen in der Kreisverwaltung gibt, die angepackt werden müssen? Wenn ja, welche sind das?
Kai Seefried: Neben den bereits genannten Themen steht das Thema Bürgerfreundlichkeit und Service auch für mich an erster Stelle. Ich habe bereits im vergangenen Jahr bei der Ankündigung meiner Kandidatur gesagt, dass ich mich im Falle meiner Wahl als der oberste Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger in unserem Landkreis sehen würde. Genau diese Erwartung habe ich auch an die Verwaltung. Der Bürger ist hier gleichzeitig auch Kunde und hat einen Anspruch auf guten Service, den ich zukünftig in zentralen Bereichen auch mit einer Servicegarantie unterlegen möchte.

Stader CDU-Landratskandidat Kai Seefried: Tischlern für den Wahlkampf

WOCHENBLATT: Jetzt noch eine hypothetische Frage: Sollten Sie zum Landrat gewählt werden, welche Erwartungen stellen Sie dann an eine künftige Bundesregierung?
Kai Seefried: Ich habe dabei natürlich die Themen unserer Region im Blick. Hier stehen die genannten Verkehrsprojekte A20 und A26, der Ausbau des Seehafens auf der Agenda ebenso wie die großen Projekte unserer Industrie bei DOW und Airbus im Hinblick auf Wasserstoffnutzung für eine CO₂-neutrale Produktion oder das Thema Green Flight. Hier brauchen wir die Unterstützung des Bundes zur Umsetzung. Ganz grundsätzlich geht es daneben natürlich um eine kommunalfreundliche Politik und eine gute finanzielle Ausstattung der Kommunen.

WOCHENBLATT:  Und nun die abschließende Frage: Wie sehen Ihre weiteren Aktivitäten bis zur Wahl aus? Womit können wir noch rechnen?
Kai Seefried: Der Kalender ist bis zum 12. September nahezu restlos gefüllt. In den nächsten Tagen startet meine „Sommertour“ mit vielen Betriebsbesuchen und Gesprächen vor Ort. Ab dem 16. August werde ich dann unter dem Motto „Für ein starkes Ehrenamt – Mein Herz für den Landkreis Stade“ auf eine 10-tägige Tour mit meinem Lastenfahrrad starten. Insgesamt haben wir eine Tour von rund 400 Kilometern durch den Landkreis vorbereitet. Dabei stehen jeden Tag mehrere Besuche bei Vereinen, Verbänden und Organisationen auf dem Programm. Mir ist es wichtig, damit nochmals meine Wertschätzung für das Ehrenamt zu unterstreichen. Ich freue mich auf viele gute Gespräche.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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